31.12.2011
Raketen-Deal mit den Emiraten
Pentagon rüstet gegen Irans Drohgebärden an
Amerikanische Thaad-Rakete: Machtkampf mit Iran
Washington - Im Konflikt mit Iran erhöhen die USA den Druck - und geben eine Lieferung von Abfangraketen an die Vereinigten Arabischen Emirate bekannt. Der Milliardendeal umfasse zwei Werferbatterien mit 96 Raketen sowie Radaranlagen und Schulungsmaßnahmen, gab das Verteidigungsministerium in Washington bekannt.
Das Projekt ist Teil der Pläne von US-Präsident Barack Obama, ein regionales Verteidigungssystem in der Region aufzubauen, um damit ein Gegengewicht zu Iran zu bilden. Erst am Donnerstag hatte die US-Regierung unter anderem den Verkauf von 84 hochmodernen Kampfjets des Typs F-15 an Saudi-Arabien bekanntgegeben. Laut "New York Times" plant Washington zudem, Kriegsmaterial im Wert von elf Milliarden Dollar an den Irak zu verkaufen.
Hintergrund des militärischen Muskelspiels ist ein wachsender Konflikt mit Iran, das auf den Streit um Teherans Atomprogramm zurückgeht. Die USA und die EU planen, die Sanktionen gegen das Land zu verschärfen, um zu verhindern, dass es Nuklearwaffen baut. Die Sanktionen würden das wirtschaftlich angeschlagene Land hart treffen, sie sind gegen seine Ölexporte gerichtet.
Iran hat deswegen mit Vergeltung gedroht: "Nicht ein Tropfen Öl" werde die Straße von Hormus passieren, sollte der Westen tatsächlich Sanktionen gegen die Ölexporte des Landes verhängen, ließ Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi verlauten. Für die globale Versorgung wäre das fatal: 17 Prozent des weltweit gehandelten Öls fließen durch die Meerenge. Experten erwarten, dass der Ölpreis auf bis zu 200 Dollar pro Barrel (159 Liter) steigen würde, sollte Iran seine Drohung wirklich wahrmachen und die Blockade lange genug aufrechterhalten können.
Die Drohkulisse hat Iran schon hochgezogen. In der Region kreuzen seit Tagen Militärschiffe. Auch Raketen mit einer Reichweite von 2000 Kilometern sollen getestet werden. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete bereits deren Abschuss - die iranische Marine dagegen gibt an, die Tests würden erst in den kommenden Tagen stattfinden.
Ob Iran die Straße von Hormus letztlich wirklich dichtmachen wird, ist fraglich. Die USA haben angekündigt, eine Blockade des Handelswegs auf keinen Fall zu tolerieren. Sprich: Ein Militärschlag wäre dann unausweichlich - und ein solcher würde mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Flächenbrand in der Region auslösen.
Iran zeigte sich zuletzt denn auch wieder etwas konzilianter - und schlug eine neue Runde von internationalen Gesprächen über sein umstrittenes Atomprogramm vor. Der iranische Verhandlungsführer Said Dschalili werde Außenministerin Catherine Ashton in Kürze einen Brief schicken, in dem er darstellen will, wie Gespräche ablaufen könnten.
Der Vertrag mit den Emiraten wurde am ersten Weihnachtstag geschlossen. Er hat einen Wert von rund 3,5 Milliarden Dollar. Die USA und die Vereinigten Emirate "unterhalten ein starkes Verteidigungsbündnis, dem das gemeinsame Interesse einer sicheren und stabilen Golfregion zugrundeliegt", teilte das Pentagon mit.
Die Raketen vom Typ Thaad (Terminal High Altitude Area Defense) wurden für das Abfangen ballistischer Kurz- und Mittelstreckenraketen entwickelt. Sie tragen keinen Sprengsatz, sondern zerstören die angreifende Rakete durch ihren Aufprall. Die Thaad-Raketen werden von Fahrzeugen aus abgefeuert und können dem Hersteller Lockheed Martin zufolge Raketen innerhalb wie außerhalb der Atmosphäre abfangen. Die dazu gehörenden Radarsysteme werden von der Firma Raytheon geliefert.
ssu/AFP/dpa