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16.02.2012
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Verfassungsreferendum in Syrien

USA nennen Assads Vorschlag lächerlich

Es sind die Machtspiele eines Diktators: Während Panzer die Stadt Homs attackieren, verspricht der syrische Präsident Assad eine Volksabstimmung über die Verfassung. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete den Vorstoß als "Verhöhnung der Revolution" - und warnte vor neuer Gewalt.

Kairo/Beirut/Damaskus - Die USA haben das von Syriens Staatschef Baschar al-Assad angekündigte Verfassungsreferendum als "lächerlich" zurückgewiesen. "Das ist eine Verhöhnung der syrischen Revolution", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Mittwoch. "Auf Reformversprechen ist bislang für gewöhnlich eine Zunahme der Brutalität gefolgt."

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle sieht in dem Referendumsentwurf nur ein taktisches Manöver: Die Zeit für solche Finten sei lange abgelaufen. "Erforderlich ist ein Ende der vom Regime verübten Gewalt, ein wirklicher politischer Neuanfang und ein glaubhafter demokratischer Wandel", sagte Westerwelle am Mittwoch in Rio de Janeiro.

Während sichin Homs und anderen Städten des Landes bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten, hatte Assad für den 26. Februar eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung angekündigt. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana sowie das Staatsfernsehen veröffentlichten Passagen aus dem Verfassungsentwurf. Demnach soll Syrien ein "demokratischer Staat" mit einem Mehrparteiensystem werden. Damit würde der Führungsanspruch der seit fast 50 Jahren herrschenden Baath-Partei abgeschafft. Der Präsident soll demnach direkt vom Volk für zwei aufeinanderfolgende Mandate gewählt werden können.

Das Referendum war auch eine Forderung der Regierungsgegner - zu Beginn des Aufstands, vor elf Monaten. Inzwischen wollen sie Assads Abgang: "Die Menschen in den Straßen haben heute Forderungen und eine dieser Forderungen ist das Ende dieses Regimes, sagte Chalaf Dahowd, Mitglied des Nationalen Koordinierungsrats für Demokratischen Wandel in Syrien, einer Dachorganisation für Oppositionelle im Exil.

Internationale Gemeinschaft ringt um gemeinsame Position

Die internationale Gemeinschaft versucht, indes, mit einer Resolution der Uno Vollversammlung den Druck auf Syrien weiter zu erhöhen. In einem Entwurf, der am Dienstag von Ägypten verbreitet wurde, werden Menschenrechtsverletzungen des syrischen Regimes scharf verurteilt und ein Plan der Arabischen Liga für ein Ende des seit elf Monaten andauernden Konflikts unterstützt. Über den Entwurf wird am Donnerstag abgestimmt. Die Bundesregierung hofft nach eigenen Angaben auf ein starkes Signal, damit "auch die internationale Isolierung des Assad-Regimes" noch einmal deutlich werde.

Im Weltsicherheitsrat war eine Syrien-Resolution am Veto von Russland und China gescheitert. Während unter anderem Deutschland und die USA einen Rücktritt Assads fordern, setzt sich Russland weiter für Verhandlungen mit dem Regime ein. Nur so ließen sich noch mehr Tote vermeiden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow während eines Besuchs in Wien: "Die Forderung nach einem Regimewechsel als Vorbedingung für alles andere ist ein direkter Weg dazu, dass es noch mehr unschuldige Opfer gibt".

Lawrow trifft am Donnerstag in Wien mit seinem französischen Amtskollegen Alain Juppé zusammen - angeblich auch, um über einen neuen Anlauf für eine Resolution im Sicherheitsrat zu beraten.

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien kündigte die Schweiz an, ihre Botschaft in Damaskus zu schließen. Der Botschafter selbst war bereits im August zu Beratungen nach Bern zurückbeordert worden und nicht mehr nach Damaskus zurückgekehrt.

usp/Reuters/AFP/dpa/dapd

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insgesamt 33 Beiträge
1. Noch mehr Kriegspropaganda
who knows 16.02.2012
Diese einseitige Propaganda, die ein militärisches Eingreifen in Syrien den Boden bereiten soll, ist erschreckend. Aus den friedlichen Demonstranten, auf die Assads "Schergen" (Spiegeldeutsch für Polizei / Militär) [...]
Diese einseitige Propaganda, die ein militärisches Eingreifen in Syrien den Boden bereiten soll, ist erschreckend. Aus den friedlichen Demonstranten, auf die Assads "Schergen" (Spiegeldeutsch für Polizei / Militär) schießen, sind plötzlich von einem Tag auf den anderen Revolutionäre geworden, die sich einen Bürgerkrieg mit dem Staat liefern. Dabei dürfte doch spätestens jetzt klar sein, dass es niemals friedliche, unbewaffnete Demonstranten waren, gegen die Polizei und Militär vorging, sondern bewaffnete Aufständische. Die haben ihre Waffen doch nicht jetzt ganz plötzlich aus dem Hut gezaubert. Der Wille Israels und damit auch des Westens ist seit langem die Machthaber in Syrien und Iran zur Strecke zu bringen. Und das geschieht mit staatlich gefördertem Terrorismus in beiden Ländern. Es ist einfach nur erschreckend mit anzusehen, wir hier ein imperialistischer Angriffskrieg vorbereitet wird, bei dem wieder Hunderttausende, wenn nicht Millionen zum Opfer fallen werden. Dass dies von unserer "freien, demokratischen" Presse unterstützt wird, ist widerwärtig.
2. land of the free
ofelas 16.02.2012
im Gegensatz zu den Bemuehungen in Bahrain und Saudi Arabien
Zitat von sysopEs sind die Machtspiele eines Diktators: Während Panzer die Stadt Homs attackieren, verspricht der syrische Präsident Assad eine Volksabstimmung über die Verfassung. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete den Vorstoß als "Verhöhnung der Revolution" - und warnte vor neuer Gewalt. Verfassungsreferendum in Syrien: USA nennen Assads Vorschlag lächerlich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815577,00.html)
im Gegensatz zu den Bemuehungen in Bahrain und Saudi Arabien
3.
OneLifeOnly 16.02.2012
USA/Nato/libysche Rebellen haben auch alle Angebote Gaddafis zurückgewiesen. Ist ja auch logisch wenn man illegalen regime change betreibt. Die Geschichte wiederholt sich. Das Referendum war wohl nicht so ernsthaft [...]
Zitat von sysopVerfassungsreferendum in Syrien: USA nennen Assads Vorschlag lächerlich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815577,00.html)
USA/Nato/libysche Rebellen haben auch alle Angebote Gaddafis zurückgewiesen. Ist ja auch logisch wenn man illegalen regime change betreibt. Die Geschichte wiederholt sich. Das Referendum war wohl nicht so ernsthaft gewollt? Aber der Wunsch nach einem Referendum machte Islamisten ganz schnell zu Demokraten. Wer hätte damit gerechnet, dass Assad liefern will. Wir werden ja sehen. Ist „Verhöhnung der syrischen Revolution" ein Straftatbestand? Die sogenannte Revolution wird auch von Al Kaida-Kämpfern betrieben. Ist „Verhöhnung von Al Kaida" ein Straftatbestand? Bei WW kommen die Verbrechen der Islamisten schlicht nicht vor. Faszinierend. Lawrow hat es immer noch nicht verstanden. 50 000 Tote und mehr sind für den Westen bestenfalls Kollateralschaden solange die Interessen des Westens, sprich der USA erreicht werden, so sprach Obama. Der Westen will das Blutvergiessen in Syrien nicht stoppen, eindeutig nicht.
4.
amana 16.02.2012
Ich frage mich ernsthaft wie man jetzt ein demokratisches Referendum abhalten kann. Fraglich auch wie die 90% Zustimmung legal zustande kommen soll, denn ohne die 90% Zustimmung gilt dieses Referendum als gescheitert. Aber so [...]
Zitat von sysopEs sind die Machtspiele eines Diktators: Während Panzer die Stadt Homs attackieren, verspricht der syrische Präsident Assad eine Volksabstimmung über die Verfassung. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete den Vorstoß als "Verhöhnung der Revolution" - und warnte vor neuer Gewalt. Verfassungsreferendum in Syrien: USA nennen Assads Vorschlag lächerlich - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815577,00.html)
Ich frage mich ernsthaft wie man jetzt ein demokratisches Referendum abhalten kann. Fraglich auch wie die 90% Zustimmung legal zustande kommen soll, denn ohne die 90% Zustimmung gilt dieses Referendum als gescheitert. Aber so etwas passiert natürlich in Assads Syrien nicht.
5. positiv denken
RudiLeuchtenbrink 16.02.2012
wenn das mit dem Referendum in Syrien gelingt gibt es Parteien und Demokratie. Netter Nebeneffekt sind dann die demokratischen Wahlen in Saudi Arabien und Katar im Juni. Da werden Guido W. und B. Obama noch vor Freude weinen. [...]
wenn das mit dem Referendum in Syrien gelingt gibt es Parteien und Demokratie. Netter Nebeneffekt sind dann die demokratischen Wahlen in Saudi Arabien und Katar im Juni. Da werden Guido W. und B. Obama noch vor Freude weinen. Der Zauberlehrling lässt grüßen.

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