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Panorama

Hurrikan "Michael"

"Es sieht aus, als wäre eine Bombe hochgegangen"

Hurrikan "Michael" hat die Südostküste der USA mit voller Wucht getroffen. Mindestens 13 Menschen starben, Orte wurden zerstört. Inzwischen ist die Gefahr gebannt. Doch die Behörden rechnen mit weiteren Todesopfern.

AP
Samstag, 13.10.2018   13:01 Uhr

Straßen sind verwüstet, Menschen haben ihr Zuhause verloren und die Zahl der Todesopfer nimmt weiter zu. Bei dem schweren Hurrikan "Michael" an der Südostküste der USA sind mindestens 13 Menschen gestorben. Zum Teil war die Rede von 16 oder 17 Todesopfern, doch zunächst gab es nicht für alle Fälle eine offizielle Bestätigung.

Floridas Gouverneur Rick Scott sagte nach einem Besuch in Mexico Beach, die Stadt sei völlig verwüstet. "Es sieht aus, als wäre eine Bombe hochgegangen, wie in einem Kriegsgebiet." Das Wichtigste sei nun, das Schicksal der Bewohner zu klären, die sich den Evakuierungaufforderungen vor dem Sturm widersetzt hätten.

"Ich habe das Gefühl, dass sie noch weitere Opfer finden werden", sagte Senator Marco Rubio aus Florida. Auch der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, rechnete mit weiteren Opfern unter den Trümmern. Er hoffe zwar, dass die Opferzahl nicht "dramatisch" steigen werde. "Aber ich habe Grund zu der Annahme, dass wir in einige der am schlimmsten betroffenen Gebiete noch gar nicht vorgedrungen sind", sagte Long.

Die Rettungskräfte schickten am Freitag Spürhunde in die Trümmer eingestürzter Häuser. Einige Bewohner, die sich vor dem Sturm in Sicherheit gebracht hatten, kamen mit Liefer- und Umzugswagen in die Stadt zurück, um im Schutt ihrer Häuser nach Habseligkeiten zu suchen.

Der Sturm hinterließ eine massive Verwüstung. Einzelne Ortschaften wurden in weiten Teilen zerstört und überflutet, Bäume entwurzelt und Stromleitungen umgerissen, Häuser stürzten ein.

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Hurrikan "Michael": Mit 250 Kilometern pro Stunde über Florida hinweg

Nach Angaben von US-Medien und Behörden waren am Freitagmorgen mehr als 1,5 Millionen Anschlüsse in den betroffenen Bundesstaaten ohne Strom. Die Katastrophenschutzbehörde in Virginia alleine meldete noch am Freitagnachmittag mehr als 380.000 Stromausfälle und 1500 gesperrte Straßen. Virginias Gouverneur Ralph Northam sagte, in seinem Bundesstaat gebe es noch immer Überschwemmungen, viele Trümmer, umgestürzte Bäume und unpassierbare Straßen. Er mahnte, noch sei die Hurrikan-Saison nicht zu Ende. "Wir könnten sehr gut weitere Stürme erleben in den nächsten Wochen."

Video: Hurrikan "Michael" verwüstet Florida

Foto: DAN ANDERSON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

"Michael" war am Mittwoch in der Nähe des Ortes Mexico Beach in Florida auf die Küste getroffen - als Hurrikan der Kategorie vier mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Er lag damit nur knapp unter der höchsten Kategorie fünf. Nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes war es der stärkste Hurrikan, der diesen Teil Floridas seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 traf.

"Michael" zog danach weiter nach Georgia, wo er vom Hurrikan zu einem tropischen Sturm heruntergestuft wurde. Er streifte Alabama, bevor er sich weiterbewegte über South Carolina, North Carolina, Virginia und Delaware. Inzwischen befindet sich der Sturm über dem Atlantik. Das Nationale Hurrikan-Zentrum hob alle Sturmwarnungen für die USA im Zusammenhang mit "Michael" auf.

Trump kündigte am Freitag via Twitter an, er wolle zu Beginn der kommenden Woche Florida und Georgia besuchen. Man kümmere sich um alle Gebiete und Staaten, die der Hurrikan heimgesucht habe, versprach Trump. "Wir sind bei euch!"

Bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Ohio sagte Trump: "Das war ein bösartiger Hurrikan." Der Sturm sei einer der stärksten gewesen, die das Land erlebt habe.

Erst Mitte September hatte Tropensturm "Florence" die Südostküste der USA getroffen und vor allem in North und South Carolina schwere Überschwemmungen verursacht. Mehrere Dutzend Menschen kamen durch "Florence" und die Folgen des Sturms ums Leben.

sen/dpa/AFP

insgesamt 3 Beiträge
salomon17 13.10.2018
1. Tragisch
Es tut mir für die Menschen so sehr leid! Und nach jedem "schwersten Sturm seit Beginn der Wetteraufzeichnung" hoffe ich auf ein Umdenken bei den wichtigen Entscheidungsträgern. Bisher leider vergeblich.
Es tut mir für die Menschen so sehr leid! Und nach jedem "schwersten Sturm seit Beginn der Wetteraufzeichnung" hoffe ich auf ein Umdenken bei den wichtigen Entscheidungsträgern. Bisher leider vergeblich.
peer.seus 13.10.2018
2. Bitte mit geo-politischen Nicht- und Fehlentscheidungen in Beziehung..
Bitte mit geo-politischen Nicht- und Fehlentscheidungen in Beziehung setzen! Auch wenn Einzel-Ereignisse aufgrund zufälliger Schwankungen mit dem Klimawandel schwer in Beziehung zu setzen sind, muss doch - um der Zeichnung des [...]
Bitte mit geo-politischen Nicht- und Fehlentscheidungen in Beziehung setzen! Auch wenn Einzel-Ereignisse aufgrund zufälliger Schwankungen mit dem Klimawandel schwer in Beziehung zu setzen sind, muss doch - um der Zeichnung des Big Pictures gerecht zu werden !! - eben auch die Fehlsteuerung des Finanzmarkt-extremistischen Kapitalismus als Ursache solcher Katastrophen genannt werden! Wenn die ökonomischen Partikular-Interessen kleiner, reicher Bevölkerungsgruppen in den USA, in Europa und in Japan über die globalen Interessen der Menschheit gehoben und mit offenkundig blödsinnigen Argumenten verteidigt werden ("Konsumwahn ist geil!", "Gier ist Geil!", "Wenn es ein paar Reichen noch besser geht, wird es schon irgendiwe auch allen anderen besser gehen", ..) und den Leuten wegen der Verkaufs-schädlichen Wahrheiten eben nur noch halbe Wahrheiten und Lügen rein gewürgt werden - wenn sich die Medien aufgrund einer ökonomischen quasi-Gleichschaltung Strategien ausdenken, die Interessen der Werbekunden und mit den "Wahrheitsinteressen der Konsumenten" kreativ zu verbinden - dann verunsichert nicht ein Teil der Medienaussagen die Bevölkerung! Der hedonistisch-"Wandel-averse" Anteil der Menschen beharrt auf Gewohnheiten, die uns alle umbringen - weil Desinformation noch in ausreichend großen Lettern Konsum und Wegdenken weiter predigt - während auch irgendwo auf den drohenden Kollaps hingewiesen wird, dem geschulte Lobbyisten-Mietmäuler dann in den gleichen Medien auf Augenhöhe widersprechen. Daher würde ich mir wirklich wünschen, dass die Medien bei solchen Katastrophen eben mindestens im Teaser auf die Ursachen - unseren maßlosen Ressourcenverbrauch und insbesondere das vollkommen bedenkenlose Verbrennen von Erdöl zur Fortbewegung - klar benennen! Es ist einfach Wahnsinn, wenn man so einen Artikel liest und dann bei der Fahrt in die Stadt die Blech-Tsunamis in den Städten sieht - deren FahrerInnen nicht den Hauch von Unrechtsbewusstsein haben! Woher soll es auch kommen, wenn sogar der krasse Betrug eines der Welt-größten Kfz-Herstellers so offenkundig als ökonomisches Kavalliersdellikt klein geredet wird und nicht nur vollkommen unsanktioniert bleibt, sondern zusätzlichen Umsatz und zusätzliche Profite erzeugen soll. Man könnte denken, die ganze Desinformation und der betrug, mit der Diesel-SUVs in den Markt gedrückt wurden, seien ein kapitalistisches Husarenstück - dabei ist es der Offenbarungseid unserer sozialen marktwirtschaft und ein Sargnagel für unsere Existenz hier auf dem Planeten: 27°C Mitte Oktober in Berlin und monatelange Dürre in Deutschland, im Januar Temperatursprünge von 55°C in wenigen Tagen ("irgendwo in Russland, daher unpubliziert ..) oder eben dieser verheerende Sturm in den USA, DAS IST DOCH ALLES EIN UND DIE SELBE MEDAILLE!
M. Vikings 13.10.2018
3. Komplett ignorant.
Zu der Klimaveränderung und den sich häufenden Ereignissen, wurde ja hier schon geschrieben. Windgeschwindigkeiten um 250 km/h richten natürlich überall Schäden an, aber ohne jeglichen Küstenschutz, in einer Region in [...]
Zu der Klimaveränderung und den sich häufenden Ereignissen, wurde ja hier schon geschrieben. Windgeschwindigkeiten um 250 km/h richten natürlich überall Schäden an, aber ohne jeglichen Küstenschutz, in einer Region in der mit solchen Ereignissen zu rechnen ist, seine Häuser fast ins Meer zu bauen ist gelinde gesagt optimistisch. Es ist ja nicht so als hätten wir in Norddeutschland nichts besseres zu tun, als viel Geld für den Küstenschutz auszugeben oder Deiche zu bauen. Auf die Idee vor den Deich zu ziehen kommt hier niemand, und das aus gutem Grund. Da bleibt am Ende die Erkenntnis einer Betroffenen: "It's time to leave."

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