14.08.2011
Aufstand in Syrien
Wie der Despot besiegt werden könnte
Von Ulrike Putz, JerusalemDie Kruste bricht auf: Im fünften Monat des Aufstandes gegen die Herrschaft von Baschar al-Assad zeigten sich jetzt erstmals Risse in der syrischen Diktatur. Eine Gruppe ehemaliger Minister und Baath-Partei-Kader wandte sich mit Forderungen nach einem Ende der Gewalt und der Einführung einer parlamentarischen Demokratie an die Öffentlichkeit: ein klarer Bruch mit dem Regime.
Aber auch hinter den hohen Mauern der Paläste scheint es in Damaskus zu rumoren: "Sie haben begonnen, uneins zu sein", zitierte die "New York Times" einen Vertreter der US-Regierung in Washington. "Es gibt Leute in der Regierung, die anfangen, wirklich frustriert zu sein über Assad und seine Sicherheitskräfte." Das einstmals eingeschworene Führungsteam in Syrien sei tief zerstritten: Der US-Beamte verglich das in Damaskus herrschende Klima mit einer schlechten Ehe.
Fünf Monate der Rebellion haben in Syrien nach Schätzungen über 2000 Menschenleben gekostet. Trotz dieser Blutopfer war die Lage bislang festgefahren. Denn Assad klammert sich an seine Macht. Mit Zugeständnissen und der Ankündigung von Reformen versucht er, dem Aufstand den Schwung zu nehmen. Durch massive Gewaltanwendung will er den Widerstand brechen. Doch vergeblich: Opposition und Sicherheitskräfte sind wie ineinander verbissen. Keine Seite ist stark genug, die andere zu besiegen, keiner der Gegner so geschwächt, dass er aufgeben würde.
Um das zu ändern, müsste Schwerwiegendes passieren: Entweder eine wichtige, bislang nicht in den Konflikt involvierte Gruppe wirft ihr Gewicht in die Waagschale. Oder eine der Konfliktparteien ändert doch noch ihre Haltung. Die Machtverhältnisse in Damaskus haben anscheinend bereits begonnen, sich zu verschieben. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sie vollends ins Rutschen geraten. Anstoß dazu könnten verschiedene Ereignisse sein:

