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Politik

Ex-Ghostwriter über Trump

"Ich habe Lippenstift auf ein Schwein gemalt"

Tony Schwartz war der Ghostwriter von Donald Trump und hat mit "The Art of the Deal" wesentlich zu dessen Aufstieg beigetragen. Das bereut er nun - und warnt vor dem "Soziopathen".

Cover von "The Art of the Deal"

Dienstag, 19.07.2016   12:14 Uhr

Fast 30 Jahre lang hat Tony Schwartz geschwiegen. Doch als Donald Trump, wohl ab morgen Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, mexikanische Einwanderer pauschal als Kriminelle und Vergewaltiger beschimpfte, reichte es ihm. Pünktlich zum Nominierungsparteitag rechnet er nun in einem Interview mit seinem einstigen Arbeitgeber ab.

Schwartz war einst der Ghostwriter des Bestsellers "The Art of the Deal", der 1987 erschien und sich über eine Million Mal verkaufte. Es sind die Memoiren Trumps - damals gerade Ende 30 -, die gleichzeitig seine größten Business-Deals dokumentieren sollten. Das Buch legte den Grundstein für den Mythos Trump, vor allem in den USA, wo es sich mehr als 48 Wochen in den Bestsellerlisten hielt.

Heute, so sagt Schwartz dem US-Magazin "The New Yorker", bereut er, das Buch geschrieben zu haben. Er habe "Lippenstift auf ein Schwein" gemalt, wörtlich übersetzt. Soll heißen: Er hat Trump besser dastehen lassen, als es eigentlich der Fall war. So habe er ihn nicht als eindimensionalen Unsympathen auffliegen lassen wollen, sondern selbst dessen Hang zur Unwahrheit noch wortreich verpackt, sagt Schwartz. Unvorteilhaftes habe er auch mal wegfallen lassen.

AFP

Tony Schwartz

18 Monate lang begleitete der Ex-Journalist den Geschäftsmann. Damals habe er lange überlegt, ob er sich auf den Buch-Deal einlassen sollte, aber er habe das Geld dringend gebraucht. Heute versucht er, seine Reputation wiederzuerlangen - und ist sicher: "Wenn Trump wirklich gewinnt und damit den Zugriff auf Nuklearwaffen bekommt, gibt es eine große Chance, dass es zum Ende der Zivilisation führen könnte."

Trump habe sich bemerkenswert egozentrisch verhalten, sagt Schwartz der "The New Yorker"-Autorin Jane Mayer. Er sei komplett auf sich selbst fokussiert und von dem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit besessen. Wenn er das Buch noch einmal schreiben müsste, sagt Schwartz im Interview, würde er einen anderen Titel dafür wählen: "Der Soziopath".

Konfrontiert mit den Aussagen sagte Trump dem Magazin gewohnt unbescheiden: "Er war der Co-Autor. Ich habe das Buch geschrieben. Und es war ein Nummer-eins-Bestseller, und das bestverkaufte Business-Buch aller Zeiten." Howard Kaminsky vom Random-House-Verlag, in dem "The Art of the Deal" erschienen ist, schildert die Entstehungsgeschichte des Buchs anders: "Trump hat nicht einmal eine Postkarte für uns verfasst."

Der Republikaner Trump, dem auch auf dem Nominierungsparteitag seiner Partei Kritik entgegenschlägt, sagte weiter über Schwartz, dieser verhalte sich illoyal. "Ich habe ihn reich gemacht. Er verdankt mir eine Menge."

Sein Ex-Ghostwriter dagegen schickt noch eine Warnung an mögliche Trump-Wähler: "Die Millionen von Menschen, die für ihn stimmen und denken, dass er ihre Interessen vertreten will, werden merken, was auch alle anderen lernen mussten, die mit ihm zu tun hatten: Dass er sich nicht weniger um sie scheren könnte."

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vks

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