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Politik

Angezählte Premierministerin

May betreibt angeblich Johnsons Absetzung

Die britische Premierministerin Theresa May erwägt offenbar eine Kabinettsumbildung. Britische Zeitungen mutmaßen, May wolle ihren aufmüpfigen Außenminister Boris Johnson absägen.

AFP

Theresa May

Sonntag, 08.10.2017   22:34 Uhr

Theresa May steht als Chefin der Torys ebenso unter Druck wie als Premierministerin. Die britische Regierungschefin erwägt nun offenbar, ihre Position durch eine Personalrochade im Kabinett zu stärken. Davon könnte Außenminister Boris Johnson betroffen sein, berichtet die Zeitung "The Sunday Times".

Dem Blatt hatte May ihr erstes Interview seit ihrer pannenreichen Rede auf dem Tory-Parteitag vom Mittwoch gegeben und gesagt, "ich will die besten Leute in meinem Kabinett haben". Johnson ist einer ihrer größten Rivalen. May sagte, sie sei noch nie vor einer Herausforderung zurückgeschreckt. "Und ich werde jetzt nicht damit anfangen."

May steht seit der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni, bei der ihre Partei die absolute Mehrheit verlor, und der viel kritisierten Rede auf dem Parteitag vom Mittwoch unter enormem Druck. Britische Medien spekulieren heftig über einen vorzeitigen Abtritt.

Video: Dreifach-Panne bei Parteitagsrede

Foto: REUTERS

Mays Rede auf dem Parteitag wurde weithin als Desaster gewertet. Erst überreichte ihr ein Komiker ein Formular, das Leute bekommen, die entlassen wurden. Dann bekam sie einen Hustenanfall. Und schließlich löste sich der Tory-Slogan an der Wand hinter ihr auf, weil die Buchstaben herunterfielen. Selbst Sitcom-Autoren hätten all das als zu viel empfunden, kommentierte selbst der zurückhaltende "Economist". "Ich bin eine sehr entschlossene Person", sagte May der "Sunday Times" auf die Frage, ob sie erwogen habe, ihre Rede abzubrechen. Sie sei niemand, der aufgebe.

"Autorität bekräftigen"

Am Freitag hatte sich der konservative Abgeordnete Grant Shapps für die Wahl einer neuer Parteispitze ausgesprochen. Shapps behauptete, 30 Abgeordnete seien für Mays Rücktritt. Doch ein ranghoher Verbündeter Mays, Kabinettschef Damian Green, wies dies am Samstag als Komplott zurück. May selbst sagte am Freitag, sie habe die volle Unterstützung ihrer Minister und versprach dem Land weiterhin eine "ruhige Führung".

Der ehemalige Tory-Premierminister John Major tadelte die Rebellen und forderte Unterstützung für May. "Ich rate allen Konservativen dringend, sehr genau darüber nachzudenken, was auf dem Spiel steht", sagte er. "Das Land hat genug von dem egozentrischen illoyalen Verhalten, das wir über Wochen beobachtet haben."

Das könnte als Botschaft an Johnson verstanden werden. Öffentlich hat er zwar seine Unterstützung für May bekundet. So ermunterte er May in einem Kommentar für die Zeitung "The Sunday Telegraph", "weiter zu machen und den Brexit abzuliefern". Die Vorsitzende der Konservativen in Schottland, Ruth Davidson, sagte, May solle Johnson an seinen Worten messen.

Denn der Außenminister ist der Premierministerin auch immer wieder in die Parade gefahren. So machte er zweimal eigene Vorschläge zu den Brexit-Verhandlungen öffentlich - etwa im September, als er seine persönliche Vision eines Brexit präsentierte und damit Differenzen in Mays Kabinett offenlegte.

Eine Umbildung von Mays Kabinett könnte bereits nach dem EU-Gipfel, folgen, der am 19. und 20. Oktober stattfinden wird, schreibt die "Sunday Times". May wolle damit "ihre Autorität bekräftigen". Die Zeitung "The Guardian" berichtete, "ranghohe Tories" hätten May aufgefordert, "eine neue Generation von Parlamentariern für Tobjobs zu ernennen, um neues Leben in die konservative Partei zu bringen und ihre Amtszeit als Premierministerin zu retten".

Foto: REUTERS

Gedacht

ulz/dpa/AP

insgesamt 10 Beiträge
scooby11568 08.10.2017
1. Wenn sie die Besten im Kabinett will
Sollte sie als Erste gehen
Sollte sie als Erste gehen
bärenfreund-tom 08.10.2017
2.
Für Europa ist diese Frau ein Segen. Sie schafft es Europa zu einen und wirtschaftlich mittel-bis langfristig nach vorne zu bringen. Die Opfer werden die Insulaner von Kleinengland sein,aber das war ja gewünscht.
Für Europa ist diese Frau ein Segen. Sie schafft es Europa zu einen und wirtschaftlich mittel-bis langfristig nach vorne zu bringen. Die Opfer werden die Insulaner von Kleinengland sein,aber das war ja gewünscht.
kuac 08.10.2017
3.
Das ist eine gute Idee. Bis jetzt hat Johnson keine Verantwortung für den Brexit übernommen.
Das ist eine gute Idee. Bis jetzt hat Johnson keine Verantwortung für den Brexit übernommen.
Atheist_Crusader 08.10.2017
4.
"ich will die besten Leute in meinem Kabinett haben" Was dann die Frage aufwirft, warum sie ihn überhaupt in ihr Kabinett geholt hat. Denn eine schlechte Wahl war er vorher schon. Johnson hatte keine außenpolitische [...]
"ich will die besten Leute in meinem Kabinett haben" Was dann die Frage aufwirft, warum sie ihn überhaupt in ihr Kabinett geholt hat. Denn eine schlechte Wahl war er vorher schon. Johnson hatte keine außenpolitische Erfahrung und noch dazu war er auch schon vorher berüchtigt dafür, mit Beleidigungen um sich zu werfen - er war also so ziemlich die letzte Person die man als Vertreter seines Landes wollen würde. Und das in einer Zeit in der man auf die Kooperation und den guten Willen der EU-Länder angewiesen ist um einen möglichst wenig katastrophalen Brexit auszuhandeln. Aber gut, dass es in der britischen Regierung nach Kompetenz geht, das glaubt ihnen momentanen ja eh Niemand. Vielleicht kommt das irgendwann mal wieder, aber garantiert nicht bevor die momentane Chaostruppe ausgetauscht ist.
thequickeningishappening 09.10.2017
5. May machte Johnson zum Minister
weil Sie glaubte, Ihn dadurch "entschärfen" zu können! Hat nicht geklappt. Wenn Sie Ihn jetzt entlaesst dann kann Er sich voll entfalten; Er wird Die Säge offen auspacken! Der Kommentar von Ex PM John Major ist in [...]
weil Sie glaubte, Ihn dadurch "entschärfen" zu können! Hat nicht geklappt. Wenn Sie Ihn jetzt entlaesst dann kann Er sich voll entfalten; Er wird Die Säge offen auspacken! Der Kommentar von Ex PM John Major ist in sofern unverständlich weil Er selbst Frau Thatcher in einem innerparteilichen Putsch absetzte!

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