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Politik

Barcelona

Hunderttausende demonstrieren für Unabhängigkeit

Wie in jedem Jahr begann die Demonstration um 17.14 Uhr: Rund 350.000 Katalanen haben in Barcelona für die Unabhängigkeit von Spanien demonstriert.

AFP
Montag, 11.09.2017   21:57 Uhr

Hunderttausende Katalanen haben in Barcelona für die Unabhängigkeit ihrer Region von Spanien demonstriert. Knapp drei Wochen vor dem geplanten Unabhängigkeitsreferendum versammelten sie sich zum katalanischen "Nationalfeiertag" Diada und bildeten ein riesiges Kreuz aus Menschen.

Die Polizei in Barcelona erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, "etwa eine Million Menschen" habe teilgenommen, einer Behördensprecherin zufolge waren es jedoch nur 350.000 Demonstranten.

Wie in jedem Jahr begann die Demonstration um 17.14 Uhr - im Gedenken an den 11. September 1714, als spanische und französische Truppen Barcelona während des Spanischen Erbfolgekrieges eroberten. In diesem Jahr setzte sich der Protestzug erst nach einer Schweigeminute in Bewegung, um der 16 Anschlagsopfer von Barcelona und Cambrils zu gedenken.

Die Demonstranten schwenkten die rot-gelb-blaue Fahne der Unabhängigkeitsbefürworter, auf Schildern verabschiedeten sie sich auf Katalanisch von Spanien: "Adéu Espanya". Auf zwei große Straßen verteilt bildeten die Demonstranten ein Kreuz, das sich über mehr als einen Kilometer erstreckte. Das sollte für das Kreuz stehen, das Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens am Tag des geplanten Referendums auf dem Stimmzettel im Ja-Kästchen machen sollen (Lesen Sie hier ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Peter A. Kraus, der erklärt, warum sich immer mehr Katalanen nicht mehr von Spanien repräsentiert fühlen).

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont sagte vor Journalisten: "Es sind noch 20 Tage, wir haben bis hierher viele Hindernisse überwunden und wir werden die überwinden, die noch kommen." Es sei keine Option, dass das Referendum nicht stattfindet.

Trotz des massiven Protestes der Regierung in Madrid sind die Vorbereitungen für die Volksabstimmung angelaufen. Das spanische Verfassungsgericht hatte das in Barcelona beschlossene Gesetz über einen Volksentscheid vorerst für ungültig erklärt, die Zentralregierung schließt die Abhaltung des Referendums am 1. Oktober kategorisch aus. Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete das Referendum als "illegal" und kündigte an, er werde alles tun, um die Abstimmung zu verhindern.

Im Vorfeld hatten die Organisatoren mehr als 400.000 Teilnehmer erwartet. Vor zwei Jahren hatten 1,4 Millionen Menschen an der Demonstration zum katalanischen "Nationalfeiertag" in Barcelona teilgenommen. In der wohlhabenden Region Katalonien mit rund 7,5 Millionen Einwohnern gibt es seit Jahren Bestrebungen, sich von Spanien loszulösen.

kry/AFP

insgesamt 12 Beiträge
Atheist_Crusader 11.09.2017
1.
350.000 aus gut 7,5 Millionen Katalanen ist schon eine ziemliche Zahl. Annähernd 5% der Bevölkerung. Das deutsche Äquivalent dazu wären über 4 Millionen Demonstranten. Dennoch halte ich nicht viel von der Idee. Vielleicht [...]
350.000 aus gut 7,5 Millionen Katalanen ist schon eine ziemliche Zahl. Annähernd 5% der Bevölkerung. Das deutsche Äquivalent dazu wären über 4 Millionen Demonstranten. Dennoch halte ich nicht viel von der Idee. Vielleicht ist man mit Madrid unzufrieden, aber die Mehrzahl der Argumente ist wirtschaftlicher Natur - man gibt zu viel Geld aus, das von der Regierung genommen wird und einfach an ärmere Regionen verteilt wird. Vielleicht erinnert mich das zu sehr an das Gewäsch der Bayern, die selbst lange Zeit das wirtschaftliche Brachland waren, sich erst vor relativ kurzer Zeit (und definitiv nicht aus eigener Kraft) wirtschaftlich entwickelt haben und sich jedes Mal beschweren wenn sie in die selbe Solidargemeinschaft einzahlen sollen die ihnen selbst schon geholfen hat. Gelebter Egoismus "Geb mir alles was ihr zu bieten habt... danach brauch ich euch nicht mehr.". Ein bisschen wie der Brexit, nur dass man eben doch in die EU will. Aber der Skeptiker fragt sich natürlich: wenn man sich so gegen Gesetze aus und Zahlungen an Madrid sträubt... warum sollte das mit Brüssel anders sein?
napoleonwilson 12.09.2017
2. Unabhängkeit
Und dann reden alle vom vereinten Europa. Die Bürger haben kein Lust, die Früchte Ihrer Arbeit mit anderen zu teilen. Langfristig der einzige Weg, bis in Europa die Länder auf einem Level sind.
Und dann reden alle vom vereinten Europa. Die Bürger haben kein Lust, die Früchte Ihrer Arbeit mit anderen zu teilen. Langfristig der einzige Weg, bis in Europa die Länder auf einem Level sind.
andy_bcn 12.09.2017
3. Propaganda
Es gibt "die Katalanen" gar nicht. Die gab es vielleicht vor fünfhundert Jahren, heute stammen die Einwohner dieser Provinz zur Hälfte aus dem Rest Spaniens. Auch geschieht den Katalanen kein Unrecht. sie leben in [...]
Es gibt "die Katalanen" gar nicht. Die gab es vielleicht vor fünfhundert Jahren, heute stammen die Einwohner dieser Provinz zur Hälfte aus dem Rest Spaniens. Auch geschieht den Katalanen kein Unrecht. sie leben in Freiheit in einer Demokratie und haben ein tolles Gesundheitswesen. Die katalanische Sprache und Kultur war nie besser geschützt als heute, es gibt katalanisches (staatliches) Fernsehen und Radio, mit propagandahafter Berichterstattung, noch nie wurden so viele Bücher auf katalanisch gedruckt. Die Region stellt 16% der Bevölkerung Spaniens, macht jedoch 19% des BIPs. Nun ja, damit kann man nicht behaupten, dass sie "den Rest Spaniens finanzieren", wie sie gern behaupten. Hier spielt eine Regionalregierung geschickt mit den Folgen der Krise, um die eigenen Versäumnisse und Finanzskandale vergessen zu machen. Und der Weg Gesetze zu machen, die sich über die Verfassung hinwegsetzen, ist sicher nicht der richtige.
Werner Koben 12.09.2017
4. "Behörden"
Daß die Angaben über die Demoteilnehmer derart auseinanderklaffen, sollte stutzig machen. Welche Behörde vertritt denn die ominöse "Behördensprecherin", die die Zahl der örtlichen Polizei einfach mal auf ein [...]
Daß die Angaben über die Demoteilnehmer derart auseinanderklaffen, sollte stutzig machen. Welche Behörde vertritt denn die ominöse "Behördensprecherin", die die Zahl der örtlichen Polizei einfach mal auf ein Drittel reduziert? Und ist die Polizei von Barcelona keine Behörde? Soweit mir bekannt, sind es übrigens die Polizeigehörden vor Ort, die die Teilnehmerzahl einer Demonstration ermitteln.
nicksnutz 12.09.2017
5. FC Barcelona
Testweise sollte man vielleicht zuerst eine eigene Katalanische Liga gründen und den FC Barcelona dorthin ausgliedern. Dann spielen sie nächste Saison gegen den FC Girona und Gimnàstic de Tarragona, ein Classico gegen Real [...]
Testweise sollte man vielleicht zuerst eine eigene Katalanische Liga gründen und den FC Barcelona dorthin ausgliedern. Dann spielen sie nächste Saison gegen den FC Girona und Gimnàstic de Tarragona, ein Classico gegen Real Madrid kommt nur noch über die Champions League zustande. Vielleicht merkt man in Katalonien dadurch, dass Provinzialität auch keine Lösung ist

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