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22.02.2012
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Gewalt in Syrien

Zwei westliche Journalisten in Homs getötet

Bei den Angriffen der syrischen Armee auf die Protesthochburg Homs sind offenbar zwei westliche Journalisten ums Leben gekommen. Frankreichs Regierung bestätigte den Tod eines Reporters. Bei dem anderen Opfer soll es sich um eine US-Amerikanerin handeln.

Amman - Zwei westliche Journalisten sind bei ihrem Reportereinsatz in der umkämpften syrischen Stadt Homs getötet worden. Das Haus, in dem sich die beiden aufgehalten hätten, sei von Granaten beschossen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Augenzeugen. Als sich die beiden in Sicherheit bringen wollten, seien sie von einer Rakete getroffen worden.

Den Angaben zufolge handelt es sich bei den beiden Journalisten um erfahrene Krisenreporter: Die US-Amerikanerin Marie Colvin arbeitete für die britische Zeitung "Sunday Times", und der französische Fotograf Remi Ochlik arbeitete für das Magazin "Paris Match".

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters starben bei den Attacken auf Homs am Mittwoch insgesamt 17 Menschen. Ob diese Zahl die beiden getöteten Journalisten einschließt, ist noch unklar.

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Syrien: Tod in Homs
Colvin hatte 2001 bei einem Kriseneinsatz in Sri Lanka ein Auge verloren. Ochlik war noch jung, hatte aber bereits aus Haiti berichtet und fotografierte zuletzt die Ereignisse des Arabischen Frühlings in Tunesien, Ägypten und Libyen.

Frankreichs Außenminister Alain Juppé bestätigte in Paris den Tod eines französischen Journalisten. Er forderte die syrische Regierung auf, die Attacken sofort zu stoppen und eine Versorgung der vielen Verletzten zu ermöglichen. Es müsse einen sicheren Korridor für Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes geben, so Juppé.

Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen die Journalisten bei einem Angriff auf das seit Wochen belagerte Viertel Baba Amr ums Leben. Aktivisten berichteten, dass beide ein Medienzentrum der Oppositionellen besucht hätten, als dieses attackiert wurde.

Die Protesthochburg Homs steht im Zentrum des Aufstands gegen Assad. Immer wieder nehmen Regierungstruppen die Stadt unter heftigen Beschuss. Seit Anfang Februar steht die Stadt unter Dauerfeuer.

Bereits im Januar war der französische TV-Journalist Gilles Jacquier bei seinem Einsatz in Syrien ums Leben gekommen.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad vor knapp einem Jahr hat Syrien internationale Journalisten offiziell aus dem Land ausgesperrt. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen hat der Konflikt bislang rund 5400 Menschen das Leben gekostet.

Opposition spricht von 7600 Toten

Die syrische Opposition sprach am Mittwoch von insgesamt 7600 Toten, die die Kämpfe bislang gefordert hätten. Unter den insgesamt 7636 Toten seien mehr als 5500 Zivilisten, erklärte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zudem seien fast 1700 Soldaten und Sicherheitskräfte sowie fast 400 Deserteure getötet worden.

Das Rote Kreuz hat angesichts der humanitären Notlage seine Forderung nach einer Waffenruhe bekräftigt. "Die gegenwärtige Situation macht eine sofortige Entscheidung nötig, die Kämpfe aus humanitären Gründen auszusetzen", erklärte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, am Mittwoch in Genf.

In der umkämpften Stadt Homs und anderen Gebieten "sitzen ganze Familien seit Tagen in ihren Häusern fest, ohne nach draußen zu können, um Brot, andere Nahrung oder Wasser besorgen oder medizinische Hilfe bekommen zu können", sagte Kellenberger.

Das Rote Kreuz gab am Dienstag bekannt, sich für einen Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime und der Opposition einzusetzen.

fab/hen/dpa/Reuters

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insgesamt 53 Beiträge
1. Vielleicht
michaelslo 22.02.2012
hatten die sich unter die Oppositionellen (Aufständische? Rebellen? Terroristen?) gemischt? Angeblich soll es doch gar keine ausländischen Journalisten in Syrien geben. Der Korrespondent von DLf, ZDF berichtet doch immer [...]
Zitat von sysopBei den Angriffen der syrischen Armee auf die Protesthochburg Homs sollen zwei westliche Journalisten ums Leben gekommen sein - das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Kämpfer der Opposition. Bei den Opfern soll es sich um einen Franzosen und eine US-Amerikanerin handeln. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,816827,00.html
hatten die sich unter die Oppositionellen (Aufständische? Rebellen? Terroristen?) gemischt? Angeblich soll es doch gar keine ausländischen Journalisten in Syrien geben. Der Korrespondent von DLf, ZDF berichtet doch immer aus Syrien von außerhalb des Staates.
2.
anonymous2012 22.02.2012
Gilles Jacquier war auf einer PRO Assad Demo erschossen worden. Dürft ihr das nicht erwähnen?
Gilles Jacquier war auf einer PRO Assad Demo erschossen worden. Dürft ihr das nicht erwähnen?
3. .
Andr.e 22.02.2012
Reicht das? (Den Namen suchen dürfen Sie selbst) Gewalt in Syrien: Arabische Liga schickt vorerst keine weiteren Beobachter - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik [...]
Zitat von anonymous2012Gilles Jacquier war auf einer PRO Assad Demo erschossen worden. Dürft ihr das nicht erwähnen?
Reicht das? (Den Namen suchen dürfen Sie selbst) Gewalt in Syrien: Arabische Liga schickt vorerst keine weiteren Beobachter - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808622,00.html) Widerlich dieses profilieren, einfach nur widerlich...
4.
wilczynski 22.02.2012
Nein, das passt ja nicht in das Konzept, dass die Aufständischen die Guten sind und die Regierungstruppen die Bösen...
Zitat von anonymous2012Gilles Jacquier war auf einer PRO Assad Demo erschossen worden. Dürft ihr das nicht erwähnen?
Nein, das passt ja nicht in das Konzept, dass die Aufständischen die Guten sind und die Regierungstruppen die Bösen...
5.
dermichlflo 22.02.2012
Gibt es reichlich, ist nur leider sehr gefährlich. Fragen sie mal Herrn Todenhöfer. Die Freiheit der Berichterstattung ging in den letzten Hundert Jahren verloren. Die Humanität im Krieg ebenfalls. Von Krieg zu Krieg [...]
Zitat von michaelslohatten die sich unter die Oppositionellen (Aufständische? Rebellen? Terroristen?) gemischt? Angeblich soll es doch gar keine ausländischen Journalisten in Syrien geben. Der Korrespondent von DLf, ZDF berichtet doch immer aus Syrien von außerhalb des Staates.
Gibt es reichlich, ist nur leider sehr gefährlich. Fragen sie mal Herrn Todenhöfer. Die Freiheit der Berichterstattung ging in den letzten Hundert Jahren verloren. Die Humanität im Krieg ebenfalls. Von Krieg zu Krieg verschiebt sich das Verhältnis zwischen getöteten Soldaten und getöteten Zivilisten immer mehr zu ungunsten der Zivilisten. Früher undenkbar, heute Usus: das Töten von Rot Kreuz Mitarbeitern und Reportern. Dies liegt meiner Meinung nach daran, daß das Militär zum einen nur noch als lästiges Übel gesehen wird. Wenn man seine Krieger ohne Ehre dastehen lässt, sind sie auch nicht mehr als ehrloser Haufen der sich mit Totenschädel in der Bildzeitung ablichten lässt. Natürlich riechen sie in dieser Schlagzeile eine Verschwörung, gehen sie mal an die frische Luft und sprechen sie mal mit einem Exilsyrer. Glauben sie mir, sie werden Geschichten zu hören bekommen, da wird ihnen schwindlig.

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