07.12.2011
Terrorismus
USA warnen vor Biowaffen-Anschlägen
US-Außenministerin Clinton: "Eine schmutzige Waffe kann leicht hergestellt werden"
Genf/Berlin - Terroranschläge mit Biowaffen sind ein Schreckensszenario, das man bislang vor allem aus dem Kino kennt. Doch nach Einschätzung der USA ist die Gefahr realer denn je. Fortschritte in Wissenschaft und Technik könnten es auch Terroristen relativ leicht machen, solche Waffen zu entwickeln, warnte Außenministerin Hillary Clinton am Mittwoch in Genf. Zugleich lehnte sie eine von vielen Staaten befürwortete Vereinbarung ab, die nationale Laboreinrichtungen internationalen Kontrollen unterstellen würden. Allerdings sollen ausgewählte Partner derartige US-Einrichtungen besuchen dürfen.
"Eine schmutzige, aber effektive terroristische Waffe kann mit ein paar leicht zu besorgenden Krankheitserregern, billiger Ausrüstung und Schulwissen in Chemie und Biologe hergestellt werden", sagte die Ministerin bei der diesjährigen Uno-Konferenz zur Überprüfung der Konvention über das Verbot biologischer Waffen. "Die Warnzeichen sind zu ernst, sie zu ignorieren." So habe die Terrororganisation al-Qaida vor weniger als einem Jahr Sympathisanten mit Fachkenntnissen aufgerufen, bei der Entwicklung von Biowaffen zu helfen.
Kapazitäten zur Entdeckung und Bekämpfung von Biowaffen-Attacken müssten auf nationaler wie internationaler Ebene verstärkt werden, forderte Clinton. Die USA hätten ihre Abwehrmaßnahmen verbessert seit Präsident Barack Obama vor zwei Jahren eine Strategie gegen biologische Bedrohungen in Gang gesetzt habe. Sie würden auch vielen anderen Ländern helfen, Forschungslabors sicherer zu machen, aus denen Material zur Kampfstoffherstellung entwendet werden könnte.
Ein Zusatzprotokoll zur 1975 verabschiedeten Biowaffen-Konvention, das Kontrollen von Labors vor Ort ermöglichen würde, hält Washington jedoch nicht für sinnvoll. "Die Vereinigten Staaten bleiben überzeugt, dass es angesichts der Eigenheiten der Biowaffen-Technologie nicht möglich wäre, ein System der Verifizierung zu errichten, das diese Zielstellung erreichen würde." Die USA würden aber 2012 "einige Vertragspartner der Konvention zur Besichtigung von Anlagen für die biologische Verteidigung einladen".
Die Biowaffen-Konvention, der sich bislang mehr als 150 Staaten angeschlossen haben, verbietet abgesehen vom Einsatz biologischer Waffen auch deren Herstellung und Lagerung. Forschungen zur Abwehr von Biowaffen-Angriffen sowie die Herstellung von Impfstoffen sind jedoch erlaubt.
vme/dpa