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23.02.2012
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Gewalt und Elend

Uno schickt Nothilfebeauftragte nach Syrien

AFP

Kämpfer der "Freien Syrischen Armee" in Idlib: Kein Ende der Gewalt durch das Regime

Syriens Machthaber Assad lässt sein Volk unbeirrt beschießen, bis zu 200.000 Menschen sind auf der Flucht, es fehlt am Nötigsten. Selbst die letzten Verbündeten des Regimes verlieren die Geduld mit der Regierung. Nun will die Uno ihre Nothilfekoordinatorin ins Land schicken, um das Elend zu erkunden.

New York/Damaskus - Angesichts der dramatischen humanitären Lage in Syrien schickt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon seine Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in das arabische Land. Die Britin solle sich ein Bild von der Situation machen, sagte ein Uno-Sprecher am Mittwoch in New York. Wann Amos nach Syrien reisen wird, war zunächst aber noch unklar. Die Nothilfebeauftragte wäre die ranghöchste Uno-Vertreterin, die Syrien seit Beginn der Proteste gegen die Regierung im März 2011 besucht.

In einem Brief an alle Uno-Mitgliedsländer hatte sich Amos "tief besorgt" über die Situation in Syrien gezeigt. Viele Menschen seien verzweifelt, zwischen 100.000 und 200.000 seien auf der Flucht. Die meisten seien bei Verwandten untergekommen, etwa 20.000 hätten es ins Ausland geschafft.

Gebraucht würden Nahrung, aber auch Medikamente und selbst Decken, schrieb Amos. Viele Gebiete seien für die Nothelfer aber gar nicht zugänglich. Sie wolle deshalb so schnell wie möglich nach Syrien reisen und auf Bewegungsfreiheit für die Helfer drängen.

Ban hatte ebenso wie Amos mehrfach die syrische Regierung aufgefordert, die Gewalt gegen das eigene Volk zu beenden und Hilfe von außen zuzulassen. Die Rufe verhallten aber ebenso ungehört wie zwei Resolutionen der Uno-Vollversammlung, die mit großer Mehrheit Damaskus zu einem Ende der Gewalt aufgefordert hatte. Entschließungen des Uno-Sicherheitsrats, der auch Sanktionen verhängen kann, waren zweimal am Veto Russlands und Chinas gescheitert.

Die Unruhen in Syrien halten seit fast einem Jahr an. Allein im vergangenen Jahr sollen laut Uno mehr als 5000 Menschen getötet worden sein. Seitdem kamen vermutlich Hunderte Opfer hinzu. Weil Syrien weder Journalisten noch Beobachter frei arbeiten lässt, gibt es aber kaum unabhängige Berichte.

Auch Russland und Iran rücken vom Assad-Regime ab

Auch Russland und Iran, Unterstützer der Regierung von Präsident Baschar al-Assad, zeigten sich besorgt über die "dramatische Lage" in Syrien. In einem Telefongespräch betonten auch der russische Präsident Dmitrij Medwedew und sein iranischer Kollege Mahmud Ahmadinedschad nach Kreml-Angaben die Notwendigkeit, die Gewalt in Syrien zu beenden. Außerdem müsse es "einen konstruktiven Dialog zwischen den Machthabern und der Opposition ohne irgendwelche Vorbedingungen" geben, teilte der Pressedienst Medwedews in Moskau mit.

Die französische Regierung macht die syrischen Behörden für den Tod zweier Reporter bei einem Granatenangriff auf die umkämpfte Oppositionshochburg Homs verantwortlich. "Damaskus schuldet uns eine Antwort", sagte Außenminister Alain Juppé am Mittwochabend. Zuvor hatte bereits Staatspräsident Nicolas Sarkozy das Vorgehen der syrischen Regierung scharf verurteilt. "Genug ist genug, dieses Regime muss weg", sagte er.

Juppé forderte erneut einen Sicherheitskorridor, um den Verletzten mit Unterstützung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) medizinische Hilfe leisten zu können. Die Reaktion der syrischen Regierung auf entsprechende Appelle sei bisher nicht zufriedenstellend gewesen.

Beim Beschuss der Stadt Homs durch syrische Regierungstruppen waren die amerikanische Kriegsreporterin Mary Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik ums Leben gekommen. Sie hatten nach Angaben von Aktivisten im Stadtteil Baba Amr ein Medienzentrum der Regime-Gegner besucht, als das Gebäude attackiert wurde. Zwei weitere Journalisten, ein Brite und eine Französin, wurden bei dem Dauerbeschuss verletzt.

ffr/dpa/AFP

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