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20.08.2009
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TV-Bericht

Todkranker Lockerbie-Attentäter wird begnadigt

Attentäter al-Mikrahi: Prostatakrebs im Endstadium
dpa

Attentäter al-Mikrahi: Prostatakrebs im Endstadium

Er ist zu lebenslanger Haft verurteilt, doch nun wird der Lockerbie-Attentäter Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi offenbar vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Der Libyer leidet an Prostatakrebs im Endstadium. Die schottische Regierung kündigte für Donnerstag eine offizielle Erklärung an.

Edinburgh - Die US-Regierung sei "informell" von der Absicht der schottischen Behörden informiert worden, den Libyer Abd al-Bassit Ali al-Mikrahi auf freien Fuß zu setzen. Das meldete der US-Sender CNN am Mittwoch unter Berufung auf Quellen im US-Außenministerium. Zuvor hatte die schottische Regierung mitgeteilt, dass eine Entscheidung über eine mögliche vorzeitige Entlassung des 57-Jährigen gefallen sei. Diese soll am Donnerstagnachmittag offiziell in Edinburgh bekanntgegeben wird.

Der Libyer war 2001 wegen des schlimmsten Terroranschlags in der Geschichte Großbritanniens zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im Dezember 1988 explodierte in einer Maschine der US-Linie PanAm eine Bombe. Das Flugzeug zerfetzte in der Luft und stürzte über dem schottischen Ort Lockerbie ab. 270 Menschen, darunter alle Passagiere und die Besatzung sowie elf Bewohner Lockerbies, kamen ums Leben.

Britische Medien berichteten, al-Mikrahi werde aus humanitären Gründen vorzeitig aus der Haft entlassen. Dem Rundfunksender BBC zufolge, werde die Freilassung noch in dieser Woche erwartet. Al-Mikrahi leidet an Prostatakrebs im Endstadium. Ärzte geben ihm nur noch kurze Zeit zu leben. Er war der einzige, der für das Attentat zur Rechenschaft gezogen wurde.

Libysche Führung erklärte sich 2003 für den Anschlag verantwortlich

Für die USA, die 189 Bürger durch den Terroranschlag verlieren, und auch für Großbritannien war rasch klar, dass Libyen in den Fall verwickelt ist. Der libysche Geheimdienst soll den Koffer mit der Bombe von Malta über Frankfurt an Bord der Maschine geschmuggelt haben.

Zum Prozess kam es erst nach jahrelangen internationalen Verhandlungen. Das Gericht stützte sich auf Indizien und Zeugenaussagen, wonach al-Mikrahi den Bombenkoffer aufgegeben hatte. Ein zweiter Angeklagter kam frei. Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi lieferte seine Landsleute erst aus, nachdem man sich auf die Niederlande als Prozessort geeinigt hatte. Die libysche Führung erklärte sich im April 2003 für den Anschlag verantwortlich und sagte hohe Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen zu.

Viele Angehörige hatten auf eine mögliche vorzeitige Entlassung entsetzt reagiert - vor allem in den USA, da die meisten der Opfer Amerikaner waren. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton und mehrere US-Senatoren hatten gefordert, al-Mikrahi die ganze Strafe von 27 Jahren für seine Beteiligung an dem Bombenanschlag verbüßen zu lassen.

Entscheidung des schottischen Justizministers

Al-Mikrahi hatte am Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit den Weg für seine mögliche Begnadigung frei gemacht. Der schottische Justizminister Kenny MacAskill stand nun vor der Entscheidung, ob der Libyer begnadigt wird und frei kommt oder ob er an Libyen überführt wird und dort den Rest seiner Strafe verbüßen muss. MacAskill sagte, er habe die Familien und alle anderen Beteiligten über seine Entscheidung informiert.

Bereits seit Tagen spekulieren Medien, dass Al-Megrahi begnadigt wird und frei kommt, um in seiner Heimat in Freiheit zu sterben.

Die libysche Regierung hatte im Mai beantragt, dass der zu lebenslanger Haft verurteilte Al Megrahi in seine Heimat überstellt wird, um dort den Rest seiner Strafe zu verbüßen. Der ehemalige Geheimdienstagent hat Krebs im Endstadium. Die US-Regierung hatte sich gegen seine Freilassung ausgesprochen.

wit/dpa/AP

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