18.10.2011
Krieg gegen Taliban
Afghanen betrachten Nato-Soldaten als Besatzer
US-Soldat in Afghanistan: Wenig Vertrauen der Bevölkerung in die Isaf-Truppe
Kabul - Sie sollen für Sicherheit in Afghanistan sorgen, aber die Isaf-Schutztruppen der Nato sind in dem Land rund zehn Jahre nach Beginn des Einsatzes gegen die Taliban immer noch nicht sonderlich beliebt: Laut einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) sehen 56 Prozent der Afghanen die ausländischen Soldaten als Besatzer. Nur 44 Prozent sehen in den Nato-Soldaten keine Besatzungstruppen. KAS-Landeschef Babak Khalatbari nannte das Ergebnis am Dienstag "besorgniserregend".
39 Prozent der Befragten sagten, sie sähen die Nato-geführte Schutztruppe als Sicherheitsgaranten - sechs Prozentpunkte weniger als in der Befragung des Vorjahres. Nach dem für Ende 2014 geplanten Abzug der Isaf-Soldaten befürchten 60 Prozent einen Bürgerkrieg. "Das Umfrageergebnis zeigt, dass in Afghanistan anscheinend immer mehr Angst und Furcht statt Hoffnung die Devise zu sein scheinen", sagte Khalatbari.
Nach massiven Anschlägen der Taliban nimmt die Anzahl der Afghanen ab, die Gespräche mit den Aufständischen befürworten. 63 Prozent sprechen sich für Verhandlungen aus - nach 74 Prozent 2010. Eine Beteiligung der Taliban an der Macht würden nur noch 51 Prozent gutheißen, ein Minus von zehn Punkten verglichen mit dem Vorjahr. "Verklärte Karzai noch bis vor zwei Wochen die afghanischen Taliban als "fehlgeleitete Brüder", tituliert er sie neuerdings als "Prokuristen Pakistans" und erklärt die Verhandlungsansätze als vorerst gescheitert", sagte Khalatbari über die Politik des afghanischen Präsidenten. "Der Wind hat sich gedreht."
Gut drei Jahre vor der geplanten Übergabe der Verantwortung von der Nato an die afghanischen Sicherheitskräfte sagen nur 28 Prozent der Befragten, sie hätten Vertrauen in staatliche Organe. Landesweit zeigten sich 22 Prozent mit der Sicherheitslage zufrieden, wobei es wie auch bei anderen Fragen regional starke Unterschiede gab: So waren die Befragten etwa im umkämpften Osten deutlich unzufriedener als im verhältnismäßig ruhigen Westen des Landes.
Die KAS und die Universität Kabul befragten zwischen dem 25. und dem 30. September 5000 Afghanen in fünf Provinzen. Die Umfrage ist nach Angaben der Stiftung nicht repräsentativ, "eignet sich aber dennoch aufgrund des quantitativen Charakters zu einer Dokumentierung gegenwärtig vorherrschender Meinungstrends in Afghanistan".
Am Montag war Bundespräsident Christian Wulff von seinem zweitägigen Staatsbesuch in Afghanistan zurückgekehrt. Wulff hatte in Kunduz und Masar-i-Scharif Gespräche mit Bundeswehrsoldaten, Polizisten und zivilen Helfern geführt und deren verantwortungsbewusstes Engagement für den Wiederaufbau des Landes gewürdigt. Sie zeigten den Afghanen, "dass auf Deutschland Verlass ist".
Afghanistan sei "auf dem richtigen Weg", sagte der Bundespräsident zu seiner Reisebilanz, auch wenn der Weg "länger und zeitraubender" sei als geplant. "Viele kleine Schritte sind erforderlich."
hen/dpa/dapd