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Panorama

Zugunglück bei Meerbusch

Personenzug hätte Gleisabschnitt nicht befahren dürfen

Bei einem Unfall mit zwei Zügen entgleisten mehrere Waggons. Dutzende Menschen erlitten Verletzungen. Nun gibt es erste Erkenntnisse zur Unglücksursache.

Foto: DPA
Mittwoch, 06.12.2017   15:17 Uhr

Der Personenzug, der in der Nähe von Düsseldorf auf einen Güterzug prallte, hätte den Gleisabschnitt zum Unglückszeitpunkt nicht befahren dürfen. Das sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn. Bei dem Unfall am Dienstagabend wurden laut Bundespolizei neun Menschen schwer und 41 leicht verletzt. Dagegen berichtete die Feuerwehr Meerbusch, es habe 33 Leichtverletzte gegeben, weitere sieben seien schwer verletzt worden.

Warum der Zug die Strecke bei Meerbusch dennoch befuhr, müsse nun geklärt werden, hieß es von der Ermittlungsstelle. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer, sagte Sprecher Gerd Münnich: Es müsse noch ermittelt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen oder vom Lokführer des Regionalzuges übersehen worden seien.

Der Mann verhinderte ersten Erkenntnissen zufolge mit einer Vollbremsung Schlimmeres. Bei dem Aufprall wurde er in seiner Fahrerkabine selbst verletzt. Er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock.

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Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden, teilte Münnich mit. Auch in den Stellwerken seien Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden.

Demnach ergibt sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei diese Strecke zwischen Krefeld und Köln für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. "Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein. Eine Schadenshöhe von zwei Millionen Euro dürfe überschritten sein.

Der Regional-Express der Linie 7 von Köln nach Krefeld war mit dem Güterzug von DB Cargo, der von Dillingen nach Rotterdam unterwegs war, auf offener Strecke kollidiert. Die Bahngesellschaft National Express, die den Personenverkehr auf der Strecke betreibt, rechnet nach eigenen Angaben fest mit einer Aufklärung der Unfallursache. "Es ist bei solchen Unglücken eigentlich immer im Nachhinein herausgekommen, wo das Problem lag", sagte ein Unternehmenssprecher.

Nach Angaben des Rettungsdienstes waren deutlich mehr Menschen in dem Personenzug als zunächst angenommen. Es seien 173 Menschen in dem Regionalzug angetroffen worden, sagte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Kreis. Zunächst war von rund 150 Insassen die Rede gewesen.

Foto: DPA

Bei dem Unglück verkeilte sich der vordere Wagen des Personenzuges stärker, die weiteren Waggons entgleisten oder standen weitgehend unbeschädigt auf den Schienen. Auch Waggons des Güterzugs entgleisten.

bbr/dpa/AFP

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