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Politik

Anschlag mit Lieferwagen

Polizei sucht Helfer des Barcelona-Attentäters

Hatte der mutmaßliche Barcelona-Attentäter Hilfe auf der Flucht vor der Polizei? Die Ermittler suchen nach möglichen Unterstützern von Younes Abouyaaqoub.

DPA

Polizist bei Subirat

Dienstag, 22.08.2017   16:14 Uhr

Vier Tage lang konnte sich Younes Abouyaaqoub vor der Polizei verstecken, erst am Montag wurde er von Sicherheitskräften erschossen. Die Ermittler gehen mittlerweile davon aus: Der mutmaßliche Attentäter von Barcelona muss auf seiner Flucht Unterstützung bekommen haben. Die Suche nach möglichen Helfern läuft.

"Es ist eindeutig, dass er in irgendeiner Form eine Logistik gehabt haben muss", sagte der Justizminister der katalanischen Regierung, Carlos Mundo, dem Catalunya Radio.

Abouyaaqoub soll der Fahrer des Lieferwagens gewesen sein, mit dem in Barcelona am vergangenen Donnerstag Passanten überfahren wurden. 13 Menschen kamen dabei ums Leben. Auf der Flucht soll er dann einen Mann getötet und dessen Fahrzeug gestohlen haben.

Laut der spanischen Zeitung "La Vanguardia" ist der 22-Jährige rund 40 Kilometer vom Stadtrand Barcelonas bis nach Subirats gelaufen, wo er dann erschossen wurde. Unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertraute Personen schrieb das Blatt, dass sich der Marokkaner auf der Flucht umzog, während der Nacht lief und am Tag versteckte.

AFP/ Mossos d'Esquadra

Younes Abouyaaqoub

Abouyaaqoub war das einzige noch flüchtige Mitglied der zwölfköpfigen Islamisten-Zelle, die hinter den Anschlägen von Barcelona und Cambrils stecken soll. (Lesen Sie hier mehr über die Mitglieder der Gruppe.) Die vier noch lebenden mutmaßlichen Mitglieder der Islamistenzelle erschienen am Dienstag in Madrid erstmals vor Gericht. Einer von ihnen war Driss Oukabir, dessen Pass in dem verlassenen Lieferwagen nach dem Anschlag gefunden worden war. Er hatte sich selbst der Polizei gestellt, seine Unschuld betont und erklärt, sein jüngerer Bruder habe seine Dokumente gestohlen.

Sein Bruder Moussa Oukabir war Donnerstagnacht im Ferienort Cambrils zusammen mit vier anderen Mitgliedern der Zelle erschossen worden, nachdem sie zuvor eine Frau getötet hatten. Der Besitzer des Audis, der in Cambrils bei der Tat genutzt wurde, befand sich ebenfalls vor Gericht. Der französische Innenminister Gerard Collomb bestätigte unterdessen Presseberichte, wonach dieser Audi rund eine Woche vor dem Anschlag wegen überhöhter Geschwindigkeit in Paris geblitzt wurde. Details seien noch unklar, sagte er.

Chronologie der Ereignisse

Bei den anderen beiden mutmaßlichen Mitgliedern der Zelle, die vor Gericht erschienen, handelte es sich um Mohamed Houli Chemlal, der bei einer Explosion im Ort Alcanar verletzt worden war. Die Polizei geht wegen des Fundes von Gasflaschen davon aus, dass das vollkommen zerstörte Gebäude in Alcanar die Bombenwerkstatt der Zelle war. Die vierte Person, die sich vor Gericht verantworten musste, ist Salh El-Karib. Er betrieb ein Internetcafé in Ripoll, von dem aus laut "La Vanguardia" regelmäßig Geld nach Marokko geschickt wurde.

kev/Reuters

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