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Politik

Anschlag in Irak

Viele Tote durch Explosion einer Autobombe

Die Autobombe detonierte in einem belebten Einkaufsviertel: Bei einem Anschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mindesten 23 Menschen getötet worden.

REUTERS

Zerstörte Autos am Tatort

Montag, 20.03.2017   22:25 Uhr

Bei der Explosion einer Autobombe sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Montag mindestens 23 Menschen getötet worden, weitere 45 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

Der Sprengsatz detonierte gegen 19 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) im Einkaufsviertel Hay al-Amel. Das hauptsächlich von Schiiten bewohnten Viertel ist um diese Tageszeit für gewöhnlich stark besucht.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. In der Vergangenheit hatte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wiederholt Selbstmordanschläge in Bagdad verübt.

Die Miliz wird zurzeit in ihrer letzten Bastion im Westen des Landes bekämpft: Die irakische Armee geht in einer Offensive gegen den IS in Mossul vor. In Mossul hatte der Anführer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, 2014 sein Kalifat ausgerufen, ein streng islamisches Reich in Syrienund im Irak. Die IS-Dschihadisten hatten weite Teile des Irak eingenommen.

In den vergangenen Monaten eroberten die irakische Armee und kurdische Einheiten viele Gebiete zurück. Mittlerweile ist Mossul die letzte große Stadt im Irak, die zumindest teilweise vom IS gehalten wird. Die im vergangenen Oktober gestartete Offensive der irakischen Armee auf Mossul wird von der US-geführten Anti-IS-Koalition durch Luftangriffe unterstützt.

sun/AP/AFP

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak

Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

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