08.08.2011
Gewalt in Syrien
Saudischer König attackiert Assad
Proteste gegen Assad: Das syrische Regime geht mit blutiger Gewalt gegen Kritiker vor
Damaskus/Riad/Kairo - Dutzende Tote, so lautet die blutige Bilanz syrischer Oppositioneller für Sonntag: Erneut gingen Soldaten von Präsident Baschar al-Assad mit Gewalt gegen Kritiker des Regimes vor - aber Assad gerät wegen des gewaltsamen Vorgehens seiner Soldaten jetzt auch immer mehr in der arabischen Welt unter Druck.
Der saudische König Abdullah rief Syrien zu raschen und radikalen Reformen auf. "Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden", verlangte Abdullah in einer vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede am Sonntagabend. "Für Syriens Zukunft gibt es zwei Optionen: Weisheit oder Chaos", mahnte Abdullah. Der Monarch kündigte an, den Botschafter seines Landes aus Damaskus zu Konsultationen einzuberufen. "Was in Syrien stattfindet, ist inakzeptabel", sagte Abdullah.
Es ist die schärfste Kritik die Saudi-Arabien gegenüber einem anderen arabischen Land seit Ausbruch der Protestwelle in der Region äußerte, die zu den Machtwechseln in Tunesien und Ägypten führte. Zuvor hatte am Sonntag auch die Arabische Liga von der syrischen Führung ein Ende der Gewalt gegen die eigene Bevölkerung gefordert.
Auch die Golfstaaten riefen das arabische Bruderland Syrien dringend zu Reformen auf. Das Blutvergießen müsse enden und die Bestrebungen der Menschen müssten anerkannt werden, verlangte der Golf-Kooperationsrat (GCC) am Samstag in Riad. In der Organisation sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar, Kuwait und Oman zusammengeschlossen.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte am Montag erneut an Assad, die Gewalt in Syrien zu beenden. Ban sagte über Assad: "Ich hoffe, dass er die Situation sehr ernst nimmt und dass er die notwendigen Maßnahmen ergreift, um den Willen seines Volkes zu respektieren."
In die nordöstliche Stadt Deir al-Sur waren am Sonntag 200 Panzer eingerückt. Sie hätten aus vollen Rohren gefeuert, berichteten syrische Menschenrechtsaktivisten. Mindestens 50 Menschen seien getötet worden. Auf Videos, die Aktivisten ins Internet stellten, waren dicke Rauchwolken über Deir al-Sur zu sehen und Dauerbeschuss zu hören.
16 Menschen, unter ihnen ein Kind, wurden am selben Tag in Al-Hula bei Homs getötet, teilten syrische Oppositionelle mit. Wegen des Beschusses könnten von dort Verletzte nicht in Krankenhäuser gebracht werden. Mindestens 24 Zivilisten sollen schon am Freitag gestorben sein, als Armee-Verbände in den Vorstädten von Damaskus und in anderen Orten erneut mit scharfer Munition auf Demonstranten schossen, wie am Samstag bekannt wurde.
In Damaskus führten Männer in Zivil in der Nacht zum Sonntag den Oppositionsführer und Arzt Walid al-Bunni ab. Er sei zusammen mit seinen beiden Söhnen an einen unbekannten Ort verschleppt worden, teilten syrische Aktivisten im Libanon mit. Al-Bunni saß wegen seines Einsatzes für Menschenrechte schon mehrfach im Gefängnis.
Syriens Außenminister Walid al-Muallim kündigte Wahlen für ein neues Parlament noch in diesem Jahr an. Diese würden "frei und fair" sein, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Zwar setzte Assad jüngst neue Parteien- und Wahlgesetze in Kraft. Doch diese ändern nach Ansicht von Beobachtern kaum etwas am System, das einen Regierungswechsel durch das Wählervotum weiterhin unmöglich macht.
In Syrien demonstrieren Teile der Bevölkerung seit Mitte März für politische Reformen und das Ende des Assad-Regimes. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten töteten die syrischen Sicherheitskräfte bei der Unterdrückung der Proteste fast 2000 Menschen. Tausende wurden verletzt. Auch rund 400 Angehörige der Sicherheitskräfte kamen bei Zusammenstößen ums Leben.
hen/dpa/Reuters/dapd