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Nepal

Jungfrau-Göttin, drei Jahre alt - verehrt und weggesperrt

Sie ist gerade einmal drei Jahre alt und wird als Jungfrau-Göttin verehrt: Trishna Shakya ist die neue "Kumari" von Kathmandu. Die Tradition ist umstritten.

REUTERS
Donnerstag, 28.09.2017   16:06 Uhr

Das kleine Mädchen trägt ein rotes Kleid und ist mit Blumengirlanden bedeckt, als es in den Tempelpalast in Kathmandu getragen wird. Bis zum Beginn ihrer Pubertät wird Trishna Shakya ihn nur zu wenigen Gelegenheiten verlassen. Die Dreijährige ist die neue Jungfrau-Göttin der nepalesischen Hauptstadt.

Das Kind wurde zur neuen "Kumari" ernannt - einer lebenden Gottheit nach Jahrhunderte alter Tradition. Nur zu 13 Festen im Jahr darf das Mädchen hinaus - sie wird dann bei Paraden durch die Stadt geführt.

Die Familie der neuen "Kumari", hat gemischte Gefühle. "Sie ist nicht mehr nur unsere Tochter, sondern auch die lebende Gottheit des ganzen Landes", sagte ihr Vater Bijaya Ratna Shakya. Er sei glücklich, aber gleichzeitig sei ihm zum Weinen zumute.

Trishnas Vorgängerin, die zwölfjährige Matina, hatte nach acht Jahren als "Kumari" die Pubertät erreicht. Nepals Staatspräsidentin Bidhya Devi Bhandari stimmte der Ernennung der neuen Jungfrau-Göttin zu.

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Alte Tradition: Dreijährige zu lebender Göttin ernannt

Die "Kumari" (wörtlich übersetzt Jungfrau) wird unter Angehörigen der Shakya-Kaste ausgewählt. Dabei spielt die körperliche Perfektion ebenso eine Rolle wie auch das Horoskop des Mädchens. Es gibt mehrere der lebenden Göttinnen in dem Himalaya-Staat. Sie werden von Hindus und Buddhisten als Verkörperung der jeweiligen Göttin Taleju und Vajradevi verehrt.

Menschenrechtler kritisieren die Tradition, unter anderem wegen der Abschottung des Kindes.

bbr/dpa/AP

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