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Politik

Streit um Bezahlung

Militärrevolte in der Elfenbeinküste weitet sich aus

Was in Bouaké begann, hat weitere Städte erfasst: Ivorische Soldaten meutern und fordern höhere Löhne. Auch in der Metropole Abidjan sollen Schüsse gefallen sein.

REUTERS

Aufständischer Soldat an einem Kontrollpunkt in Bouaké

Samstag, 07.01.2017   14:46 Uhr

Die Revolte von Soldaten in der Elfenbeinküste hat zumindest zeitweise weitere Städte ergriffen. Am Samstag seien auch Schüsse in einem Armee-Stützpunkt in Abidjan gefallen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen. Abidjan ist mit fünf Millionen Einwohnern die größte Stadt des westafrikanischen Landes. Auch aus dem im Westen gelegenen Man berichteten Einwohner demnach von Schusswechseln.

Am Freitag hatten meuternde Soldaten die Kontrolle über Bouaké übernommen, der mit rund 500.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes. Dort wurde am Samstag weiter gekämpft. Zur Lage an anderen Orten gab es widersprüchliche Angaben. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Samstagmittag unter Berufung auf Augenzeugen, aus den übrigen Städten hätten sich die Meuterer wieder zurückgezogen.

Verteidigungsminister Alain-Richard Donwahi hatte für Samstag Gespräche mit den Meuterern angekündigt und zugleich Verstärkung für die regierungstreuen Truppen entsandt. Er bezeichnete die Revolte als "verständlich, aber bedauerlich für das Ansehen des Landes".

Bouaké war bereits im Jahr 2002 das Zentrum einer Rebellion. Damals übernahmen die Aufständischen die Kontrolle über den Nordteil des westafrikanischen Staates, der der größte Kakaoproduzent der Welt ist.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurde die Elfenbeinküste 2011 wiedervereinigt. Die Armee setzt sich seitdem aus den früheren Regierungstruppen und ehemaligen Rebellenkämpfern zusammen und ist in sich zerstritten.

Laut einem Armee-Offizier handelt es sich bei den Meuterern um ehemalige Rebellen aus dem Norden der Elfenbeinküste, die seit Ende des Bürgerkriegs in die Armee integriert wurden. Sie fordern demnach eine Erhöhung ihres Solds, Leistungszulagen sowie schnellere Beförderungen. Bereits im November 2014 hatten massive Proteste der ehemaligen Rebellen wegen ausstehender Zahlungen das Land lahmgelegt. Präsident Alassane Ouattara sagte daraufhin Nachzahlungen zu.

Die Regierung hatte vor Kurzem einen ehrgeizigen Plan zur Modernisierung der Streitkräfte bis zum Jahr 2020 vorgelegt. Unter anderem will sie für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro neue Ausrüstung kaufen und die Zusammensetzung der Streitkräfte neu strukturieren. Von den derzeit 22.000 Soldaten haben zu viele hohe Dienstgrade.

dab/Reuters/AFP

insgesamt 2 Beiträge
nofreemen 07.01.2017
1. Krieg zur Sicherheit des Volkes
Da muss der Westen sofort eingreiffen um westliche Werte zu festigen. Die Oligarchen werden es danken. Zur Zeit beobachten die die Lage von Genf und Süd-Frankreich aus. Da ist es sicherer und demokratischer Sicherheits- Schutz [...]
Da muss der Westen sofort eingreiffen um westliche Werte zu festigen. Die Oligarchen werden es danken. Zur Zeit beobachten die die Lage von Genf und Süd-Frankreich aus. Da ist es sicherer und demokratischer Sicherheits- Schutz ist vorhanden um das Volk zu Hause besser unterstützen zu können. Alles Rechtsstaatlich. Für das Aufrüsten der Gegenwehr stehen die Lobbyisten schon Schlange und reiben sich die Hände. Die Nachtclubs in Genf sind voll von schwarzen Schönheiten. Der Autopark drauss vor den Clubs ist beachtlich. Wenigstens schneit es nicht in der Elfenbtinküsste so das wenigstens die Füsse trocken bleiben. The Show goes on und die Ami-Waffenschmider an vorderster Front zusammen mit den Franzosen.
gunpot 07.01.2017
2. nur zur Erinnerung,
der ivorische Präsident Bédié wurde weggeputscht, weil man den Soldaten, die in der Zentralafrikanischen Republik in den 90iger Jahren im UNO-Einsatz waren, nicht das Tagegeld von 1.000 FrancCFA auszahlte. Das ist ein Gegenwert [...]
der ivorische Präsident Bédié wurde weggeputscht, weil man den Soldaten, die in der Zentralafrikanischen Republik in den 90iger Jahren im UNO-Einsatz waren, nicht das Tagegeld von 1.000 FrancCFA auszahlte. Das ist ein Gegenwert von 1,50 Euro. Sie wurden mit Versprechungen hingehalten. Da wurde es einem guten Dutzend altgedienter Soldaten zu viel. Sie besetzten das Munitionsdepot der Armee in Abidjan und lösten so die Machtübernahme aus. Bédié wurde verjagt. Natürlich hat Präsident Quattara jetzt schnell gehandelt. Die Frage bleibt nur, warum es wegen einiger Euro immer wieder zu Rebellionen kommt. Man will wohl nicht lernen. Oder sind es wieder hohe Offiziere, die die Gelder nicht weiterleiten. Ja dann gute Nacht Ivory Coast. In Nigeria mussten wir schon zusehen, dass die hohe Generalität im Kampf gegen Boko Haram die Truppen nicht mit dem Notwendigen versorgten. Die Folgen sind bekannt. Dann gelobe ich mir doch einen Präsidenten wie Kagame von Ruanda, der mit harter Hand gegen die Korruption durchgreift. Die Wirtschaft läuft dort verhältnismäßig gut. Tja, nun werden wohl wieder die Menschenrechtler aufmucken. Die sollten sich mal merken, dass die energische Korruptionsbekämpfung letzten Endes auch der Erhaltung der Menschrechte dient.

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