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Panorama

Schwere Überschwemmungen auf Mallorca

"Das Wasser war nicht unter Kontrolle zu bringen"

Sintflutartige Regengüsse haben Teile von Mallorca überschwemmt und zu Verwüstungen geführt. Mindestens zehn Menschen starben. Überlebende schildern dramatische Szenen.

Atienza/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polizisten auf Mallorca

Mittwoch, 10.10.2018   18:14 Uhr

Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse, Autos trieben wie Spielzeug umher: Auf Mallorca hat ein heftiges Unwetter schwere Verwüstungen angerichtet, mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.

Nach mehreren Vermissten würden die Einsatzkräfte noch immer suchen, teilte ein Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil auf der spanischen Insel mit. "Unsere Priorität ist es, Überlebende zu finden und Leute zu retten, die zu Hause festsitzen", sagte die Vizebürgermeisterin von Sant Llorenç, Antonia Bauza. Drei Menschen wurden am Nachmittag von Rettungskräften lebend gefunden, sie hatten sich in einen alten Bahnhof gerettet.

"Was ich hier heute gesehen habe, das ist schlimmer als Krieg. Es ist eine Katastrophe", zitierte das "Mallorca Magazin" den Deutschen Thomas Wenzel, der seit mehr als 20 Jahren in Sant Llorenç wohnt.

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Tote bei Überschwemmungen: Chaos auf Mallorca

Betroffen war in erster Linie der Osten der Insel. Innerhalb von nur zwei Stunden stürzten dort laut jüngsten Angaben des Wetterdienstes 233 Liter Wasser vom Himmel - pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr sind in Deutschland im Schnitt 850 Liter pro Quadratmeter heruntergegangen.

Dramatische Szenen ereigneten sich vor allem in Sant Llorenç. In der 8000-Einwohner-Gemeinde, rund 60 Kilometer östlich der Hauptstadt Palma, trat ein Sturzbach über die Ufer. Die Wassermassen verwandelten Straßen in reißende Flüsse, zahlreiche Autos wurden mitgerissen. Bewohner versuchten, das Wasser mit Eimern aus ihren Häusern zu schippen. Mehrere Menschen kamen in der Gemeinde ums Leben.

Betroffene erzählten von dramatischen Szenen: "Ich bin ums Überleben geschwommen", sagte ein junger Mann im spanischen Fernsehen. Der Rentner Manuel Torescussa wurde von den Wassermassen in seinem Auto erwischt. "Ich konnte gerade noch aus einem Fenster ins Freie klettern und musste dann 500 Meter schwimmen, fast meine gesamte Kleidung blieb dabei an einem Metallzaun hängen", sagte er der Zeitung "Diario de Mallorca".

"Ich habe nur den Pyjama, den ich trage"

Javier Martínez klagte, sein Haus sei voller Wasser, Schlamm und Müll. "Ich habe alles verloren. Ich habe nur den Pyjama, den ich trage." Sant Llorenç' Vizebürgermeisterin Bauza sprach von einer "katastrophalen Lage": "Das Wasser war nicht unter Kontrolle zu bringen, es war dramatisch. Man muss es erlebt haben, um zu wissen, wie schlimm es war."

Sieben Landstraßen sind nach Angaben der Behörden derzeit unbefahrbar, einige Ortschaften laut Medienberichten ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Vielerorts sind entwurzelte Bäume, heruntergerissene Stromleitungen und zerstörte Häuser zu sehen.

"Es war eine harte Nacht, aber ich denke, dass der Tag noch heftiger wird", zitierte die Zeitung "El Mundo" eine Lokalpolitikerin. Ministerpräsident Pedro Sánchez will Regierungsangaben zufolge auf die Insel fliegen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Im Video: Tödliches Chaos Auf Mallorca

Foto: Twitter/C0L1N92

Zwei Briten starben den Angaben zufolge in S'Illot an der Ostküste, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden. Der Taxifahrer werde vermisst. In Sant Llorenç starb der frühere Lokalpolitiker Rafel Gili.

Eine Frau und ein 83-Jähriger wurden in ihren Häusern in Sant Llorenç vom Wasser überrascht. Ihre Leichen wurden in der Nacht geborgen. Weitere Tote seien auch in S'Illot und Artà entdeckt worden, teilte der Notdienst der Balearen mit. Deutsche sind nach den vorliegenden Erkenntnissen nicht unter den Toten und Vermissten.

Hunderte Hilfskräfte im Einsatz

Ein Feuerwehrmann sagte, die Menschen in den betroffenen Orten hätten auf Bäumen und Dächern gesessen. "Der Zugang mit dem Feuerwehrwagen war schwierig, sodass wir meist mehrere Versuche unternehmen mussten, um an die Menschen heranzukommen."

Dutzende Häuser mussten evakuiert werden. Rund 200 Menschen verbrachten die Nacht in Sportanlagen der Stadt Manacor, unter anderem in einer Anlage des aus Mallorca stammenden Tennis-Weltstars Rafael Nadal. Unter den Menschen, die in Sicherheit gebracht werden mussten, gab es sehr viele Rentner und Eltern mit Babys und kleinen Kindern. Insgesamt waren bislang etwa 400 Hilfskräfte im Einsatz.

mxw/dpa/AFP

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