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Nordkorea umschifft Sanktionen - und scheffelt Hunderte Millionen

Harte Sanktionen sollen Nordkorea von seinem Nuklearprogramm abbringen. Das Problem: Pjöngjang ignoriert die Strafmaßnahmen laut Uno regelmäßig - und seine Exporte landen nicht nur in China.

AFP

Lastwagen auf der "Freundschaftsbrücke" zwischen Sinuiju im Norden Nordkoreas und Dandong (China)

Sonntag, 10.09.2017   11:08 Uhr

Wie soll die internationale Gemeinschaft mit dem wachsenden Risiko einer nuklearen Bewaffnung Nordkoreas umgehen? Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte zuletzt im Interview mit der BBC eine "globale Reaktion" auf das "unverantwortliche Verhalten" des Regimes von Diktator Kim Jong Un.

Doch militärische Maßnahmen hätten katastrophale Folgen mit vermutlich Hunderttausenden Toten auf beiden Seiten der innerkoreanischen Grenze. Daher bleiben nur Sanktionen. Die bestehenden Strafmaßnahmen gegen das isolierte Land zeigen allerdings bisher nur wenig Wirkung. Ein aktueller Uno-Bericht belegt, warum: Pjöngjang ignoriert die verhängten Sanktionen im großen Stil.

Nordkorea umgehe weiterhin das Waffenembargo, die Finanzsanktionen sowie die strikten Strafmaßnahmen in weiteren Bereichen, heißt es in dem am Wochenende vorgelegten Papier von Uno-Experten. Je mehr Sanktionen verhängt würden, desto zahlreicher seien auch die Umgehungen.

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Jahrestag der Staatsgründung: Nordkorea feiert sich als "unbesiegbare Atommacht"

Das Land exportiere weiterhin "praktisch alle von den Uno-Resolutionen betroffenen Produkte". Pjöngjang umgehe zudem die finanziellen Sanktionen durch Agenten im Ausland, die im Namen "nationaler Einheiten" Finanztransaktionen vornehmen würden. Dies habe Nordkorea im Untersuchungszeitraum von Februar bis August dieses Jahres mindestens 270 Millionen Dollar (224 Millionen Euro) eingebracht.

90 Prozent der nordkoreanischen Exporte gehen nach China. Aber auch Indien, Malaysia und Sri Lanka finden sich auf der Liste. Peking war in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen worden, sich nicht vollständig an die Uno-Resolutionen gegen Nordkorea zu halten. Zuletzt versicherte Peking jedoch mehrfach die vollständige Einhaltung. Die USA hatten gefordert, die Ölversorgung Nordkoreas durch China zu stoppen. Diese macht einen großen Teil der Energieversorgung des bitterarmen Landes aus.

Erhebliche Fortschritte beim Waffenbau

Peter Hayes vom Thinktank Nautilus in Berkeley, USA, geht allerdings davon aus, dass China dieser Aufforderung nicht nachkommen wird. Schließlich sei der Energiesektor eines der wichtigsten Druckmittel, die Peking gegenüber Pjöngjang habe. Zudem könne Nordkorea einen Lieferstopp ohnehin über einen gewissen Zeitraum ausgleichen. (Das komplette Interview mit Hayes lesen Sie hier.)

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Atomkonflikt: Nordkorea, das Öl und die Kohle

Trotz der "striktesten gezielten Sanktionspolitik in der Geschichte der Vereinten Nationen" habe Nordkorea im Untersuchungszeitraum "erhebliche Fortschritte im Bereich von Massenvernichtungswaffen gemacht", heißt es in dem Uno-Bericht weiter. 2017 habe Pjöngjang 14 Raketentests vornehmen können, davon zwei Interkontinentalraketentests.

Der Bericht wurde noch vor dem Abschuss einer nordkoreanischen Rakete Mitte August über Japan hinweg sowie dem Atomtest Anfang September fertiggestellt.

Massenfest für Top-Wissenschaftler: Nordkorea feiert Atomtest

Foto: KRT

jok/AFP/Reuters

insgesamt 96 Beiträge
Pocillator 10.09.2017
1. Daher bleiben nur Sanktionen.
"Doch militärische Maßnahmen hätten katastrophale Folgen mit vermutlich hunderttausenden Toten auf beiden Seiten der innerkoreanischen Grenze. Daher bleiben nur Sanktionen." Steile These. Ich hingegen bin weder [...]
"Doch militärische Maßnahmen hätten katastrophale Folgen mit vermutlich hunderttausenden Toten auf beiden Seiten der innerkoreanischen Grenze. Daher bleiben nur Sanktionen." Steile These. Ich hingegen bin weder für Krieg noch zu einem als alternativ suggerierten Wirtschaftskrieg. Lösungen gibt es nur auf diplomatischen Weg - auf Augenhöhe. Als erstes müsste mal ein Friedensvertrag geschlossen werden.
andneu 10.09.2017
2. Gestern gab es einen Bericht, ....
... dass nordkoreanische Arbeiter in Polen eingesetzt werden. Obwohl sie lediglich den Mindestlohn bekommen, bekommen sie nur einen Bruchteil dieses Geldes, das meiste geht direkt als Devisen an den nordkoreanischen Staat. Auch [...]
... dass nordkoreanische Arbeiter in Polen eingesetzt werden. Obwohl sie lediglich den Mindestlohn bekommen, bekommen sie nur einen Bruchteil dieses Geldes, das meiste geht direkt als Devisen an den nordkoreanischen Staat. Auch das ist Realität mitten in Europa. Wie verträgt sich das mit Sanktionen?
fabiofabio 10.09.2017
3. Diesen Stoltenberg
kann ich nicht mehr sehen und hören. Wieso gibt der ständing seinen Senf zu Sachen dazu, welche Politiker und Regierungen angehen, aber sicher nicht die NATO? Ist Europa im Krieg, dass der Typ in jedes Mikrophon spricht, [...]
kann ich nicht mehr sehen und hören. Wieso gibt der ständing seinen Senf zu Sachen dazu, welche Politiker und Regierungen angehen, aber sicher nicht die NATO? Ist Europa im Krieg, dass der Typ in jedes Mikrophon spricht, welches rumsteht? Was hat die NATO in Korea zu schaffen? Stellt diesem Typen den Strom ab!
kochra8 10.09.2017
4. Sanktionen gegen das Volk
Solange nordkoreanische Privatleute Konten über die Welt gestreut verfügen, wird alles bloss die Kleinen schmerzen. Sanktionen die der Allgemeinheit Schaden zufügten sind gleich schlimm wie ein zu erwartendes Szenario: Legte [...]
Solange nordkoreanische Privatleute Konten über die Welt gestreut verfügen, wird alles bloss die Kleinen schmerzen. Sanktionen die der Allgemeinheit Schaden zufügten sind gleich schlimm wie ein zu erwartendes Szenario: Legte Trump los und äschert dabei den Stammsitz des 'Juchee'-Sternenkönigreiches ein, täte er zwar gleich 2 Grossreiche binden: China wäre mit den Auswirkungen beschäftigt und gleichenfalls müsste Putin die Rebellen in den Ostraum verlegen, also weg aus Belarus und der UA...! Schmerzen täte meistens aber die eigenen Konti! Weil: Ohne deren - die Elite nicht einfach so sichere Gefilde aufsuchen könnte... Mal sehen, schon morgen kann die Welt anders aussehen. Für jene jedenfalls, welche sich um die Realität kümmern.
Baikal 10.09.2017
5. Die Amis wollen nach derselben Strategie
ihre Interessen durchsetzen mit denen sie schon Japan damals in den Krieg getrieben haben: totale Isolierung. Und Merkel merkt mal wieder nichts.
ihre Interessen durchsetzen mit denen sie schon Japan damals in den Krieg getrieben haben: totale Isolierung. Und Merkel merkt mal wieder nichts.

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