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21.02.2013
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Palästinensischer Regisseur

US-Behörden hielten Oscar-Anwärter fest

REUTERS

Auf Einladung der Oscar-Academy reiste der palästinensische Regisseur Emad Burnat nach Los Angeles, doch am Flughafen wollte man ihm und seiner Familie offenbar die Einreise verweigern. Michael Moore kam Burnat zu Hilfe - und ließ die Anwälte der Academy los.

Los Angeles - Er war auf dem Weg zu einem Oscar-Dinner, doch am Flughafen wollte man ihn nicht ins Land lassen: Der palästinensische Regisseur Emad Burnat ist bei seiner Einreise in die USA offenbar von den US-Behörden am Flughafen in Los Angeles festgehalten worden.

Er, seine Frau Soraya und sein acht Jahre alter Sohn Gibreel seien von den Beamten eineinhalb Stunden verhört worden, sagte Burnat in einem Interview mit der "Huffington Post". Die Beamten hätten ihm nicht glauben wollen, dass er für einen Oscar nominiert sei. Selbst als er ihnen die Einladungen auf seinem Smartphone und die Hotelreservierungen zeigen wollte, hätten sie gedroht, ihnen die Einreise zu verweigern. Er und seine Familie hätten Angst gehabt, zurückgeschickt zu werden.

In seiner Verzweiflung kontaktierte Burnat seinen amerikanischen Kollegen und Oscar-Preisträger Michael Moore. Der Filmemacher beschrieb seine Sicht der Dinge auf der Webseite der "Huffington Post". "Hat die Grenzschutzbehörde kein Google?", empörte Moore sich in dem Beitrag. Außerdem veröffentlichte er die SMS, die Burnat ihm geschickt haben soll.

Urgent -- I am in the air port la they need more information why I come here Invitation or some thing Can you help they will send us back If you late Emad.

Er habe daraufhin sofort veranlasst, dass die Anwälte der Oscar-Academy eingeschaltet werden, sagte Moore. Wenig später durfte die Familie Burnat einreisen. Der Sender CNN berichtete, dass sich die Zoll- und Grenzschutzbehörde zu dem Vorfall nicht äußern wollte. Sie sei nicht befugt, über konkrete Fälle Auskunft zu geben.

Nicht "Oscar-mäßig" genug

Moore machte seiner Wut später auf Twitter weiter Luft. Anscheinend könnten die Grenzschutzbeamten nicht verstehen, dass ein Palästinenser für den Oscar nominiert ist, schrieb er. Weil er nicht "Oscar-mäßig" genug aussah, schob er später ironisch nach. Er sei es von zu Hause gewohnt, unter israelischer Besetzung ohne Rechte zu leben, sagte Burnat später über den Vorfall in Los Angeles.

Burnat ist zusammen mit dem israelischen Aktivisten und Regisseur Guy Davidi für den Dokumentarfilm "5 Broken Cameras" für den Oscar nominiert. In dem Film schildert der dreifache Vater und Landwirt in eigenen Videoaufnahmen das Leben in den besetzten Gebieten. Sein Sohn Gibreel spielt ebenfalls in dem Film mit.

Burnat ist der erste Palästinenser, der je für den Filmpreis nominiert wurde. Am Mittwochabend sollte Burnat an einem Empfang der nominierten Dokumentarfilmer im Hauptquartier der Oscar-Academy teilnehmen. Die 85. Oscarverleihung findet am 24. Februar in Los Angeles statt.

gam/dpa

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