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Politik

Nach Gefechten im Irak

Deutschland nimmt Waffentraining für Kurden wieder auf

Im Nordirak haben sich die Kurden nach Gefechten offenbar aus der Provinz Kirkuk zurückgezogen. Die Bundeswehr sieht wieder eine stabilere Sicherheitslage und setzt die Peschmerga-Ausbildung fort.

REUTERS

Kurdischer Peschmerga-Kämpfer, nördlich von Kirkuk

Freitag, 20.10.2017   19:49 Uhr

Aus Sorge, dass die irakische Nationalarmee mit deutschen Waffen beschossen wird, hatte die Bundeswehr Anfang der Woche das Waffentraining für die kurdischen Peschmerga-Kämpfer ausgesetzt.

Jetzt nimmt die Bundeswehr die Übungseinheiten mit der "Milan"-Rakete wieder auf und begründet das vor allem mit der Beruhigung der Lage im Nordirak. Generalinspekteur Volker Wieker schrieb an die Verteidigungsexperten im Bundestag, nach Gesprächen mit den Kurden und der zentralirakischen Regierung habe er den Eindruck, dass "eine akute Verschlechterung der Bedrohungs- und Sicherheitslage" nicht zu erwarten sei.

Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw berichtet, bei den jüngsten Gefechten sei auch die Panzerabwehrwaffe "Milan" eingesetzt worden. Damit seien zwei gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. Die Panzerabwehrwaffe hatte Deutschland für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geliefert.

Die Kämpfer bestreiten allerdings den Einsatz der deutschen Waffe, das Bundesverteidigungsministerium bestätigte den Einsatz nicht. "Uns liegen zu dieser Berichterstattung keine eigenen Erkenntnisse vor", sagte ein Ministeriumssprecher.

Anfang der Woche waren zwischen der irakischen Armee und Peschmerga-Kämpfern schwere Gefechte ausgebrochen. Der Konflikt zwischen Nationalarmee und Kurden war eskaliert, nachdem die Kurden ihre Unabhängigkeitspläne vorangetrieben hatten. Die irakische Zentralregierung lehnt eine Abspaltung strikt ab. Bei den eingenommenen Gebieten handelt es sich um Regionen, die sowohl von Bagdad als auch von den Kurden beansprucht werden. Nun scheint es, als seien diese wieder in der Hand der Bagdader Regierung.

Kurden offenbar wieder hinter den Grenzen von 2014

Vereinzelt kam es am Freitag noch zu ernsten Gefechten, etwa in der Ortschaft Altin Köprü in der Provinz Kirkuk. Iraks gemeinsames Operationskommando teilte mit, Kräfte von Armee, Polizei und schiitischen Milizen hätten den Ort Altin Köprü rund 50 Kilometer südlich der kurdischen Provinzhauptstadt Arbil eingenommen. Das Peschmerga-Kommando erklärte hingegen, die Angriffe seien abgewehrt worden, etwa 30 Peschmerga-Kämpfer seien getötet worden.

Aus den meisten Orten in der ölreichen Provinz Kirkuk hatten sich die Kurden zuvor ohne Widerstand zurückgezogen, offenbar bis innerhalb der Grenzen ihres Autonomiegebiets von 2014, das sie von Arbil aus regieren.

Am Donnerstag hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sowohl mit dem kurdischen Präsidenten als auch mit dem irakischen Premierminister telefoniert. Dabei hätten beide Seiten versichert, dass sie den lange schwelenden Konflikt durch Gespräche lösen wollten. Konkret berichteten beide Seiten davon, man habe im Konflikt um Kirkuk bereits Vereinbarungen für eine Deeskalation getroffen.

cht/geb/AFP/dpa

insgesamt 18 Beiträge
cossy 20.10.2017
1. Die richtige Entscheidung....
....die Kurden weiter auszubilden. Dahinter steht für die Bundesregierung wohl die Strategie, dass jeder der im Kampf dort stirbt, nicht nach Deutschland kommen kann. Eine sehr ehrliche und saubere Art und Teil der Lösung des [...]
....die Kurden weiter auszubilden. Dahinter steht für die Bundesregierung wohl die Strategie, dass jeder der im Kampf dort stirbt, nicht nach Deutschland kommen kann. Eine sehr ehrliche und saubere Art und Teil der Lösung des Flüchtlingsproblems aus Syrien, Kurdistan und dem Irak. (Ironie aus)
skeptiker97 20.10.2017
2. Richtig!
Die Kurden scheinen zur Zeit die einzige Macht zu sein, die Aussicht auf Stabilität bietet. Hier ist massive Unterstützung wirklich geboten.
Die Kurden scheinen zur Zeit die einzige Macht zu sein, die Aussicht auf Stabilität bietet. Hier ist massive Unterstützung wirklich geboten.
joG 20.10.2017
3. Früher hat man....
....die Amis verdammt für so etwas. Aber seitdem man beginnt ein ganz klein wenig Verantwortung zu nehmen, macht man die gleichen Dinge nach vielen Fehlern, wie die Dinge, die man den Amis vorwarf.
....die Amis verdammt für so etwas. Aber seitdem man beginnt ein ganz klein wenig Verantwortung zu nehmen, macht man die gleichen Dinge nach vielen Fehlern, wie die Dinge, die man den Amis vorwarf.
idt-lh123 20.10.2017
4.
Die Kurden sind Fanatiker, aber nicht bescheuert! Die wissen, dass sie nicht gewinnen können und deswegen setzen sie auf Gespräche! (Wahrscheinlich würden sie es sogar schaffen der irakischen Armee standzuhalten, aber [...]
Die Kurden sind Fanatiker, aber nicht bescheuert! Die wissen, dass sie nicht gewinnen können und deswegen setzen sie auf Gespräche! (Wahrscheinlich würden sie es sogar schaffen der irakischen Armee standzuhalten, aber spätesten wenn die Türken einmarschieren ist Schluss!) Die irakische Regierung weiß auch, dass ein Krieg sie nur noch weiter ins Chaos stürtzen würde. Also handeln beide Seiten sehr klug!
hansriedl 20.10.2017
5. Vielleicht zu früh,
aber ich krieg das Gefühl, dass sich Irak und Anti-IS-Allianz grad eine kurdische Terrororganisation heranzüchten. Erst die Kurden im Kampf unterstützen und im Glauben lassen, dass die mal ihren eigenen Staat haben können. [...]
aber ich krieg das Gefühl, dass sich Irak und Anti-IS-Allianz grad eine kurdische Terrororganisation heranzüchten. Erst die Kurden im Kampf unterstützen und im Glauben lassen, dass die mal ihren eigenen Staat haben können. Militärische Ausbildung und Waffen hinschicken. Dann ist der Kampf vorbei, sie wollen sich holen was sie (ihrer Meinung nach) verdient haben, indem sie ihr Gebiet verteidigt haben. Der irakischen Regierung taugt das wenig und sie marschiert in deren Gebiete ein. Der Mohr hat seine Arbeit getan. nun soll er gehen. Die Offensive von Streitkräften und verbündeten Milizen zwingt die Peschmerga zum Rückzug – Viele Tote laut kurdischen Angaben -

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