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Politik

FBI-Chef widerspricht Trump

Öffentliche Demontage

Das Netz zieht sich zu: Das FBI ermittelt gegen Donald Trumps Berater wegen ihrer Russlandkontakte. Und Behördenchef Comey stellt den Präsidenten öffentlich als Lügner bloß.

Foto: AP
Von , New York
Montag, 20.03.2017   20:25 Uhr

James Comey und Donald Trump waren mal Freunde. Dachte man jedenfalls: Der FBI-Direktor half dem damaligen Präsidentschaftskandidaten, seine Rivalin Hillary Clinton im Wahlkampfendspurt zu diskreditieren. Comey sei nun "berühmter als ich", freute sich Trump nach seiner Vereidigung - und beließ den Top-Cop im Amt.

Das dürfte er nun bereuen. Mit seinem inzwischen berühmten Pokerface bewies der FBI-Chef an diesem Montag, dass ihm politische Loyalitäten schnurz sind - und dass er keine Hemmungen hat, den Präsidenten als Lügner und Intriganten zu brandmarken, sollte er das für gerechtfertigt halten.

Selbst wenn es eine Stunde dauerte, bis die Frage aufkam, auf die alle gewartet hatten - und vor allem die Antwort, die die jüngsten Vorwürfe Trumps gegen seinen Vorgänger Barack Obama endgültig als haltlose Erfindung entlarvte.

Die Frage: Ließ Obama den Trump-Tower abhören? Schließlich hatte Trump das in einer Reihe frühmorgendlicher Tweets behauptet. Die Antwort Comeys: "Ich habe keine Informationen, die diese Tweets stützen."

Das letzte Stück Glaubwürdigkeit implodiert

Mehr noch: Auch habe man den britischen Geheimdienst GCHQ nicht um Abhörhilfe gebeten, wie Trump-Sprecher Sean Spicer neulich insinuiert hatte, sagte Comey indigniert. NSA-Chef Mike Rogers, der mit grimmiger Miene neben ihm saß, pflichtete willig bei. Das alles sei also "Unsinn und völlig lächerlich", hakte Adam Schiff nach, der demokratische Vizevorsitzende des Ausschusses. Rogers: "Yes, Sir."

Und so implodierte, mit den nüchternen Worten dieser zwei hochrangigen Agenten, die letzte Glaubwürdigkeit, die Trump noch für sich beanspruchen konnte. Wobei ein anderes, nicht minder explosives Ergebnis ihrer Doppelaussage fast unterging: Erstmals bestätigte Comey offiziell, dass die US-Bundespolizei gegen Trumps damaliges Wahlkampfteam ermittelt - wegen Absprachen mit Russland.

Klartext: Das Netz zieht sich zu - und Trumps Leute sitzen mittendrin.

Seit Wochen brodeln die Gerüchte um Trump und Moskau, um geheime Connections und gezielte Leaks, um Machenschaften und Manipulationen. Wer tat was, wer vertuschte was, wer wusste was? Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses wollte nun erste Klarheit bringen in diese düstere Gemengelage, die Amerikas Demokratie erschüttert hat - und die Trump mit seinen gezielten Twitter-Nebelkerzen nur weiter verschleiert, warum auch immer.

Trump hat über Obama gelogen

Am Ende blieben zwei Erkenntnisse. Erstens, Trump hat über Obama gelogen. Zweitens, die Russen haben sich in die US-Präsidentschaftswahlen "eingemischt". Doch wie genau und mit welchem Effekt, das konnten - wollten - weder Comey noch die Abgeordneten hier präzisieren. Zumindest nicht öffentlich.

Denn die meiste Arbeit des Geheimdienstausschusses findet nun mal, dank seiner Materie, hinter verschlossenen Türen statt, ohne Live-Übertragung auf allen Nachrichtenkanälen wie an diesem Montag. So war diese Anhörung, bei der Comey und Rogers als einzige Zeugen geladen waren, denn auch nur ein TV-Krimi voller "Cliffhanger", voller dramatischer Anspielungen auf nicht minder dramatische Vorgänge. Am Ende versandeten die immer wieder in Comeys Standardantwort: "Das kann ich nicht kommentieren."

Hinzu kommt: Der Graben zwischen Republikanern und Demokraten ist längst so tief, dass ihn selbst so ein Skandal - die angeblichen Connections eines US-Präsidenten zum Erzfeind Russland - nicht mehr überbrücken kann.

Weshalb dabei jetzt quasi zwei parallele Anhörungen herauskamen: Die Demokraten bohrten wegen Trumps Russland-Verbindungen nach - während die Republikaner ihre Zeit endlos darauf verwandten, die Leaks, mit denen diese Geheimnisse an die Medien lanciert wurden, als die wahre Gefahr zu verteufeln.

Manafort und Stone im Visier

Für den FBI-Chef ging es dabei nicht nur um die Wahrheit: die öffentliche und die viel erschreckendere nicht-öffentliche. Sondern auch darum, seinen Ruf zu retten. Es quält ihn, im Wahlkampf als Trump-Retter dagestanden zu haben - wo er doch auch da nur die Wahrheit gesagt haben will.

Die Wahrheit à la Comey: Moskau intervenierte, und das FBI ermittelt gegen Trumps Dunstkreis, allen voran - so ließen die Fragen der Demokraten erkennen - gegen seine damals engsten Vasallen Paul Manafort und Roger Stone. Die Wahrheit à la Trump: Alles Quatsch.

"NSA und FBI sagen dem Kongress, dass Russland den Wahlvorgang nicht beeinflusst hat", twitterte Trump noch während der Anhörung - eine bewusste Verzerrung der sehr spezifischen Aussage Comeys, dass Russland konkret keine US-Wahlmaschinen gehackt habe.

Doch solche Ausflüchte, die vielleicht den Trump-Anhängern genügen, werden immer lachhafter. So stellte sich Sean Spicer mittags vor die Reporter und behauptete allen Ernstes, dass der inkriminierte Paul Manafort "im Wahlkampf nur eine sehr beschränkte Rolle" gespielt habe. Manafort war damals Trumps Wahlkampfmanager.

insgesamt 369 Beiträge
mullex 20.03.2017
1. Abhören unter Freunden geht gar nicht,
hat Frau Merkel Obama ins Stammbuch geschrieben. Aber Abhören unter Feinden, das geht. Deswegen sollte man nicht so schnell Obama frei sprechen. Obama, CIA und NSA hören alles ab was möglich ist, ob Merkel, Putin, Trump oder [...]
hat Frau Merkel Obama ins Stammbuch geschrieben. Aber Abhören unter Feinden, das geht. Deswegen sollte man nicht so schnell Obama frei sprechen. Obama, CIA und NSA hören alles ab was möglich ist, ob Merkel, Putin, Trump oder wen auch immer. Dafür setzen sie Faks und schieben es Russland in die Schuhe.
nano-thermit 20.03.2017
2. Bullshit
Ich will den genauen Wortlaut auf English!
Ich will den genauen Wortlaut auf English!
mullex 20.03.2017
3. Werden denn auch die Rollen der US Geheimdienste
im US Wahlkampf geklärt. Die US Geheimdienste habe sich massiv in den Wahlkampf zu Gunsten von Frau Clinton eingemischt und wollen durch Verweis auf Russland von ihrem Tun ablenken. Das Durchstechen und die Faks von CIA und NSA [...]
im US Wahlkampf geklärt. Die US Geheimdienste habe sich massiv in den Wahlkampf zu Gunsten von Frau Clinton eingemischt und wollen durch Verweis auf Russland von ihrem Tun ablenken. Das Durchstechen und die Faks von CIA und NSA sind in den USA strafbar. Geheimdienste sind Ämter und keine Propaganda- und Wahlkampfeinrichtungen der Demokraten. Leider wird bei uns wie immer sehr einseitig berichtet.
fraumarek 20.03.2017
4. Das erschreckendste dabei ist....
...dass sich die Hardcore-Trump Anhänger von diesem ganzen Lügen- und Verschweigen und Verzerren-Kartell überhaupt nicht beeindurcken lassen. Für sie ist Trump immer noch der Größte. (Lügner) möchte man ergänzen.
...dass sich die Hardcore-Trump Anhänger von diesem ganzen Lügen- und Verschweigen und Verzerren-Kartell überhaupt nicht beeindurcken lassen. Für sie ist Trump immer noch der Größte. (Lügner) möchte man ergänzen.
paulpuma 20.03.2017
5.
Mir scheint auch, dass FBI zerlegt sich selbst. Warum wurde eigentlich nie untersucht, ob Obama Hilfe aus Deutschland bekam? Die deutschen Medien feuerten aus allen Rohren für ihn...
Mir scheint auch, dass FBI zerlegt sich selbst. Warum wurde eigentlich nie untersucht, ob Obama Hilfe aus Deutschland bekam? Die deutschen Medien feuerten aus allen Rohren für ihn...
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