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10.07.2007
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Machtkampf Pakistan

Eskalation eines monatelangen Konflikts

Eine Woche war die Rote Moschee in Islamabad belagert, bevor sie von pakistanischen Sicherheitskräften gestürmt wurde. Doch der Konflikt zwischen radikalen Muslimen und dem pakistanischen Staat schwelt bereits seit mehr als einem halben Jahr.

Januar: Studenten einer von der Roten Moschee betriebenen Koranschule besetzen eine Kinderbibliothek, um gegen die Zerstörung mehrerer Moscheen durch die Regierung zu protestieren. Die Regierung erklärt sich zum Wiederaufbau einer der zerstörten Moscheen bereit.

März: Schüler verschiedener Koranschulen in der Umgebung der Roten Moschee starten eine Kampagne gegen Musik- und Videogeschäfte.

27. März: Koranschüler entführen drei Frauen, die angeblich ein Bordell betreiben, sowie zwei Polizisten. Die Geiseln werden freigelassen, nachdem die Frauen nach Angaben ihrer Entführer Reue zeigen. Die Entführer präsentieren die Frauen in Burkas vor der Presse.

6. April: Die Rote Moschee setzt ein Gericht ein, das über die Einhaltung des islamischen Rechts, der Scharia, wachen soll. Der Imam der Moschee, Abdul Aziz, droht mit Selbstmordanschlägen, sollten die Behörden das Gericht auflösen.

9. April: Das Scharia-Gericht erlässt Fatwas (islamische Rechtsgutachten) gegen die pakistanische Tourismusministerin Nilofar Bakhtiar. Grund war ein Foto von Bakhtiar, auf dem sie einen Fallschirmspringer vor einem gemeinsamen Tandem-Sprung umarmt.

10. April: Die pakistanische Regierung gibt die Schließung des Radiosenders und der Internetseite der Roten Moschee bekannt.

19. Mai: Koranschüler entführen nach der Festnahme von etwa einem Dutzend Anhänger der Roten Moschee vier Polizisten.

23. Juni: Koranschüler entführen neun Menschen, darunter sieben Chinesen, aus einer Akupunkturklinik. Sie werfen ihnen vor, die Klinik als Bordell zu nutzen. Die Geiseln kommen am selben Tag frei.

3. Juli: Sicherheitskräfte an der Roten Moschee und Koranschüler starten bewaffnete Auseinandersetzungen.

4. Juli: Die Sicherheitskräfte verhängen eine Ausgangssperre um die Moschee und fordern die darin verschanzten Koranschüler auf, freiwillig herauszukommen. Der Imam Abdul Aziz wird am Abend bei einem Fluchtversuch als Frau verkleidet festgenommen. 1200 Schüler verlassen daraufhin das Gotteshaus, hunderte weitere bleiben darin verschanzt.

6. Juli: Aziz' Bruder und Stellvertreter, Abdul Rashid Ghazi, ist noch immer in der Moschee verschanzt und erklärt, er und seine Anhänger wollten eher sterben als sich ergeben.

8. Juli: Ein Elitekommandeur wird im Kampf getötet. Die pakistanischen Sicherheitskräfte erhöhen den Druck auf die Islamisten, die noch immer in der Moschee ausharren.

10. Juli: Nach gescheiterten Verhandlungen stürmen die Sicherheitskräfte die Rote Moschee in den Morgenstunden. Dabei werden mindestens 50 Islamisten und acht Soldaten getötet. Islamistenführer Ghazi wird nach Regeirungsangaben von eigenen Leuten erschossen, als er aufgeben will.

asc/AFP

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