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Gesägt, getan

Gesägt, getan

Das war mal Brennholz

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Sonntag, 08.07.2018   09:04 Uhr

Für den Ofen zu schade: Beim Versuch des Brennholz-Upcyclings stellt sich ein Aha-Effekt ein. Es kann auch Vorteile haben, auf dem Holzweg zu sein.

Wir alle haben unsere Lieblinge. Jogi Löw mag seine erfahrenen Spieler, der deutsche Tourist Mallorca, die Kuh saftiges Gras. Wenn ich meinen Favoriten unter den Werkstoffen aussuchen müsste, bräuchte ich nicht lange zu überlegen. Bei jemandem, der so für hübsch abgeschliffene und eingeölte Küchenarbeitsplatten schwärmen kann wie ich, muss die Antwort "Holz" lauten.

Leider ist Holz teuer, Massivholz ganz besonders. Wissen Sie, was eine gut abgelagerte Eichenbohle kostet, wenn man überhaupt an eine rankommt?

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Heimwerker-Bastelei: Das Projekt Brennholz-Upcycling

Ja, ich weiß, Fichte oder Kiefer kriegt man im Baumarkt verhältnismäßig günstig. Aber immer nur mit Holz basteln, das mich doch sehr an die vertäfelten Zimmerdecken meiner Achtziger- und Neunzigerjahrekindheit erinnert? Nee, lieber nicht. Man will ja auch nicht jeden Tag Kartoffelsalat essen, obwohl er zweifellos gut schmeckt.

Dank der Freundlichkeit eines örtlichen Tischlers ist mein Holzvorrat deutlich hochwertiger geworden. Bei mir warten zwei Stücke Eichenbohle, ein großes Stück Buche, ein halbes Dutzend Mahagonibälkchen, ein großes Stück Meranti und diverse weitere Schätze darauf, verarbeitet zu werden.

Wenn ich daraus etwas baue, soll es vernünftig werden. Sonst wäre der Holzschatz verschwendet und nur noch zum Verbrennen geeignet. Um das zu vermeiden, entschied ich mich für den umgekehrten Weg: Ich wollte aus Holz, das eigentlich zum Verbrennen vorgesehen war, etwas bauen - quasi als Testlauf.

Brennholz hatte ich noch genug, Buche, Eiche, seit vier Jahren abgelagert, äußerlich rissfrei. Die Holzfeuchtigkeitsfetischisten werden sicherlich sagen, dass die Ware immer noch viel zu feucht gewesen sein dürfte. Mag sein. War mir aber egal.

Der lange Weg zu den Brettchen

Um meine Erfolgschancen zu erhöhen, entschied ich mich, mehrere Versuchsobjekte zu bauen: drei kleine Tabletts. Die Größe wurde durch die Größe der Holzscheite bestimmt.

Der Einfachheit halber wollte ich die Scheite in einen Zentimeter dicke Streifen zersägen. Sagen wir so: Ich musste ziemlich lange am Abrichthobel stehen, bis die Scheite für die Kreissäge bereit waren. Doch irgendwann lagen auf der Werkbank tatsächlich gut 20 Brettchen.

Für die Böden der Tabletts hätte ich auch Sperrholz nehmen können. Aber wo wäre da die Herausforderung gewesen? Stattdessen leimte ich die breitesten Streifen zusammen.

Nach diesem Arbeitsschritt musste ich mich von Tablett Nummer eins verabschieden. Winzige Unebenheiten in den geleimten Böden hätten sich mit Schleifpapier und Hobel ausgleichen lassen. Doch einer war so krumm, dass er direkt in die Restekiste für das nächste Lagerfeuer wanderte.

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Keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe - die anderen beiden Böden waren sehr eben, obwohl ich bei ihnen nichts anders gemacht oder die vielen Schraubzwingen anders angebracht hatte. Ich versuchte, es positiv zu sehen: Zwei von drei Böden beim ersten Versuch ist doch gar keine so miserable Quote. Und im weiteren Verlauf musste ich auch kein weiteres Tablett dem Brennholzvorrat zuschlagen - auch wenn sie für Perfektionisten vermutlich dort hingehören.

Denn die Tablettchen sind weit davon entfernt, makellos zu sein. Und sie sind bestenfalls groß genug, um einen Kuchenteller zu transportieren. Aber als Ergänzung für den restaurierten Kinder-Kaufmannsladen oder Ablagefach für Schlüssel taugen sie allemal.

Ich finde es faszinierend, wie mit Hobel, Säge und Schleifpapier aus einem grobschlächtigen Klotz so etwas vergleichsweise Filigranes entstehen kann. Das Brennholz hat wirklich innere Werte. Die Maserung finde ich so schön, dass die fast über die Fehler beim Bauen hinwegtäuscht.

Als ich die beiden fertigen (noch ungeölten) Tabletts betrachtete, dachte ich: Eigentlich ist dieses Holz zum Verbrennen viel zu schade. Und: Das Tablett aus Mahagoni und der Getränkehalter aus Eiche können kommen!


P.S. Ich bin Ihnen noch die Lösung des Heimwerker-Wissenstests aus der vergangenen "Gesägt, getan"-Folge schuldig. Die Gewinner der Verlosung werden so schnell wie möglich benachrichtigt.

Die richtigen Lösungen lauten C - A - C - C - C, im Einzelnen:

Frage 1: Löcher in Fliesen lassen sich mit Nagellack optisch kaschieren.

Frage 2: Eschenholz ist besonders für Spatenstiele geeignet.

Frage 3: Der einzige falsche Tipp war, dass es beim Akkuschrauber-Kauf ein teures Gerät sein sollte.

Frage 4: In hiesigen Breitengraden sollte ein Fundament im Garten mindestens 80 Zentimeter tief reichen, um frostsicher zu sein.

Frage 5: Man sollte beim Mähen nie mehr als ein Drittel des Halms abschneiden, sonst schwächt man das Gras und bietet Unkräutern ein Einfallstor.

insgesamt 3 Beiträge
neutron76 08.07.2018
1. Holz ist ein toller Werkstoff und Energieträger
Leider zieht die Natur nicht mit. Wenn wir noch „CO2-neutraler“ wirtschaften, gibt es in 30 Jahren zwischen Deutschland und dem Ural keine Wälder mehr.
Leider zieht die Natur nicht mit. Wenn wir noch „CO2-neutraler“ wirtschaften, gibt es in 30 Jahren zwischen Deutschland und dem Ural keine Wälder mehr.
Referendumm 08.07.2018
2.
Hallo Herr Schulz, da haben Sie aber mal ein paar wirklich schöne Tabletts gezaubert. Gefallen mir gut, das Gesamtbild stimmt. Schade, ich hätte gerne ein paar Infos zu den Maschinen gehabt. Wurden die Bretter beim Schreiner [...]
Hallo Herr Schulz, da haben Sie aber mal ein paar wirklich schöne Tabletts gezaubert. Gefallen mir gut, das Gesamtbild stimmt. Schade, ich hätte gerne ein paar Infos zu den Maschinen gehabt. Wurden die Bretter beim Schreiner gehobelt und gefräst? Solche Maschinen haben Sie doch gar nicht, oder? Nur zur Info - ich brauchte mal ein paar schöne lange und vor allem gerade Buchenlatten mit nem 20er Loch und an einem Ende schön gerundet. Beim Schreiner um die Ecke bekam ich perfekte Buchenlatten mit Loch und Abrundungen. Für wirklich kleines Geld. So etwas würde ich niemals selbst machen wollen. Wozu? Apropos Geld: 3 Eichenbohlen, Drechselholz, Brett, Bohle, Eichenholz 1085 x 165x 35mm Gebraucht für keine 20,- Euro Oder: Baumscheibe, Brett, Bohle, rustikal, Eiche, Heimwerker Handwerk, Massivholz 120cm für EUR 24,99 Gerade in der Bucht gefunden - so teuer ist Eiche auch wiederum nicht. Meine Kommentare dazu: "Hier wurde auf große Grifflöcher verzichtet - eine Entscheidung rein aus optischen Gründen." Ja, aber die länglichen dürften praktischer sein - ne knifflige Situation. "Auch hier der letzte Schritt vor dem Verleimen: Alle Teile exakt auf Größe sägen, die Gehrungen herstellen und Nuten hinzufügen." Genau das meine ich: Auf welchen Maschinen? "Der Versuch, die Nuten nicht über die gesamte Länge der Brettchen einzuarbeiten, erschien zu ambitioniert." Versuch macht kluch (klug) - hätte man riskieren können /sollen! "Das Tablett mit großen Grifflöchern: Sie wirken sehr wuchtig, hätten rückblickend kleiner gearbeitet werden sollen." Ja, sehe ich auch so. "Das Tablett mit auf Gehrung gesägten Ecken: Hier wirken die Proportionen etwas stimmiger." Sieht klasse aus, aber irgendwie sind Löcher unpraktisch - wie erwähnt, ist knifflig. "Frage 5: Man sollte beim Mähen nie mehr als ein Drittel des Halms abschneiden, sonst schwächt man das Gras und bietet Unkräutern ein Einfallstor." Ja, ja, ja, wer träumt nicht vom perfekten englischen Rasen? Nur ich habe festgestellt, dass das oft botanischer Stumpfsinn ist und wenn ich die vielen Insekten (Bienen, Wespen, Hummeln etc.) an meinen - wie heißen diese "Flachdecker" oder so? - auf jeden Fall an den ollen hohen Stengeln mit Butterblümchen (oder was das gelbe Zeug ist - habe 0,0 Interesse an Botanikwissen) dann frage ich mich, ob es nicht doch so besser ist. Und ich weiß immer noch nicht, ist es besser diese Stengel brutal abzumähen, oder nicht einfach stehen zu lassen. Danke im voraus für einen diesbezüglichen Tipp"
dasfred 08.07.2018
3. Die Idee mit dem Brennholz gefällt mir besonders
Da der Autor ja nun keine Ambitionen zeigt, auf Profi Handwerker umzuschulen, sondern sich bewusst als Bastler präsentiert, gefällt mir die Art wie er an eine Aufgabe herangeht. Statt in der nächsten Holzhandlung fertige [...]
Da der Autor ja nun keine Ambitionen zeigt, auf Profi Handwerker umzuschulen, sondern sich bewusst als Bastler präsentiert, gefällt mir die Art wie er an eine Aufgabe herangeht. Statt in der nächsten Holzhandlung fertige Platten zu kaufen, sieht er sich um, und überlegt, mit welchem Material man zum gewünschten Ergebnis kommen kann und welche Voraussetzungen nötig sind. Hier im Brennholz einen Werkstoff zu entdecken, ist eigentlich der kreativste Anteil an den Tabletts. Sowas schult auch das Auge für Upcycling. Ich empfehle diese Artikel Serie eigentlich jedem, der nicht nur fertiges konsumieren will, sondern sich auch Gedanken über den Ursprung der Dinge macht und der noch mal nachdenkt, bevor er was entsorgt oder in den Ofen schiebt, ob nicht noch ein anderer Nutzen draus zu ziehen ist. Und vor allem, erst mal ausprobieren. Mehr als schiefgehen kann nicht.

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