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Politik

Großbritannien

May wirft Russland Wahleinmischung vor

Mit Fake News gegen den Zusammenhalt in Europa: Die britische Premierministerin May hat schwere Vorwürfe gegen die russische Regierung erhoben. "Wir wissen, was Sie tun", sagte sie in Richtung Präsident Putin.

Getty Images

Theresa May

Dienstag, 14.11.2017   11:18 Uhr

Wenn der britische Außenminister Boris Johnson kommenden Monat in Russland zu Besuch sein wird, wird er wohl mit einer frostigen Begrüßung rechnen müssen. Grund ist eine Rede von Premierministerin Theresa May, die bei einem Bankett in London am Montagabend der Regierung in Moskau schwere Vorwürfe machte. Diese würde falsche Nachrichten verbreiten, um im Westen Zwietracht zu säen, sagte sie der britischen BBC zufolge. Die Regierung von Präsident Wladimir Putin würde "freie Gesellschaften zersetzen".

Russland habe wiederholt den Luftraum mehrerer europäischer Länder verletzt und Kampagnen zur Cyberspionage aufgesetzt. So habe sich Moskau auch in Wahlen eingemischt und ausländische Behörden gehackt, darunter das dänische Verteidigungsministerium und den deutschen Bundestag.

"Wir wissen, was Sie tun, und Sie werden damit nicht durchkommen", sagte May weiter, offenbar direkt an Putin adressiert. "Sie unterschätzen die Widerstandsfähigkeit unserer Demokratien, die anhaltende Zugkraft freier Gesellschaften und das unerschütterliche Bekenntnis westlicher Staaten zu unseren Bündnissen."

Russland könne aber immer noch einen anderen Weg einschlagen. "Solange das nicht geschieht, werden wir weiter zusammenhalten und unsere Interessen verteidigen", sagte May. Die britische Regierung sei dennoch nicht auf eine Konfrontation mit Russland aus.

Außenminister Johnson hatte vor wenigen Wochen noch erklärt, es gebe keine Beweise dafür, dass Russland versucht habe, sich in die vergangene Parlamentswahl Großbritanniens oder die Brexit-Abstimmung von 2016 einzumischen. Moskau besteht darauf, bei der Wahl zur Abspaltung Großbritanniens von der EU eine neutrale Haltung eingenommen zu haben.

vks

insgesamt 62 Beiträge
Marie Winchester 14.11.2017
1. Starke Haltung!
Solche klaren Botschaften von unseren Regierungschefs in Europa in Richtung Moskau bräuchten wir mehr. Was Russland treibt, kann und darf einfach nicht geduldet werden.
Solche klaren Botschaften von unseren Regierungschefs in Europa in Richtung Moskau bräuchten wir mehr. Was Russland treibt, kann und darf einfach nicht geduldet werden.
pauleschnueter 14.11.2017
2. Das wird langsam skuril
Kann es sein, dass es die Briten nicht wirklich gut vertragen, dass sie weltweit von nur noch äußerst untergeordneter Bedeutung sind? Da wird über Kleinigkeiten ein riesiges Fass aufgemacht ... erinnert schon stark an das [...]
Kann es sein, dass es die Briten nicht wirklich gut vertragen, dass sie weltweit von nur noch äußerst untergeordneter Bedeutung sind? Da wird über Kleinigkeiten ein riesiges Fass aufgemacht ... erinnert schon stark an das Verhalten der polnischen Offiziellen, derzeit.
go-west 14.11.2017
3. Bravo,
endlich mal jemand, der Klartext redet. Das Schöne ist, das Leute vom Schlage eines Putin, Erdogan oder auch Trump eines Tages Geschichte sein werden, ganz im Gegensatz zu unseren Demokratien.
endlich mal jemand, der Klartext redet. Das Schöne ist, das Leute vom Schlage eines Putin, Erdogan oder auch Trump eines Tages Geschichte sein werden, ganz im Gegensatz zu unseren Demokratien.
franz.v.trotta 14.11.2017
4. Durchsichtig
May führt die Briten aus der EU, braucht aber deren Solidarität. Das ist wohl der Hintergrund für ihre Attacken gegen Putin. Sie will zumindest in der Gemeinschaft derer bleiben, die die Putin-Aversionen verbindet.
May führt die Briten aus der EU, braucht aber deren Solidarität. Das ist wohl der Hintergrund für ihre Attacken gegen Putin. Sie will zumindest in der Gemeinschaft derer bleiben, die die Putin-Aversionen verbindet.
Wolfgang Heubach 14.11.2017
5. Frau May steht mit dem Rücken zur Wand
Wahlniederlage (von Frau May selbst (!) verschuldet), Schleuderkurs beim Brexit, schwer angeschlagen in der eigenen Partei . . . laden offenbar geradezu dazu ein, von sich selbst abzulenken und andere Feindbilder aufzubauen. [...]
Wahlniederlage (von Frau May selbst (!) verschuldet), Schleuderkurs beim Brexit, schwer angeschlagen in der eigenen Partei . . . laden offenbar geradezu dazu ein, von sich selbst abzulenken und andere Feindbilder aufzubauen. Durchsichtig das ganze. Und übrigens: War da nicht etwas mit britischer "Spionage"-Tätigkeit in Deutschland? In Zusammenhang mit dem NSA-Skandal? Herr Pofalla hat doch damals ein Schreiben verlesen, wenn ich mich nicht irre.
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