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01.02.2012
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Afghanistan

Nato-Geheimbericht enthüllt Pläne der Taliban

REUTERS

Taliban-Kämpfer in Afghanistan: Warten auf den Truppenabzug

2014 zieht sich der Westen aus Afghanistan zurück - die Taliban bereiten sich schon intensiv darauf vor, dann wieder die Macht zu übernehmen. Das geht aus einem geheimen Nato-Bericht hervor, über den britische Zeitungen berichten. Der Report zeigt auch, wie stark Pakistan die Islamisten unterstützt.

Kabul/London/Islamabad - Bis 2014 wollen sich die ausländischen Isaf-Truppen aus Afghanistan zurückziehen. Auf diesen Zeitpunkt stellen sich die Taliban bereits mit intensiven Planungen ein. Die Radikalislamisten bereiten sich zehn Jahre nach dem Krieg am Hindukusch auf die Machtübernahme in der Hauptstadt Kabul vor. "Wenn die Isaf keinen Einfluss mehr hat, sehen die Taliban ihren Sieg als unabwendbar an", zitierte die britische "Times" aus einem geheimen Nato-Militärbericht.

Auch "Guardian" und die BBC beziehen sich auf diesen Bericht. Er basiert auf 27.000 Verhören mit mehr als 4000 Angehörigen der Taliban und des Terrornetzes al-Qaida. Den Angaben zufolge wurde er im vergangenen Monat der Führung des Bündnisses in Afghanistan übergeben.

Die Einschätzung bestärkt die Befürchtungen vieler Experten, dass die noch im Aufbau befindlichen afghanischen Truppen mit der Übernahme des Kommandos 2014 überfordert sein könnten. Die Regierung von Präsident Hamid Karzai versucht zurzeit, mit hochrangigen Vertretern der Radikalislamisten zu verhandeln, um die vom Friedensprozess zu überzeugen.

Gleichzeitig verhandeln US-Gesandte derzeit hinter den Kulissen intensiv mit Vermittlern der Taliban über erste Schritte eines möglichen Friedensplans. Darüber hatte es schon in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben, weil die Falken unter den US-Militärs und auch Mitglieder der Republikaner dem Vorhaben sehr skeptisch gegenüberstehen. Nun dürfte die Diskussion um den Sinn der Verhandlungen auch in den USA neu beginnen.

Laut "Times" gewinnen die Taliban neue Popularität, weil sie toleranter geworden seien als 2001. Dieses "neue Image" habe auch einen positiven Effekt auf die Moral der Kämpfer.

Der Geheimbericht enthüllt auch, dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban nach westlicher Einschätzung bei Anschlägen auf ausländische Truppen unterstützt. Die Regierung in Islamabad sei über den ISI nach wie vor mit den Aufständischen "eng verknüpft". Demnach verfügt Pakistan über ein Netz von Mittelsmännern und Spionen, über die strategische Hinweise über die ausländischen Soldaten an die Taliban weitergeleitet werden können.

"Der ISI ist über die Taliban-Aktivitäten und den Verbleib von ranghohen Taliban-Kämpfern vollständig im Bilde", heißt es demzufolge in dem Dokument. Demnach kommen ranghohe Taliban regelmäßig mit Vertretern des pakistanischen Geheimdienstes zusammen. Aus den Verhören geht laut BBC aber nicht hervor, ob Pakistan die Taliban mit Geldern oder Waffen unterstützt. Vielmehr hieß es, die Beziehungen seien für beide Seiten "nützlich", aber wenig vertrauensvoll.

Pakistanische Regierungsvertreter wiesen die Berichte scharf zurück. Diese seien "belanglos, um es noch milde auszudrücken", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Abdul Basit, der Nachrichtenagentur AFP. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte verwies darauf, dass der Nato-Bericht nie veröffentlicht worden sei. Die BBC und die "Times" gäben nur gezielt lancierte Informationen weiter, die es nicht "wert sind zu kommentieren". Außenamtssprecher Basit versicherte, Islamabad verfolge eine strikte Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten.

Die afghanische Regierung wirft Islamabad regelmäßig vor, für die Gewalt im Land verantwortlich zu sein. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern liegen auf Eis, seit im September der mit den Taliban-Friedensgesprächen betraute afghanische Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani von einem Selbstmordattentäter getötet wurde. Ein afghanischer Abgeordneter machte für dessen Tod pakistanische Spione verantwortlich.

Nato-Soldat in Afghanistan getötet

Im Süden Afghanistans ist ein Soldat der internationalen Schutztruppe getötet worden. Wie das Militärbündnis am Mittwoch mitteilte, eröffnete ein Mann in einer afghanischen Uniform am Dienstag das Feuer. Die Nationalität des getöteten Nato-Soldaten wurde nicht genannt.

als/mgb/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 157 Beiträge
1. .
kumi-ori 01.02.2012
Wahrscheinlich werden die Taliban nach dem Abzug der UNO versuchen zurückzukommen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Afghanen wollen das so oder lassen es sich gefallen, dass ihnen von der Barttracht über den Kino- und [...]
Wahrscheinlich werden die Taliban nach dem Abzug der UNO versuchen zurückzukommen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Afghanen wollen das so oder lassen es sich gefallen, dass ihnen von der Barttracht über den Kino- und Schulbesuch bis hin zum Gebetszyklus von irgendwelchen Gottesclowns alles vorgeschrieben wird. Dann gehört es ihnen auch nicht anders. Oder sie wehren sich eben mal selbst. In Ägypten, Libyen, Jemen, Tunesien und Syrien hat es schließlich auch funktioniert.
2. Vorwärts in die Vergangenheit
Palmstroem 01.02.2012
Das wird unsere Gutmenschen sicher freuen. Endlich dürfen die Afghanen wieder so leben, wie das immer war - im Mittelalter. Keine Bildung für Mädchen, keine Rechte für Frauen, Auspeitschen, Hängen und Steinigen als gerechte [...]
Zitat von sysop2014 zieht sich der Westen aus Afghanistan zurück*- die Taliban bereiten sich bereits intensiv darauf vor, dann wieder die Macht zu übernehmen. Das geht aus einem geheimen Nato-Bericht hervor,*über den britische Zeitungen berichten. Der Report zeigt auch, wie stark Pakistan die Islamisten unterstützt.
Das wird unsere Gutmenschen sicher freuen. Endlich dürfen die Afghanen wieder so leben, wie das immer war - im Mittelalter. Keine Bildung für Mädchen, keine Rechte für Frauen, Auspeitschen, Hängen und Steinigen als gerechte Strafe und alles westlich Dekatente weg aus dem Straßenbild.
3. Wofür Alles
ewspapst 01.02.2012
Der Volksmund sagt: Ausser Spesen nichts gewesen, das trift hier leider nicht zu, denn die vielen unschuldigen Afghanen, die durch die "westlichen Menschenfreunde" durch Bomben und Granaten zerfetzt wurden, zählen nicht [...]
Der Volksmund sagt: Ausser Spesen nichts gewesen, das trift hier leider nicht zu, denn die vielen unschuldigen Afghanen, die durch die "westlichen Menschenfreunde" durch Bomben und Granaten zerfetzt wurden, zählen nicht zu den "Spesen". Damit gar nicht erst wieder die Aussage kommt: die Selbmörder der Taliban waren doch die Schlimmen, dann sollte man sich daran erinnern, dass der "Westen" einmarschiert ist, um 3000 Tote der USA zu rächen und die Rache muss sich ja wohl nach kaufmännischen Gesichtspunkten gelohnt haben, bei den zigtausend Toten Afghannen gegen 3000 Amerikanern, gell.
4.
Twanger 01.02.2012
In Ägypten und Tunesien sind die Völker durch ihre demokratische Wahl ein Stück näher Richtung Barttracht und Gebetszyklus gerückt. Was also erwarten Sie von Afghanistan?
Zitat von kumi-oriWahrscheinlich werden die Taliban nach dem Abzug der UNO versuchen zurückzukommen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Afghanen wollen das so oder lassen es sich gefallen, dass ihnen von der Barttracht über den Kino- und Schulbesuch bis hin zum Gebetszyklus von irgendwelchen Gottesclowns alles vorgeschrieben wird. Dann gehört es ihnen auch nicht anders. Oder sie wehren sich eben mal selbst. In Ägypten, Libyen, Jemen, Tunesien und Syrien hat es schließlich auch funktioniert.
In Ägypten und Tunesien sind die Völker durch ihre demokratische Wahl ein Stück näher Richtung Barttracht und Gebetszyklus gerückt. Was also erwarten Sie von Afghanistan?
5. Bin Laden
franklin1157 01.02.2012
Angeblich hat Pakistan auch von Bin Laden nichts gewußt. Wer´s glaubt... Schlimm ist, dass Pakistan die Atombombe hat. Wenn die Taliban in Afghanistan die Macht zurück haben, könnten die die Finger dran kriegen. Wieso hat man [...]
Angeblich hat Pakistan auch von Bin Laden nichts gewußt. Wer´s glaubt... Schlimm ist, dass Pakistan die Atombombe hat. Wenn die Taliban in Afghanistan die Macht zurück haben, könnten die die Finger dran kriegen. Wieso hat man eigentlich solche Angst vor dem Iran? Die scheinen ihre Sinne trotz allem noch so einigermaßen beisammen zu haben (außer dem scheidenenden "Isnogud" Ahmadinedschad), was man von den Taliban nicht behaupten kann. Da braut sich was zusammen...

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