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Panorama

Ein Jahr #MeToo

"Unsere Kultur schützt die Täter sexueller Gewalt, nicht die Opfer"

Auch ein Jahr nach #MeToo wird für Opfer sexueller Gewalt zu wenig getan, sagt Natalie Portmann. Ihr flammender Appell vor Hollywood-Kollegen: Steht auf! Zeigt in euren Filmen keine Gewalt gegen Frauen!

AP

Natalie Portman

Samstag, 13.10.2018   11:44 Uhr

Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein lassen Hollywood umdenken: Immer mehr Stars der Branche erheben ihre Stimme gegen sexuelle Gewalt und für die Rechte von Frauen. Auch bei der Veranstaltung des "Variety Magazines" "Power of Women" nahmen die Prominenten in Beverly Hills kein Blatt vor den Mund - allen voran: Schauspielerin Natalie Portman.

In einer flammenden Rede kritisierte die 37-Jährige, dass Frauen in allen Branchen unterrepräsentiert seien. Zugleich gab sie Hinweise, wie eine Veränderung ihrer Meinung nach gelingen könne. Spenden für die Time's-Up-Bewegung würden genauso helfen wie der Verzicht von darstellender Gewalt gegen Frauen in Filmen. Zudem sollten Frauen in Positionen angestellt werden, für die sie normalerweise nicht in Erwägung gezogen werden würden.

Natalie Portman gehört zu den starken Stimmen der Time's-Up-Bewegung, die in der Folge der Weinstein-Enthüllungen von Hollywoodstars ins Leben gerufen wurde und sexualisierte Gewalt gegen Frauen anprangert. "Schämt euch, wenn jeder an eurem Arbeitsplatz aussieht wie ihr", sagte Portman.

Time's-Up-Fond hat mehr als 3500 Menschen unterstützt

Auch den Umgang mit Weinstein und sexueller Gewalt prangerte die Schauspielerin an. Der Filmproduzent lebe immer noch in Freiheit, weil "unsere Kultur die Täter sexueller Gewalt und nicht die Opfer schützt". Mit ihrem Fonds für Rechtsbeihilfe hätte die Bewegung bereits mehr als 3500 Menschen geholfen, die geschlechtsspezifische Belästigung, Nötigung und Körperverletzung erlebt hätten.

Dazu gehörte auch Melanie Kohler, die dem Regisseur Brett Ratner vorgeworfen hatte, sie vergewaltigt zu haben. Die Anwälte der Bewegung hätten Kohler geholfen, über Ratner zu triumphieren, sagte Portman - obwohl Ratners Anwalt versucht hätte, sie zum Schweigen zu bringen.

AP

Emma Gonzalez

Neben Portman kam auch Emma Gonzalez zu Wort. Die junge Frau überlebte den Amoklauf an einer Schule in Florida. Seitdem kritisiert sie US-Präsident Donald Trump dafür, im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Gelder der Waffenlobby angenommen zu haben und setzt sich für eine Verschärfung der Waffengesetze ein. In ihre Rede forderte sie die Teilnehmer auf, wählen zu gehen und damit ein Vorbild für andere zu sein. "Ihr könnt und habt Frieden und Verständnis geweckt und besonders jetzt könnt ihr euer Publikum dazu inspirieren, dass es zur Wahl geht."

George Clooney hatte Gonzalez zuvor angekündigt. Sich selbst stellte er kurz als "Amals Ehemann" vor. Er sprach darüber, dass aus der Angst der Menschen immer mehr Kapital geschlagen werde. Dazu gehöre die "Angst vor Muslimen, Angst vor Einwanderern, Angst vor Minderheiten und die Angst vor starken Frauen".

Schon im Juni hatten Clooney und seine Frau mit deutlichen Worten ihre Abscheu über die Politik der Regierung Trump zum Ausdruck gebracht. Man könne nicht die Politik der Regierung Trump ändern, aber dabei helfen, die Opfer dieser Politik zu verteidigen, heißt es in einer Mitteilung des Paares zur Trennung von Familien durch US-Behörden an der Grenze zu Mexiko. Damals kündigten sie an, mit der Clooney-Stiftung 100.000 Dollar an eine Hilfsorganisation zu spenden.

sen/AP

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