14.08.2011
Aufstand in Syrien
Wie der Despot besiegt werden könnte
Von Ulrike Putz, JerusalemBeim Sturm des im syrischen Stammesgebiet liegenden Deir el-Sor starben vergangene Woche Dutzende Menschen, zeitgleich wurde mit Scheich Nawaf al-Baschir der Führer des mächtigen Bakara-Stammes verhaftet: Aktionen wie diese könnten die den Osten Syriens dominierenden Stämme in den Konflikt hineinziehen, sagen Aktivisten und Experten. "Die Stämme sind gut bewaffnet, aber noch zögern sie, ihre Waffen gegen die Armee einzusetzen", so ein syrischer Aktivist. Doch könnten die Provokationen des Militärs jetzt einen Kleinkrieg zwischen den Clans und der Staatsmacht auslösen. "Ein Funke reicht, dann steht der Osten in Flammen", so der Aktivist, der anonym bleiben wollte.
Die sunnitischen Stämme stehen dem alewitisch dominierten Regime in Syrien traditionell kritisch gegenüber. Die Familienverbände, die teilweise Zehntausende Angehörige haben, leben auf beiden Seiten der syrisch-irakischen Grenze. Stammesangehörige in Irak hatten in der vergangenen Woche begonnen, Lebensmittel und Benzin zu Verwandten in die Hochburgen des Aufstands in Syrien zu schmuggeln. So versorgte die irakische Stadt Kaim das jenseits der 1920 gezogenen Grenze liegende Albu Kamal.
Scharmützel zwischen einheimischen, sunnitischen Männern mit den von Damaskus entsandten Soldaten und zivilen Schlägertrupps anderer Konfessionen könnten zu Kämpfen führen, die auf das ganze Land übergreifen. Sie könnten Syrien an den Rand eines Bürgerkrieges bringen. In diesem Fall drohte Syrien ähnliches Blutvergießen wie seinem Nachbarland Irak. "Es wird eklig werden", zitierte die "New York Times" einen Vertreter der Obama-Regierung im Bezug auf die Zeit nach einem möglichen Sturz Assads.

