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Politik

Krieg in Syrien

Der IS steht wieder vor Palmyra

Der "Islamische Staat" ist in Syrien wieder auf dem Vormarsch: Die Terrormiliz steht vor den Toren der antiken Wüstenstadt Palmyra - auch, weil die russische und syrische Armee gar kein Interesse an der Zerschlagung des IS haben.

AFP

Antike Ruinen in Palmyra

Von
Freitag, 09.12.2016   15:29 Uhr

Andächtig lauschten die russischen Soldaten dem Mariinski-Orchester im Amphitheater von Palmyra. Die Musiker unter Leitung von Dirigent Waleri Gergijew spielten Stücke von Bach und Prokofjew - genau dort wo ein Jahr zuvor die Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) Dutzende Gefangene getötet hatte. Der Kreml hatte das Orchester, russische Politiker und Journalisten extra einfliegen lassen, um die Rückeroberung von Palmyra zu feiern.

REUTERS/ Russian Ministry of Defence

Konzert in Palmyra am 6. Mai

Das war vor sieben Monaten.

Nun steht der IS wieder vor den Toren der Wüstenstadt. Von drei Seiten sind Kämpfer der Miliz in den vergangenen Tagen auf Palmyra vorgerückt. Sie haben mehrere Dörfer sowie Öl- und Gasfelder eingenommen. Rund 30 syrische Soldaten wurden bei den Gefechten getötet. Der IS veröffentlichte zudem ein Video, das mehrere gefangen genommene Soldaten und Milizionäre der Regierung zeigen soll. Derzeit kämpfen beide Seiten um mehrere strategisch wichtige Hügel, die rund fünf Kilometer von Palmyra entfernt liegen. Anwohner sollen aus der Stadt geflüchtet sein.

Es ist das erste Mal seit Monaten, dass der IS in Syrien in die Offensive geht. Bislang hatte die Terrormiliz seit Jahresbeginn nur Gebiete verloren - nicht nur rund um Palmyra, sondern vor allem im Norden Syriens. Trotz dieser Verluste und des fehlenden Nachschubs an Kämpfern aus Europa: Die Terrororganisation ist noch immer eine Gefahr und in der Lage, die geschwächte und ausgezehrte syrische Armee punktuell zu überrollen.

SPIEGEL ONLINE

Frontverläufe in Syrien

In den vergangenen Tagen soll Russland seine Militärberater aus Palmyra abgezogen haben, obwohl der IS zeitgleich seinen Vormarsch vorbereitete. Und ohne russische Hilfe sind die Soldaten und Milizionäre des Regimes offenbar kaum imstande, umkämpftes Territorium zu halten.

Die Offensive der Dschihadisten ist ein weiterer Beleg dafür, dass es Wladimir Putin und Baschar al-Assad überhaupt nicht darum geht, den IS zu bekämpfen. Während russisches und syrisches Militär Angriff um Angriff auf die Rebellengebiete in Aleppo und Idlib im Norden Syriens fliegen, lassen sie die Terrormiliz gewähren. Strategisch ist es für den Diktator und seine Verbündeten wichtiger, die Aufständischen auszuschalten, weil sie seine Herrschaft herausfordern. Den Kampf gegen den IS überlässt er den USA und ihren Verbündeten.

Die Rückeroberung von Palmyra Anfang des Jahres war nur wichtig für die russische Propaganda. Die Aufnahmen vom Klassikkonzert und geretteten Kunstschätzen in der Wüstenstadt sollten von den Angriffen auf Schulen und Krankenhäuser in anderen Gegenden Syriens ablenken.

Damals präsentierte sich Russland als Bewahrer des antiken Erbes in Syrien. Palmyra ist eine der bedeutendsten historischen Stätten im Nahen Osten. Die IS-Terroristen hatten während ihrer zehnmonatigen Herrschaft über den Ort mehrere Tempel aus vorislamischer Zeit gesprengt und Khaled Asaad, den Chef-Archäologen von Palmyra, enthauptet.

insgesamt 94 Beiträge
quark2@mailinator.com 09.12.2016
1.
Das sind ja mal wieder steile Thesen ... Assad will "sein" Land wieder und Rußland will dort seine Basis und Einfluß auf die Erdölströme Richtung Türkei. D.h. beide haben absolut Interesse, den IS aus Syrien zu [...]
Das sind ja mal wieder steile Thesen ... Assad will "sein" Land wieder und Rußland will dort seine Basis und Einfluß auf die Erdölströme Richtung Türkei. D.h. beide haben absolut Interesse, den IS aus Syrien zu vertreiben. Zerschlagen kann man da eh nichts, denn solange fremde Mächte auf arabischem Boden Machtpolitik betreiben, wird es auch immer arabische Gruppierungen geben, die dort aktiv sind. Wenn es mal vorbei ist mit dem Öl und es keinen mehr interessiert, was da so läuft, dann wird plötzlich Ruhe sein, nicht eher. U.a. auch weil von außen genug Interesse besteht, jegliche stabile Verhältnisse zu untergraben.
Chefredakteur 09.12.2016
2. Aber dieses Mal Rückwärts!
IS ist auf Rückzug, da müssen die Terroristen noch mal ihre Schandtaten sehen! Bekanntlich kommt der Verbrecher an Tatort zurück!
IS ist auf Rückzug, da müssen die Terroristen noch mal ihre Schandtaten sehen! Bekanntlich kommt der Verbrecher an Tatort zurück!
nachfrager2015 09.12.2016
3. und?
was ist mit den Anderen, wer kommt da Palmyra zur Hilfe. Weiterhi frage ich mich oder habe ich das überlesen - woher kommen die IS-Truppen? Etwa aus Mossul?
was ist mit den Anderen, wer kommt da Palmyra zur Hilfe. Weiterhi frage ich mich oder habe ich das überlesen - woher kommen die IS-Truppen? Etwa aus Mossul?
vulcan 09.12.2016
4.
Guter Artikel - genauso sieht es aus: Russland ist ausschließlich daran interessiert, Assad an der Macht zu halten. Sonst gar nichts. Dafür gehen sie über Leichen - buchstäblich. Hunderte, Tausende. In Aleppo bringen sie sie [...]
Guter Artikel - genauso sieht es aus: Russland ist ausschließlich daran interessiert, Assad an der Macht zu halten. Sonst gar nichts. Dafür gehen sie über Leichen - buchstäblich. Hunderte, Tausende. In Aleppo bringen sie sie selber um und in Orten wie Palmyra überlassen sie sie dem IS, weil sie Wichtigeres zu tun haben. Das russische 'Engagement' in Syrien ist an billiger, primitiver und durchsichtiger Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Vor über einem Jahr war das Geschrei in den Putin-Fanclubs ja groß, wie 'Russland alles innerhalb von zwei Wochen regelt." Was wirklich passiert ist und noch passiert, kann jeder in Syrien sehen. Wie dilettantisch Russland auch in militärischer Hinsicht vorgeht, lässt sich sehr gut an den diversen Abschüssen und Abstürzen ablesen, die Luftwaffe und Marine bereits hinnehmen mussten. Man kann daraus sehr gut darauf schließen, wie es um die Genauigkeit der massiven und ständigen Bombenangriffe in und um Aleppo bestellt ist.
tomxxx 09.12.2016
5. Gut das das Kriegsgeschehen hier ...
den Weg in die Berichterstattung findet. Ich habe auf Reisen mal die ausländischen Nachrichtensendungen verfolgt, da merkt man erst wie provinziell die deutschen Medien sind. Es wäre gut, wenn der Spiegel über die Entwicklungen [...]
den Weg in die Berichterstattung findet. Ich habe auf Reisen mal die ausländischen Nachrichtensendungen verfolgt, da merkt man erst wie provinziell die deutschen Medien sind. Es wäre gut, wenn der Spiegel über die Entwicklungen (inklusive Karten wie hier) permanent berichten würde...
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