Schrift:
Ansicht Home:
Politik
Mittwoch, 15.11.2017   05:44 Uhr

Die Lage am Mittwoch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Emmanuel Macron laufen die Mitglieder seiner Bewegung "En Marche!" davon. Etliche finden, dass die Verehrung des französischen Präsidenten langsam Züge eines Personenkultes trägt. In einem Brief von "100 Demokraten" heißt es, "En marche!" habe ihre Prinzipien verraten.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 46/2017
xing lái!*
*AUFWACHEN! Warum China schon jetzt Weltmacht Nr. 1 ist - ein Weckruf für den Westen

Ich muss gestehen, dass ich den Aufruhr nicht verstehe. Es nötigt mir einen gewissen Respekt ab, wie Macron aus dem Nichts eine ganze Partei geschaffen und sich mit ihr den Weg in den Élysée-Palast geebnet hat. Aber dass Macron, der ja nichts anderes ist als die moderne Form des republikanischen Monarchen, den die Franzosen seit Charles de Gaulle so schätzen, nun auch noch ein Faible für die Basisdemokratie entwickeln soll, leuchtet mir nicht ein. Charisma ist leider eine zutiefst undemokratische Eigenschaft. Wer über sie verfügt, ist selten der Meinung, dass man Macht teilen sollte.

Seehofers Rache

DPA

Man kann es als letzten Racheakt von Horst Seehofer an Angela Merkel sehen, dass die Kabale um seine Nachfolge nun auch noch die Jamaika-Gespräche überstrahlen. Was den Unterhaltungswert angeht, übertrifft das bayerische Intrigenspiel die zähen Sondierungen jedenfalls deutlich.

Jeden Tag wabert ein neues Gerücht durch die CSU. Schmeißt Seehofer ganz hin? Muss sich Markus Söder die Macht mit seinem Todfeind Alexander Dobrindt teilen? Oder bringt Seehofer, als fiesen letzten Schachzug, Joachim Herrmann in Stellung, damit kein Platz für Söder bleibt, der wie Herrmann aus Franken stammt? Gegen letztere Variante spricht allerdings, dass Seehofer immer ein sicheres Gespür für die Gemütsverfassung seiner Landsleute hatte. Die Bayern verzeihen einem Politiker Vieles. Nur langweilen darf er eben nicht. Und Herrmann wirkt immer noch wie ein Oberregierungsrat, der sich in die Politik verirrt hat.

Der Kampf des Sául Lliuya

Getty Images

Was hat ein peruanischer Bauer mit dem deutschen Energieriesen RWE zu tun? Maren Keller hat für SPIEGEL DAILY die Geschichte von Sául Lliuya aufgeschrieben, der mit seiner Familie unterhalb des Palcacocha-Sees wohnt, der in den vergangenen Jahrzehnten wegen des Klimawandels um ein vielfaches seines ursprünglichen Volumens angeschwollen ist. Nun fürchtet Lliuya, dass die Wassermassen die Staumauer des Anden-Sees eindrücken. Mit Hilfe einer Umweltschutzinitiative klagt er gegen RWE. Lliuya will nicht viel Geld, ihm und seinen Helfern geht es um das Prinzip: Können Konzerne für die globale Erderwärmung in Haftung genommen werden?

Verlierer des Tages...

DPA

... ist die Linkspartei. Es gehört zum Schicksal der Opposition, dass sie erst einmal im Schatten jener verschwindet, die bald etwas zu sagen haben. Nur hat man bei der Linkspartei im Moment den Eindruck, dass sie unfähig ist, auch nur ein paar Wochen der Stille zu verkraften. Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn ist zurückgetreten, weil er sich mit Katja Kipping und Bernd Riexinger überworfen hat. Die Parteichefs wiederum liegen im Clinch mit Sahra Wagenknecht, weil diese die beiden mit jeder Faser spüren lässt, dass es ihr egal ist, wer unter ihr die Partei führt. Ein bisschen erinnert das Ganze an Kinder, denen gesagt wurde, dass sich nun die Erwachsenen am Tisch unterhalten wollen - und die deshalb aus lauter Trotz ein Glas nach dem anderen umschmeißen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL-Plus-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Mittwoch.

Ihr René Pfister

insgesamt 11 Beiträge
Beijinger 15.11.2017
1. Ich habe Horst Seehofer Anfang 2006
in Peking persoenlich "erlebt", wo er auf Einladung der AHK (Aussenhandelskammer) bei einer Podiumsdiskussion ueber das Thema "High-Tech for China Made in Bavaria" sprechen sollte. Die Veranstaltung war mit ca [...]
in Peking persoenlich "erlebt", wo er auf Einladung der AHK (Aussenhandelskammer) bei einer Podiumsdiskussion ueber das Thema "High-Tech for China Made in Bavaria" sprechen sollte. Die Veranstaltung war mit ca 250 Teilnehmern im Grand Ballroom des Kempinski Hotels Peking recht gut besucht. Was machte Horst Seehofer? Ausschliesslich billige Wahlwerbung fuer "seine" CSU und zum eigentlichen Thema kein Wort. Ich habe in den letzten 22 Jahren einige deutsche Landes- und Bundes-Politiker bei aehnlichen Anlaessen in China erlebt, aber keiner hat sich so nachhaltig blamiert wie Herr Seehofer. Nach meiner persoenlichen Erfahrung kann ich nur festhalten, dass es schlecht um Deutschland bestellt ist, wenn die zukuenftige deutsche Regierungspolitik, sprich Koalition, von einem Mann wie Horst Seehofer entscheidend mit"gestaltet" wird. Armes Deutschland, das ist das einzige, was mir dazu noch einfaellt.
Xantos73 15.11.2017
2. Moin Herr Pfister,
na Sie stellen ja steile Thesen auf. Charisma verträgt sich mit Demokratie nicht. Ersteres ist Ansichtssache und letzteres in unseren Breiten nur eine leere Worthülse für etwas was sich zwar so nennt, aber durch Lobbyismus [...]
na Sie stellen ja steile Thesen auf. Charisma verträgt sich mit Demokratie nicht. Ersteres ist Ansichtssache und letzteres in unseren Breiten nur eine leere Worthülse für etwas was sich zwar so nennt, aber durch Lobbyismus schon längst seine Glaubwürdigkeit verloren hat. Dobrint? Oh mein Gott! Na Sie malen ja den Teufel an die Wand. Und die Linken als Verlierer des Tages zu bezeichnen wegen internen Machtkämpfen? Passiert das nicht in allen Parteien? Ist der Mond eine Kugel? Komische Schlussfolgerungen die Sie da haben.
ronald1952 15.11.2017
3. Marcon entpuppt sich als das was Er
in wirklichkeit ist, ein Neoliberaler wie er im Buche steht. Ein Wolf im Schafspelz.Er wird noch zulegen in seinem Tun. Mal sehen wir lange sich die Franzosen das gefallen lassen, bevor Sie die Messer wetzen denn die Worte [...]
in wirklichkeit ist, ein Neoliberaler wie er im Buche steht. Ein Wolf im Schafspelz.Er wird noch zulegen in seinem Tun. Mal sehen wir lange sich die Franzosen das gefallen lassen, bevor Sie die Messer wetzen denn die Worte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind für die meisten Franzosen Heilig. Außerdem sind die Franzosen nicht so blöde sich von den Politikern auf der Nase herumtanzen zu lassen wie das bei uns so der Fall ist. schönen Tag noch,
OhMyGosh 15.11.2017
4. Theater, Theater!
Die dauermotzige Trachtengruppe aus Bavaria sorgt zwar für eine gewisse Unterhaltung des unbedarften Wählers, gibt aber ein über die Maßen unappetitliches und inkompetentes Bild für jeden ab, der von Politik mehr erwartet als [...]
Die dauermotzige Trachtengruppe aus Bavaria sorgt zwar für eine gewisse Unterhaltung des unbedarften Wählers, gibt aber ein über die Maßen unappetitliches und inkompetentes Bild für jeden ab, der von Politik mehr erwartet als dröges und trutschiges Bauerntheater. Was, sakradi, soll denn das kindische Söderbrindt-Trara und das unsägliche und frauenfeindliche Mütterrenten-Gedöns? Dagegen ist ja sogar der FCB ein hochseriöses Unternehmen, der immerhin von einem Ex-Sträflings präsidiert wird.
j.cotton 15.11.2017
5. Macron, ein Retter
Ein Europaretter, der sich übernommen hat? Auch das sieht nicht gut aus, für die Kanzlerin.
Ein Europaretter, der sich übernommen hat? Auch das sieht nicht gut aus, für die Kanzlerin.
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP