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Panorama

Nach 25 Jahren Beziehung

Johannes Kahrs hat geheiratet

Nach 25 Jahren Beziehung hat der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs seinen Freund geheiratet. Eigentlich hätte es also schon die Silberhochzeit sein können - allerdings gibt es die Ehe für alle erst seit 2017.

DPA

Johannes Kahrs (r.), Ehemann Christoph Rohde

Sonntag, 30.09.2018   11:21 Uhr

Der SPD-Politiker Johannes Kahrs hat geheiratet - fast genau zum Jahrestag des Inkrafttretens der Ehe für alle. Die beiden gaben sich am Samstag in Kahrs Heimat Hamburg das Jawort. Eine eingetragene Lebenspartnerschaft sei für sie nicht infrage gekommen, hatte Kahrs zuvor der "Bild"-Zeitung gesagt. "Wenn wir heiraten, dann richtig." Er sei seit 25 Jahren mit seinem Partner zusammen.

Der 55-jährige Kahrs ist haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und einer der Sprecher des Seeheimer Kreises, des konservativen SPD-Flügels. In der Bundestagsdebatte über die Öffnung der Ehe für Homosexuelle hatte Kahrs am 30. Juni 2017 mit einer Wutrede Aufsehen erregt. So hatte er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeworfen, sich bei dem Thema "verstolpert" zu haben. "Das war Ihr Schabowski-Moment", meinte er in Anspielung auf die versehentliche Verkündung der DDR-Grenzöffnung durch Günter Schabowski.

Seit dem 1. Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Paare genau wie Heterosexuelle heiraten. Zuvor hatten sie ihre Lebenspartnerschaft seit 2001 eintragen lassen können, es gab aber keine Gleichstellung mit der Ehe, etwa beim Adoptionsrecht.

Der lange Weg zur Ehe für alle

1969 - Homosexualität unter erwachsenen Männern straffrei
Homosexualität unter Männern über 21 Jahren wird in der Bundesrepublik straffrei.
1973 - Herabsetzung der Altersgrenze
Homosexualität unter Männern ab 18 wird straffrei.
1994 - Paragraf 175 wird gestrichen
Der Paragraf 175 Strafgesetzbuch wird endgültig abgeschafft.
August 2001 - Lebenspartnerschaftsgesetz tritt in Kraft
Homosexuelle Paare können eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Sie sind aber rechtlich nicht komplett mit der Ehe gleichgestellt. Zum Beispiel dürfen sie nicht gemeinsam Kinder adoptieren.
Juli 2002 - Bundesverfassungsgericht bestätigt Lebenspartnerschaftsgesetz
Das Bundesverfassungsgericht erklärt das Gesetz für verfassungsgemäß. Es sei mit dem im Grundgesetz festgeschriebenen besonderen Schutz der Ehe vereinbar.
Januar 2005 - Lebenspartner bekommen mehr Rechte
Die Rechte von Lebenspartnern werden per Gesetz deutlich gestärkt. Sie dürfen unter anderem leibliche Kinder des Partners adoptieren.
Februar 2013 - Bundesverfassungsgericht erweitert Adoptionsrecht
Das Gericht, dass auch Adoptivkinder des Partners adoptiert werden dürfen.
Mai 2013 - Verfassungswidrige Benachteiligung
Die steuerliche Ungleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften und Ehen beim Ehegattensplitting sind aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidrig.
Juni 2017 - Bundestag beschließt Ehe für alle
Der Bundestag beschließt das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Noch bestehende Ungleichbehandlungen wie beim Adoptionsrecht werden beseitigt.
Oktober 2017 - Ehe für alle wird wirksam
Das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare tritt in Kraft.

fdi/dpa

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