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Politik

Comey im Geheimdienst-Ausschuss

FBI-Boss widerspricht Trump öffentlich

Das FBI untersucht mögliche Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland. Das hat Behördenchef Comey vor dem Geheimdienstausschuss bestätigt. Keine Beweise gebe es für die Trump-Behauptung, dass Obama ihn abhören ließ.

Foto: AP
Montag, 20.03.2017   15:44 Uhr

Das FBI führt Ermittlungen zu Absprachen zwischen dem Team von Donald Trump und Russland bei der US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr. Das bestätigte der Direktor der Behörde, James Comey, vor dem Geheimdienstausschuss. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob Russland die Wahl beeinflusst hat.

Comeys Aussage vor dem Ausschuss war mit Spannung erwartet worden. Das FBI hat bisher nie offiziell bestätigt, dass es wegen möglicher Absprachen zwischen Trumps Team und Russland im Wahlkampf ermittelt.

Comey äußerte sich auch zu den Abhörvorwürfen, die Trump gegen seinen Vorgänger Barack Obama erhoben hatte. Es habe keine Abhöraktion gegen den damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump gegeben, sagte Comey. Er habe auch keinerlei Informationen, die Trumps Anschuldigungen unterstützen. Auch das US-Justizministerium habe keine solchen Erkenntnisse, fügte er hinzu.

"Es gab kein Abhören"

Gleich zu Beginn der Ausschusssitzung hatte bereits der republikanische Vorsitzende, Devin Nunes, gesagt: "Es gab kein Abhören." Es sei allerdings möglich, dass andere Überwachungsmethoden gegen Trump und seine Partner eingesetzt worden seien.

Trump behauptet seit mehr als zwei Wochen, Obama habe ihn im Wahlkampf abhören lassen. In einer Serie wütender Tweets schrieb er Anfang März unter anderem: "Wie tief ist Präsident Obama gesunken, meine Telefone während des heiligen Wahlprozesses anzuzapfen. Böser (oder kranker) Typ!" Trump rückte seine Unterstellungen in die Nähe der Watergate-Affäre, bei der abgehörte Telefone ebenfalls eine Rolle gespielt hatten.

Dabei gibt es bislang keinerlei Beweise für die Vorwürfe. Der US-Sender CNN hatte bereits am Wochenende berichtet, das Justizministerium habe dem Geheimdienst-Ausschuss Unterlagen zukommen lassen, die Trumps Abhörvorwürfe gegen Obama entkräften. Das FBI ist dem Ministerium unterstellt.

Vor Comey hatte bereits der Chef des Geheimdienstes NSA im Ausschuss ausgesagt. Die NSA stehe zu ihrem Bericht vom Januar, wonach Moskau die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, schwächen, aber nicht Trump in das Weiße Haus bringen wollte, sagte Mike Rogers.

Ein Sprecher Obamas hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Alle führenden Vertreter der Geheimdienstausschüsse im Senat und im Abgeordnetenhaus sagten in den vergangenen Wochen, es gebe keinerlei Beweise für die Vorwürfe. Auch der frühere Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, hatte eine Telefonüberwachung des Kandidaten Trump ausgeschlossen. Später hatte Trumps Sprecher Sean Spicer gesagt, "Abhören" sei nicht wörtlich gemeint gewesen.

Trump äußerte sich erneut auf Twitter. Alle entsprechenden Berichte über eine Konspiration Russlands mit dem US-Präsidenten seien Fake News, und jeder wisse das, schrieb Trump.

brk/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 129 Beiträge
Neophyte 20.03.2017
1. Trump offenbar erspressbar durch die Russen
Ansonsten hätte er bei dem immensen öffentlichen Druck längst seine Steuererklärung öffentlich gemacht, wie üblich in den USA. Auch wie er Putin immer wieder unnötig verteidigt hat ist mehr als verdächtig!
Ansonsten hätte er bei dem immensen öffentlichen Druck längst seine Steuererklärung öffentlich gemacht, wie üblich in den USA. Auch wie er Putin immer wieder unnötig verteidigt hat ist mehr als verdächtig!
thdenell 20.03.2017
2. ... wenn dann dabei herauskommt ...
dass nur mit Hilfe des russischen Geheimdienstes die Wahl in den USA zu beeinflussen war, wer ist dann dafür verantwortlich zu machen? Schon bei der Stimmenauszählung gab es doch Ungereimtheiten, erinnern wir uns. Warum hat da [...]
dass nur mit Hilfe des russischen Geheimdienstes die Wahl in den USA zu beeinflussen war, wer ist dann dafür verantwortlich zu machen? Schon bei der Stimmenauszählung gab es doch Ungereimtheiten, erinnern wir uns. Warum hat da niemand protestiert? Jetzt ist das Kind sozusagen in den Brunnen gefallen, aber niemand will es zugeben. The master of desaster is back ...!
marty_gi 20.03.2017
3. das kommt davon....
Wenn man Obama der Ueberwachung durch Microwellengeraete bezichtigt und das FBI dazu befragt, dann erkennt das FBI vielleicht endlich, welche kranke Leute da an der Regierung sind, und dass man deren Machenschaften mal genauer [...]
Wenn man Obama der Ueberwachung durch Microwellengeraete bezichtigt und das FBI dazu befragt, dann erkennt das FBI vielleicht endlich, welche kranke Leute da an der Regierung sind, und dass man deren Machenschaften mal genauer untersuchen sollte. Aber Trump und seine Shady-Bunch werden nun auch das FBI der Fake-News bezeichnen. Oder als Volksfeinde.
gerd0210 20.03.2017
4.
Interessant wäre das Untersuchungsergebnis schon. Sollte es erwa so sein, dass Trump um Wahlhilfe gebeten hat, bei entsprechenden Zugeständnissen?
Interessant wäre das Untersuchungsergebnis schon. Sollte es erwa so sein, dass Trump um Wahlhilfe gebeten hat, bei entsprechenden Zugeständnissen?
rloose 20.03.2017
5.
Womit sollte Trump denn erpressbar sein? Für seine Wähler ist ohnehin alles Lüge, was nicht von Trump selbst getwittert wird, und die würden ihn auch noch verteidigen, wenn er ihnen erzählt, er müßte ihre Großmutter [...]
Zitat von NeophyteAnsonsten hätte er bei dem immensen öffentlichen Druck längst seine Steuererklärung öffentlich gemacht, wie üblich in den USA. Auch wie er Putin immer wieder unnötig verteidigt hat ist mehr als verdächtig!
Womit sollte Trump denn erpressbar sein? Für seine Wähler ist ohnehin alles Lüge, was nicht von Trump selbst getwittert wird, und die würden ihn auch noch verteidigen, wenn er ihnen erzählt, er müßte ihre Großmutter verkaufen, um America wieder great zu machen...

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