11.08.2011
Syrien
Assads Truppen stürmen Orte im türkischen Grenzgebiet
Damaskus/Kairo - Die syrischen Streitkräfte sind am Donnerstag mit massiver Gewalt gegen Oppositionelle im Grenzgebiet zur Türkei und zum Libanon vorgegangen. Militärkolonnen fuhren in die Stadt Kusair in der Provinz Homs nahe der Grenze zum Libanon ein, berichteten syrische Aktivisten. Dort sollen die Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad mindestens elf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt haben. Auch Massenverhaftungen wurden gemeldet.
14 Panzer sowie 50 Busse und andere Fahrzeuge mit Soldaten rückten auch in den Ort Sarakeb in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze ein. Augenzeugen berichteten von Geschützfeuer und Explosionen in Sarakeb. Einen Tag vor der Erstürmung hatten die Behörden angekündigt, das Militär werde sich aus der Region zurückziehen.
Nach dem am Mittwoch groß in Szene gesetzten Truppenabzug aus der Protesthochburg Hama sind nach Augenzeugenberichten einige Panzer wieder dorthin zurückgekehrt. Diese seien am Abend auf dem Assi-Platz in Stellung gegangen, berichtete ein Bewohner dem Nachrichtensender Al-Dschasira. Der Platz im Zentrum der Stadt ist der Mittelpunkt der Proteste in Hama.
In Deir el-Sur sollen die Truppen ein Minarett beschossen und zerstört haben. Die Berichte der Regimegegner können von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden, weil die syrische Regierung Journalisten nicht frei arbeiten lässt.
Die in den USA ansässige Organisation Ärzte für Menschenrechte kritisierte am Donnerstag, syrische Sicherheitskräfte kontrollierten den Zugang zu zahlreichen Krankenhäusern. Viele Verletzte verzichteten aus Angst vor einer Festnahme und Folter auf eine ärztliche Behandlung. Unter Berufung auf eine Gruppe syrischer Ärzte erklärte die Organisation weiter, 134 Mediziner seien entweder von den Behörden festgenommen worden oder verschwunden.
Die westlichen Botschafter im Uno-Sicherheitsrat wünschen sich indes mehr Härte im Umgang mit dem starrsinnigen Assad-Regime, wissen aber nicht, wie sie das bewerkstelligen sollen. Die Vetomächte Russland und China zeigen immer noch keine Bereitschaft, Sanktionen gegen Syrien zu tolerieren. Der Sicherheitsrat müsse aber "weitergehende Schritte" erwägen, wenn die Führung weiter mit Gewalt gegen ihr eigenes Volk vorgehe und sich Reformen verweigere, sagte Großbritanniens Vizebotschafter Philip Parham am Mittwoch (Ortszeit) nach einer geschlossenen Sitzung des mächtigsten Uno-Gremiums.
Im Fastenmonat Ramadan, der vor zehn Tagen begann, haben sich die Proteste in Syrien in die Zeit nach dem Fastenbrechen am Abend verlagert. Die Vereinten Nationen gehen inzwischen von 2000 toten Zivilisten seit Beginn der Unruhen im März aus.
lgr/dpa/dapd