01.03.2012
Streit über Irans Atomprogramm
Ein Krieg, den keiner gewinnen kann
Von Christoph SydowDer Ajatollah zeigte sich entschlossen wie eh und je: Iran werde "mit Gottes Hilfe" an seinem Atomprogramm weiterarbeiten, erklärte Irans oberster Führer Ali Chamenei in Teheran. "Der Druck, die Sanktionen und die Attentate werden keine Früchte tragen. Nichts kann uns daran hindern, unser Nuklearprogramm fortzuführen."
Chameneis Kampfansage ist nur das jüngste Beispiel für die Spannungen zwischen Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite. Seit Januar hat sich der jahrelang schwelende Konflikt um das iranische Atomprogramm kontinuierlich hochgeschaukelt.
Eine kurze Chronik der letzten Wochen:
- Nachdem die US-Regierung Ende 2011 weitere Sanktionen gegen das iranische Regime angekündigt hatte, drohte Teheran mit einer Blockade der für den Ölhandel lebenswichtigen Straße von Hormus.
- Gleichzeitig hielten die Iraner ein großangelegtes Militärmanöver ab. Daraufhin verstärkte die US-Marine ihre Präsenz vor der iranischen Küste.
- Ende Januar beschloss die Europäische Union ein Ölembargo gegen Iran, das ab 1. Juli gelten soll.
- Teheran drohte seither mehrfach mit einem sofortigen Ausfuhrstopp, sollten die Sanktionen nicht zurückgenommen werden. Inzwischen ist Iran dem Embargo zuvorgekommen und hat seine Ölausfuhr an französische und britische Unternehmen gestoppt.
- Die Folge: Der Ölpreis, der seit Wochen steigt, erreichte nach Chameneis Rede ein Neun-Monats-Hoch.
- Seit Jahresbeginn reisten zwei Inspektorenteams der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nach Iran. Jedes mal kehrten sie mit leeren Händen nach Hause, weil ihnen die Iraner den Zugang zu einer verdächtigen Militäranlage in Parchin südlich von Teheran verweigerten. Im Westen wachsen damit die Befürchtungen im Hinblick auf das Nuklearprogramm.
- Parallel dazu hat Israel seine Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Iran offenbar weiter verstärkt. Aus amerikanischen Sicherheitskreisen heißt es, Israel könne schon in wenigen Monaten Angriffe auf iranische Einrichtungen fliegen. Teheran hat für diesen Fall Vergeltungsschläge angedroht.
- Doch längst bleibt es nicht mehr bei gegenseitigen Drohungen: Im Januar wurde bei einem Autobombenanschlag in Teheran ein iranischer Wissenschaftler getötet, der am Atomprogramm beteiligt gewesen sein soll. Es war das vierte tödliche Attentat innerhalb von zwei Jahren. Seither gab es eine ganze Serie von Anschlägen und Attentatsversuchen gegen israelische Diplomaten weltweit - in Georgien, Indien und Thailand. Israel und Iran machen sich gegenseitig für die Anschläge verantwortlich.
Mit jeder weiteren Drohung und jedem weiteren Attentat wächst die Gefahr eines Krieges zwischen Israel und Iran, in den unweigerlich auch die USA und Europa hineingezogen würden.
Ist ein Waffengang überhaupt noch vermeidbar? Welche Interessen verfolgen Iraner, Israelis, Amerikaner und Europäer? Ein Überblick:

