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21.02.2012
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Blutvergießen in Syrien

Rotes Kreuz verhandelt über Waffenstillstand

REUTERS

Bewohner von Homs suchen Schutz (Archivbild): Wochenlange Belagerung

Im Syrien-Konflikt schaltet sich nun das Rote Kreuz ein. Es verhandelt mit dem Assad-Regime und der Opposition über eine Kampfpause, in der Helfer dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten können. Die Protesthochburg Homs wird nach Angaben von Aktivisten weiter mit Granaten beschossen.

Damaskus/Istanbul - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) setzt sich für einen Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime und der Opposition ein. Ein Sprecher der Organisation in Damaskus sagte dem arabischen Nachrichtensender al-Dschasira, das Rote Kreuz sondiere mehrere Möglichkeiten, um humanitäre Hilfe leisten zu können.

Dabei gehe es auch um ein Ende der Kämpfe in den am schwersten betroffenen Gebieten, damit das Rote Kreuz und der Rote Halbmond schnell helfen könnten. In Genf bestätigte IKRK-Sprecher Bijan Farnoudi nach Angaben des US-Senders CNN die Verhandlungen.

Russland forderte angesichts der andauernden Gewalt in Syrien einen Uno-Sondergesandten für das Land. Es sei dringend humanitäre Hilfe für Syrien notwendig, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums am Dienstag in Moskau. Ein Sondergesandter solle in Zusammenarbeit mit der Führung in Damaskus und allen Beteiligten die Sicherheit der Transporte gewährleisten. Moskau hatte neben Peking im Sicherheitsrat gegen eine Syrien-Resolution zur Verurteilung der Gewalt in dem Land durch ein Veto blockiert.

Nun will Russland zudem in den kommenden Tagen im Uno-Sicherheitsrat einen Entwurf für humanitäre Hilfsmöglichkeiten in Syrien einbringen. Das kündigte der Uno-Botschafter Witalij Tschurkin an. Er sagte dem Fernsehsender Vesti 24, dass der Sicherheitsrat "konkrete Schritte zur Lösung humanitärer Probleme unternehmen könnte." Dabei könne man sich unter anderem darauf verlassen, dass Damaskus dem Roten Kreuz Zugang zu einigen Gebieten im Land gewährt habe, sagte er weiter. Einzelheiten über den Entwurf nannte er nicht.

Am Treffen der "Gruppe der Freunde Syriens" an diesem Freitag in Tunesien wird Russland jedoch nicht teilnehmen, hieß es in der im Internet veröffentlichten Stellungnahme des Außenministeriums. Russland kritisiert, dass dem Vernehmen nach nur Vertreter der Opposition, aber keine syrischen Regierungsvertreter eingeladen seien. Damit bleibe ein großer Teil der syrischen Bevölkerung außen vor.

Zu der "Konferenz der Freunde des syrischen Volks" sind unter anderem Vertreter der Arabischen Liga, der EU, der USA, Russlands und Chinas geladen. Gesucht werden soll nach einer politischen Lösung des blutigen Konflikts in Syrien mit laut Aktivisten bisher mehr als 6000 Toten.

Armee beschießt Viertel von Homs mit Granaten

Am Dienstag beschoss die syrische Armee das seit Wochen belagerte Viertel Baba Amr der Stadt Homs erneut mit Granaten, berichteten Aktivisten, die Live-Bilder von der Attacke an arabische TV-Sender schickten. Mindestens zehn Menschen sollen getötet worden sein, darunter zwei Kinder. Dutzende weitere Bewohner seien verletzt worden, hieß es.

Baba Amr gilt als Hochburg der Protestbewegung, die für den Sturz von Präsident Baschar al-Assad kämpft. Aufgrund der Restriktionen des Regimes ist SPIEGEL ONLINE eine unabhängige Berichterstattung aus Syrien nicht möglich.

Die syrischen Sicherheitskräfte nehmen Homs seit dem 4. Februar unter Feuer, um die Aufstände in der Stadt zu ersticken. Die Regierung verstärkte den Druck auf die Rebellenhochburg noch einmal: Drei weitere Kolonnen der Streitkräfte sollen samt Panzern offenbar in die Stadt verlegt werden, berichten Oppositionsaktivisten.

Auch auf den Straßen von Damaskus verstärken die Regimetruppen ihre Präsenz. Sie wollen verhindern, dass sich der Aufstand gegen das Regime auf die Hautstadt ausweitet. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten nahmen Angehörige der Sicherheitskräfte am Montag in einer Handelsschule im Stadtteil Baramke mehrere Schüler fest.

Scharfe Munition gegen Demonstranten in Damaskus

Ein Regimegegner in Damaskus sagte der Nachrichtenagentur dpa am Telefon, vor Regierungsgebäuden seien zahlreiche Soldaten postiert worden. In den Vierteln Messe und Kafr Susa seien Straßensperren errichtet worden. In der Hauptstadt war in den ersten Monaten der Proteste gegen Präsident Assad relativ ruhig geblieben - das ändert sich jetzt allmählich, auch hier beginnen die Menschen auf den Straßen gegen das Regime zu protestieren.

Menschenrechtler berichteten am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters, dass syrische Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstranten in Damaskus geschossen hätten. Vier Menschen sollen dabei verletzt worden sein.

heb/dpa/AFP/Reuters

Forum

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insgesamt 12 Beiträge
1.
Lekcad 21.02.2012
Wieso fällt es den SPON Autoren so schwer bei den bekannten Fakten zu bleiben. Die Rotkreuz-Meldung reicht wohl nicht für einen Aufmacher, da müssen dann mal wieder die "Aktivisten berichten:" Satzbausteine herhalten.
Zitat von sysopIm Syrien-Konflikt schaltet sich nun das Rote Kreuz ein. Es verhandelt mit dem Assad-Regime und der Opposition über eine Kampfpause, in der Helfer dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten können. Die Protesthochburg Homs wird nach Angaben von Aktivisten weiter mit Granaten beschossen. Blutvergießen in Syrien: Rotes Kreuz verhandelt über Waffenstillstand - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816587,00.html)
Wieso fällt es den SPON Autoren so schwer bei den bekannten Fakten zu bleiben. Die Rotkreuz-Meldung reicht wohl nicht für einen Aufmacher, da müssen dann mal wieder die "Aktivisten berichten:" Satzbausteine herhalten.
2. ...
mr_supersonic 21.02.2012
Assads Armee schlachtet das eigene Volk ab, und die Sowjets beschweren sich, dass bei einer Konferenz kein Vertreter dieses Mörderregimes eingeladen ist. Was bitteschön soll der sagen? Dass plötzlich 100000 Syrer [...]
Zitat von sysopIm Syrien-Konflikt schaltet sich nun das Rote Kreuz ein. Es verhandelt mit dem Assad-Regime und der Opposition über eine Kampfpause, in der Helfer dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten können. Die Protesthochburg Homs wird nach Angaben von Aktivisten weiter mit Granaten beschossen. Blutvergießen in Syrien: Rotes Kreuz verhandelt über Waffenstillstand - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816587,00.html)
Assads Armee schlachtet das eigene Volk ab, und die Sowjets beschweren sich, dass bei einer Konferenz kein Vertreter dieses Mörderregimes eingeladen ist. Was bitteschön soll der sagen? Dass plötzlich 100000 Syrer Terroristen geworden sind? Dass man Kinder erschiessen muss, weil...? Und dass die vielen Deserteure auch alles Terroristen sind? Und wer wäre das, ausser den Vertretern der syrischen Streitkräfte und des Machtapparates fällt mir keiner ein. Internationale Hilfsorganisationen in die von Assads Schergen belagerten Gebiete hineinzulassen ist dringend notwendig und ich hoffe sehr, dass überhaupt noch jemand Kontrolle über Assads Armee hat. Denn langsam habe ich den Eindruck, dass die Armee aus den Fehlern in Ägypten und Libyen gelernt hat, und ihren Machterhalt mit allen Mitteln erkämpft, damit es erst gar nicht zu der Situation kommt dass deren Antidemokratischer und Repressiver Charakter entblößt wird.
3.
yulianovo 21.02.2012
Ein sicheres Zeichen dafuer, dass die "Rebellen" im Bedraengnis sind.
Zitat von sysopIm Syrien-Konflikt schaltet sich nun das Rote Kreuz ein. Es verhandelt mit dem Assad-Regime und der Opposition über eine Kampfpause, in der Helfer dringend benötigte humanitäre Hilfe leisten können. Die Protesthochburg Homs wird nach Angaben von Aktivisten weiter mit Granaten beschossen. Blutvergießen in Syrien: Rotes Kreuz verhandelt über Waffenstillstand - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816587,00.html)
Ein sicheres Zeichen dafuer, dass die "Rebellen" im Bedraengnis sind.
4. ...
ein anderer 21.02.2012
Vielleicht, dass über 50% der Syrer das Regime nicht stürzen wollen. Zwar kann man davon ausgehen das eine Mehrheit der Syrer einen Wandel wünschen, aber nicht einen gewalttätigen Umsturz. Also wenn die "Freunde [...]
Zitat von mr_supersonicAssads Armee schlachtet das eigene Volk ab, und die Sowjets beschweren sich, dass bei einer Konferenz kein Vertreter dieses Mörderregimes eingeladen ist. Was bitteschön soll der sagen?
Vielleicht, dass über 50% der Syrer das Regime nicht stürzen wollen. Zwar kann man davon ausgehen das eine Mehrheit der Syrer einen Wandel wünschen, aber nicht einen gewalttätigen Umsturz. Also wenn die "Freunde Syriens" keinen Vertreter der Regierung also der Mehrheitsvertreter im Land einladen, sind sie keinesfalls "Freunde Syriens". Es sind "Freunde anderer Interessen", wahrscheinlich "Freunde" die ihre eigenen Interessen an den verschiedenen übergeordneten Konflikten in der Region haben. Und genau deshalb hätte die UNO eine ausgewogenere Resolution verabschieden sollen. Wenn mehr als 50% der Syrer das Regime nicht stürzen möchten ist eine Revolution durch Gewalt gescheitert. Also hätte man alle Gewalt, auch die die gegen die Mehrheit in Syrien gerichtet ist, verurteilen sollen.
5. ICh habs mir bei ihnen ja schon lange gedacht...
Barath 21.02.2012
Ich sags ihnen ja nur ungern, aber die Sowietunion gibt es nicht mehr.
Zitat von mr_supersonicAssads Armee schlachtet das eigene Volk ab, und die Sowjets beschweren sich, ...
Ich sags ihnen ja nur ungern, aber die Sowietunion gibt es nicht mehr.

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