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Panorama

Schatzsuche in Mittenwald

Die phantastische Story des Leon Giesen

Leon Giesen brachte das Goldfieber nach Bayern. Der Niederländer vermutete im Städtchen Mittenwald einen Nazi-Schatz. Er grub tief, die Suche ist nun beendet. Giesen fand tatsächlich etwas heraus. Allerdings vor allem über sich selbst.

Leon Giesen
Von Gesa Mayr
Donnerstag, 31.10.2013   17:04 Uhr

Leon Giesen hatte einen Traum. Den Traum vom Schatz im oberbayerischen Mittenwald. Ein Schatz, versteckt von den Nazis, viel Gold, viel Legende. Giesen, 51 Jahre alt, ist eigentlich niederländischer Filmemacher und Dokumentarist, beziehungsweise Spurensucher und Geschichtenjäger, wie er es nennt. Die Suche nach dem Nazi-Schatz in Mittenwald, das war so eine Geschichte für ihn. Eine Geschichte wie in einem Schatzjägerfilm.

Und die geht so: Begeisterter Abenteurer entschlüsselt uralte Karte (ein angeblich von Adolf Hitlers Privatsekretär Martin Bormann codiertes Notenblatt zum "Marsch Inpromtu"). Abenteurer bekommt Geld für die Expedition (Crowdfunding in den Niederlanden) und macht sich mit einem bunten Team an die Arbeit (Sprengstoffexperte, Grabungshelfer und mittlerweile: einem Pressesprecher). Fehlt nur eine zufällig in die Geschichte geschlitterte hübsche Archäologie-Studentin.

Jetzt ist die Suche nach zehn Monaten zu Ende. Giesen durfte nun endlich selbst buddeln.

SPIEGEL ONLINE: Herr Giesen, Sie durften endlich nach dem Nazi-Schatz graben. Haben Sie in der Nacht davor überhaupt schlafen können?

Giesen: Ich war sehr aufgeregt, aber auch ganz schön traurig. Außerdem war ich krank und hatte Fieber, das hat auch nicht gerade geholfen. Es war ja klar: Egal ob wir etwas finden oder nicht, die Geschichte ist dann zu Ende.

SPIEGEL ONLINE: Wie endet denn nun die Geschichte vom Nazi-Schatz?

Giesen: Ein Messgerät hatte in 2,30 Meter Tiefe eine Anomalie entdeckt. Etwas war im Boden, was eigentlich nicht da sein sollte. Die Gemeinde Mittenwald hatte Auflagen gemacht. Wir bekamen nicht direkt die Erlaubnis zu graben. Der Polizeichef der Stadt meinte, der Nazi-Schatz könnte vielleicht mit einer Art explosiver Falle versehen sein. Deswegen mussten wir es unter der Anleitung eines Sprengstoffexperten machen. Irgendwann sind wir dann auf etwas gestoßen.

SPIEGEL ONLINE: Gold?

Giesen: Leider nein, die Anomalie war ein Granitblock und ein bisschen Metallmüll. Es war nichts.

SPIEGEL ONLINE: Wann wussten Sie: Es ist vorbei?

Giesen: Irgendwann fand die Grabungsmaschine Metallstücke, Kabel. Wir gruben immer weiter. Nachdem wir tiefer als 2,30 Meter waren, haben wir aufgehört.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie sehr enttäuscht?

Giesen: Ich hatte gehofft, es wäre theatralischer. Ich bin kein Schatzsucher in dem Sinne, mein Schatz sind die Geschichten. Selbst wenn es Gold gewesen wäre, ich hätte davon nichts gewollt. Ich wollte damit ja nicht reich werden. Aber ich finde es echt traurig für die Geschichte. Ich habe mir einfach gewünscht, dass etwas Spannenderes da unten liegt - etwas Spannenderes als Kabel.

SPIEGEL ONLINE: Also nehmen Sie jetzt doch keine Geschichte mit nach Hause.

Giesen: Doch, es ist eine phantastische Story. Die Geschichte hat mir gezeigt, dass ich ziemlich überzeugend sein kann. Ich habe die Gemeinde Mittenwald überzeugen können, mitzumachen. Ich habe 850 Leute gefunden, die die Grabung finanziert haben. Wenn die Geschichte ist, dass ein kleiner Typ ohne Geld und Macht, aber mit einer guten Idee eine bayerische Stadt dazu bringen kann, eine Straße aufzubrechen und ein tiefes Loch zu graben - dann ist das die Geschichte.

SPIEGEL ONLINE: Warum suchen Sie nicht einfach weiter? Vielleicht finden Sie den Schatz ja noch?

Giesen: Ich habe immer gesagt: Wenn ich dort nichts finde, dann ist das das Ende von dieser Geschichte. Dann werde ich nicht weitermachen. Dann werde ich eine andere Geschichte jagen.

SPIEGEL ONLINE: Aber was, wenn Sie nur einen kleinen Fehler in der Berechnung gemacht haben und der Schatz nun für immer da unten liegt?

Giesen: Dieser Schatz ist durch die Geschichte sehr belastet, er ist mit dem Leid vieler Menschen verbunden. Wenn ich den Schatz tatsächlich gefunden hätte, wäre es auch eine Bürde gewesen. Ich denke immer noch, dass es eine gute Theorie war. Vielleicht, das hatten die Mittenwalder ja auch gesagt, wurde der Schatz schon direkt nach dem Krieg von den Leuten ausgebuddelt, von denen er vergraben wurde. Das ist natürlich auch plausibel. Aber das ist das Beste, was ich tun konnte. Ich hatte eine Theorie, die habe ich überprüft. Jetzt ist jemand anderes dran.

SPIEGEL ONLINE: 850 Leute haben Ihr Vorhaben finanziert - was sagen Sie jetzt den Schatzsuchern? Nehmen die es so sportlich wie Sie?

Giesen: Die wissen es bereits, trotzdem werde ich Ende des Monats ein Event für sie veranstalten, mit Livemusik, und ihnen erzählen, was genau passiert ist. Außerdem überlege ich, den Granitblock, den wir gefunden haben, in tausend kleine Teile zersägen zu lassen. Und dann bekommt jeder ein Stück, dann teilen wir alle die Anomalität.

Das Interview führte Gesa Mayr

insgesamt 6 Beiträge
Badischer Revoluzzer 31.10.2013
1. An alle ausländischen Schatzsucher:
Das berühmte Nazi-Gold befindet sich in im Keller der Federal Reserve und in Fort Knox. Das haben nämlich die Amis kurz nach dem Krieg alles geklaut.
Das berühmte Nazi-Gold befindet sich in im Keller der Federal Reserve und in Fort Knox. Das haben nämlich die Amis kurz nach dem Krieg alles geklaut.
braman 31.10.2013
2. Fort Knox
Diese Aufbewahrung von Goldbarren in tiefen Verliesen zeigt eigentlich sehr anschaulich, wie wertlos das hübsche Metall doch ist. Vieles hat halt einen Preis ohne dabei einen realen Wert zu haben. Aber das hochpreisig [...]
Zitat von Badischer RevoluzzerDas berühmte Nazi-Gold befindet sich in im Keller der Federal Reserve und in Fort Knox. Das haben nämlich die Amis kurz nach dem Krieg alles geklaut.
Diese Aufbewahrung von Goldbarren in tiefen Verliesen zeigt eigentlich sehr anschaulich, wie wertlos das hübsche Metall doch ist. Vieles hat halt einen Preis ohne dabei einen realen Wert zu haben. Aber das hochpreisig Wertlose scheint eine mächtige Faszination auf Menschen aus zu üben. MfG: M.B.
Ursprung 31.10.2013
3. Wertesystem
Da gibts in allen Ewigkeiten, in allen Galaxien und Welten nur ein einziges Mal die klitzekleine Chance, als Mensch auf Gea zur Welt zu kommen und das nur fuer ein Aufenzwinkern lang. Und was machen die Idioten alle daraus? [...]
Zitat von bramanDiese Aufbewahrung von Goldbarren in tiefen Verliesen zeigt eigentlich sehr anschaulich, wie wertlos das hübsche Metall doch ist. Vieles hat halt einen Preis ohne dabei einen realen Wert zu haben. Aber das hochpreisig Wertlose scheint eine mächtige Faszination auf Menschen aus zu üben. MfG: M.B.
Da gibts in allen Ewigkeiten, in allen Galaxien und Welten nur ein einziges Mal die klitzekleine Chance, als Mensch auf Gea zur Welt zu kommen und das nur fuer ein Aufenzwinkern lang. Und was machen die Idioten alle daraus? Das Leben verschwenden in Striet, Gier, Missgunst, Wettkampf um ein kleines bisschen Gelbmetall oder gar nur einem symbolischen Ersatz dafuer.
Tiananmen 31.10.2013
4.
Gibt es gesicherte Erkenntnisse für Ihre Hypothese? Ich meine, wenn das heißen soll, je tiefer um so wertloser, dann möchte ich die Formumsteilnehmer mit den am tiefsten vergrabenen Goldschätzen bitten, sich bei mir zu [...]
Zitat von bramanDiese Aufbewahrung von Goldbarren in tiefen Verliesen zeigt eigentlich sehr anschaulich, wie wertlos das hübsche Metall doch ist. Vieles hat halt einen Preis ohne dabei einen realen Wert zu haben. Aber das hochpreisig Wertlose scheint eine mächtige Faszination auf Menschen aus zu üben. MfG: M.B.
Gibt es gesicherte Erkenntnisse für Ihre Hypothese? Ich meine, wenn das heißen soll, je tiefer um so wertloser, dann möchte ich die Formumsteilnehmer mit den am tiefsten vergrabenen Goldschätzen bitten, sich bei mir zu melden. Ich biete an, die Goldbarren zu heben und den Differenzwert zwischen dem tief vergrabenen Gold und dem gehobenen an die Besitzer auszuzahlen. Im übrigen stimme ich Ihnen natürlich zu, dass ein Kilo Hackfleisch einen realeren Wert hat als ein Kilo Gold. Auch hier biete ich allen Interessierten einen 1:2 Tausch an: 2 Kilo Hackfleisch (Mindesthaltbarkeit bei vertragsgemäßer Lagerung 3 Tage) gegen 1 Kilo Gold. Vielen Dank für Ihre Steilvorlage und nicht vergessen: "om mani padme hum". Herr schmeiß Hira ra!
Tiananmen 31.10.2013
5.
Whow, ich wußte garnicht, dass ich so priviligiert war. Ich bin hier nur geboren, weil meine Eltern auch schon da waren. Dass das eine klitzekleine Chance war, die nur für "ein Augenzwinkern" existierte, war mir [...]
Zitat von UrsprungDa gibts in allen Ewigkeiten, in allen Galaxien und Welten nur ein einziges Mal die klitzekleine Chance, als Mensch auf Gea zur Welt zu kommen und das nur fuer ein Aufenzwinkern lang. Und was machen die Idioten alle daraus? Das Leben verschwenden in Striet, Gier, Missgunst, Wettkampf um ein kleines bisschen Gelbmetall oder gar nur einem symbolischen Ersatz dafuer.
Whow, ich wußte garnicht, dass ich so priviligiert war. Ich bin hier nur geboren, weil meine Eltern auch schon da waren. Dass das eine klitzekleine Chance war, die nur für "ein Augenzwinkern" existierte, war mir bisher nicht bewußt. Das hat uns auf dem Standesamt auch keiner gesagt. Typisch. Andererseits beschleicht mich das Gefühl, dass Sie uns beschwindeln oder dass "ein Augenzwinkern" eine ziemlich lange Zeit sein muss. Was ist dann eigentlich mit den Jahrgängen 1953 und später?

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