Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Iran

Ahmadinedschad von Präsidentschaftswahlen ausgeschlossen

Im Mai wählen die Iraner einen neuen Präsidenten. Auch der ehemalige Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad wollte antreten. Nun hat die religiöse Führung des Landes ihn von der Wahl disqualifiziert.

DPA

Mahmud Ahmadinedschad

Donnerstag, 20.04.2017   21:29 Uhr

Der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird nicht erneut bei den anstehenden Wahlen antreten. Die religiöse Führung des Landes hat ihn nicht als Präsidentschaftskandidaten zugelassen. Das berichtet das iranische Staatsfernsehen.

Noch in der vergangenen Woche hatte sich Ahmadinedschad offiziell als Kandidat registrieren lassen. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er zurück in die Politik will. Seine Beziehung zu Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Khamenei ist jedoch angespannt. Khamenei hatte Ahmadinedschad noch im Herbst abgeraten, zu kandidieren. Er befürchte eine Spaltung des Landes, teilte Khamenei damals mit.

Ahmadinedschad hatte sich zunächst hinter die Kandidatur seines früheren Stellvertreters Hamid Baghai gestellt, der als Unabhängiger antreten will. Seine Registrierung als Kandidat diene "lediglich der Unterstützung Baghais", so Ahmadinedschad.

Die Präsidentschaftswahl in Iran findet am 19. Mai statt. Alle Kandidaten müssen sich noch der Überprüfung durch den Wächterrat stellen, der in der Vergangenheit häufig Kandidaten ausgeschlossen hatte.

"Der Irre von Teheran"

Ahmadinedschad, der zwischen 2005 und 2013 das Land regierte, hatte sich nach dem Ende seiner Amtszeit zunächst komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. 2016 deutete er aber bei Auftritten dann mehrfach ein politisches Comeback an.

Während seiner zwei Amtszeiten sorgte Ahmadinedschad immer wieder international für Aufsehen: Der "Irre von Teheran", wie ihn Diplomaten spöttisch nannten, ließ einen Reaktor nach dem anderen hochfahren, verwehrte internationalen Kontrolleuren Zugang zu den Nuklearanlagen, die angeblich nur der friedlichen Stromgewinnung dienen sollten.

Unter der Führung seines vergleichsweise gemäßigten Nachfolgers Hassan Rohani handelte das lange isolierte Land dagegen ein Abkommen zur Beschränkung des Atomprogramms aus. Im Gegenzug werden Sanktionen schrittweise aufgehoben. Seit diesem Durchbruch im vergangenen Jahr steigen die Beliebtheitswerte Rohanis.

koe/AFP/Reuters

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP