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30.01.2012
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Atomkonflikt

Pentagon schürt Angst vor Irans schneller Bombe

DPA/ Iranian Defense Ministry

Iranische Mittelstreckenrakete Qiam-1: "Keine Optionen, die nicht auf dem Tisch sind"

Die Spannungen zwischen Iran und dem Westen wachsen weiter. In einem Interview machte der amerikanische Verteidigungsminister Panetta die Position der USA deutlich: Man werde Teheran mit allen Mitteln davon abhalten, eine Atombombe zu bauen.

Washington - Im Konflikt um das iranische Atomprogramm erhebt die US-Regierung Anschuldigungen gegen den Erzfeind. Teheran könnte binnen zwölf Monaten eine Atombombe bauen, weitere ein bis zwei Jahre würde es dauern, ein Trägersystem herzustellen, um die Waffe einzusetzen, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in einem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview des Senders CBS. Das Interview hatte 60 Minutes bereits im vergangenen Jahr geführt, es wurde am 19.12.2011 teilweise auf CBS veröffentlicht. Noch nicht bekannt bis zur jetzigen Ausstrahlung des 60-Minutes-Beitrags war Panettas Einschätzung, dass Iran binnen ein bis zwei Jahren auch ein Trägersystem für eine Atomwaffe entwickeln könnte.

Experten waren bislang von einer deutlich längeren Entwicklungszeit ausgegangen.

Panetta betonte in dem Interview, die USA würden es nicht zulassen, dass die iranische Regierung in den Besitz von Atomwaffen gelange. "Wenn sie fortfahren und wir Informationen erhalten, dass sie mit der Entwicklung einer Kernwaffe fortfahren, werden wir alles tun, was nötig ist, um es zu verhindern", sagte er.

Für die USA und offensichtlich auch für Israel gebe es hier eine rote Linie. Panetta schloss auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. "Es gibt keine Optionen, die nicht auf dem Tisch sind", sagte er.

Ischinger warnt vor Krieg

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt inzwischen vor einem Krieg mit Iran. "Man muss das Säbelrasseln Irans ernst nehmen", sagte Ischinger der "Welt". Der frühere Botschafter sprach sich dafür aus, eine Strategie für den Fall zu erarbeiten, dass Teheran in den Besitz der Atombombe gelangt. "Wir müssen in der Außenpolitik immer vom Worst Case ausgehen. Es darf am Ende nicht nur die Antwort Krieg geben", sagte Ischinger.

Zwar sei die Sanktionspolitik der Europäischen Union im Grundsatz richtig. "Aber wir müssen auch realistisch sehen, dass die seit Jahren eskalierende Sanktionspolitik die iranische Führung nicht zum gewünschten Kurswechsel in der Atompolitik gebracht hat. Deshalb ist die Zeit gekommen, mit einem Tabu aufzuräumen", sagte Ischinger wenige Tage vor Beginn der Sicherheitskonferenz vom 3. bis 5. Februar 2012 in München.

Iran pokert im Streit um Ölembargo

Am Wochenende legte Iran im Streit über das europäisches Ölembargo nach. Die iranische Regierung warnte, ein Lieferstopp werde zu einem deutlichen Preisanstieg führen. Ein Barrel werde schon bald bis zu 150 Dollar kosten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Irna den Leiter der nationalen Ölgesellschaft, Ahmad Kalehban. Derzeit liegt der Preis für ein Barrel Öl auf den Weltmärkten bei knapp unter hundert Dollar. Eigentlich wollte das Parlament in Teheran am Sonntag über ein Gesetz zum sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa beraten. Die Debatte wurde aber kurzfristig vertagt.

Das Gesetz sieht vor, alle Länder, die wegen des iranischen Atomprogramms einen Boykott iranischer Öllieferungen beschlossen haben, sofort von der Belieferung mit Öl und Erdölprodukten auszuschließen. Das träfe die Europäische Union.

Iran liefert rund ein Fünftel seiner Ölausfuhren an EU-Staaten, jeden Tag gehen rund 450.000 Barrel nach Europa. Ein abrupter Lieferstopp würde ausgerechnet diejenigen europäischen Länder treffen, die derzeit am heftigsten unter der Schuldenkrise leiden: Italien, Spanien und Griechenland.

Der Poker birgt aber auch für Iran ein großes Risiko. Das Land ist enorm abhängig vom Ölgeschäft. In den Jahren 2010 und 2011 entfielen knapp 70 Prozent der Einnahmen aus dem Export auf den Ölhandel.

"Wir haben nichts zu verbergen"

Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist mittlerweile in Iran eingetroffen. Es wird erwartet, dass die Fachleute mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler Said Dschalili und dem Direktor des iranischen Atomprogramms zusammentreffen. Das Team soll nach den Worten von Außenminister Ali Akbar Salehi Zugang zu allen atomaren Anlagen in Iran erhalten.

Iran hat in den vergangenen 15 Jahren stets bestritten, eine Atombombe bauen zu wollen. Eine der Atomanlagen, die für eine Inspektion in Frage käme, wäre die lange geheimgehaltene unterirdische Anlage Fordo, die rund 160 Kilometer südlich von Teheran liegt. Die Anlage, in der Uran bis auf 20 Prozent angereichert werden soll, soll im Februar den Betrieb aufnehmen.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview hatte "60 Minutes" bereits im Dezember geführt, es wurde am 19. Dezember 2011 bereits teilweise auf CBS veröffentlicht. Noch nicht bekannt war bis zur Ausstrahlung des "60-Minutes"-Beitrags Panettas Einschätzung, dass Iran binnen ein bis zwei Jahren auch ein Trägersystem für eine Atomwaffe entwickeln könnte. Experten waren bislang von einer deutlich längeren Entwicklungszeit ausgegangen. Wir haben den Text angepasst, da der Anschein erweckt wurde, dass das Interview aktuell geführt worden ist.

ler/dpa/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 264 Beiträge
1. Wo sind...
kleenermann 30.01.2012
eigentlich die irakischen Massenvernichtungswaffen... Die USA suchen mal wieder eine Legitimation für einen Krieg der Ihnen Zugang zu weiteren Ölquellen sichert.
eigentlich die irakischen Massenvernichtungswaffen... Die USA suchen mal wieder eine Legitimation für einen Krieg der Ihnen Zugang zu weiteren Ölquellen sichert.
2. Time to attack iran
bettercentury.blogspot 30.01.2012
dankenswerter weise hat SPON erst vor ein paar tagen darüber berichtet, dass die neocons in den usa NICHTS unversucht lasssen, einen krieg gegen den iran vom zaun zu brechen. der "concil on foreign relation" ist die [...]
dankenswerter weise hat SPON erst vor ein paar tagen darüber berichtet, dass die neocons in den usa NICHTS unversucht lasssen, einen krieg gegen den iran vom zaun zu brechen. der "concil on foreign relation" ist die speerspitze dieser bewegung. in deren zeitschrift "foreign affairs" wird in o.g. artikel OFFEN zum krieg aufgerufen. in deutschland wäre so was strafbar. wie absurd das verhalten unseres werten bündnispartners eigentlich ist, fällt einem erst so richtig auf, wenn man die sache einmal andersrum denkt: pnbc: time to attack america (http://bettercentury.blogspot.com/2012/01/time-to-attack-america.html) ich wünsche einen sonnigen sibirischen tag!
3. .....
intenso1 30.01.2012
Die Pläne der "Achse der Willigen" liegen schon in der Schublade und warten darauf in die Realität umgesetzt zu werden. Wie sagte vor kurzem jemand im TV; "Wenn ... sagt es ist 11.45Uhr, glaube ich es nicht [...]
Zitat von sysopDie Spannungen zwischen Iran und dem Westen wachsen weiter. Im Streit über das Atomprogramm warnt die US-Regierung jetzt vor den technischen Möglichkeiten des Regimes:*Teheran*könne binnen zwölf Monaten eine Atombombe bauen und*diese schneller als bislang angenommen einsetzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,812124,00.html
Die Pläne der "Achse der Willigen" liegen schon in der Schublade und warten darauf in die Realität umgesetzt zu werden. Wie sagte vor kurzem jemand im TV; "Wenn ... sagt es ist 11.45Uhr, glaube ich es nicht unbedingt, ich sehe lieber erst mal selber auf die Uhr."
4. Pakistan kann ja welche verleihen
Observing 30.01.2012
... dann gibt es endlich Ruhe...
... dann gibt es endlich Ruhe...
5.
U29 30.01.2012
Die USA haben auch schon mal behauptet, IRAK besitzt Massenvernichtungswaffen. Nach 2 Kriegen mit über 100 000 Toden auf irakischer Seite wurde festgestellt, dass es keine dieser Waffen gab
Die USA haben auch schon mal behauptet, IRAK besitzt Massenvernichtungswaffen. Nach 2 Kriegen mit über 100 000 Toden auf irakischer Seite wurde festgestellt, dass es keine dieser Waffen gab

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