23.02.2012
Videobotschaft aus Homs
Hilferuf verwundeter Journalistin
Hamburg - Edith Bouvier wirkt gefasst. Sie liegt unter eine Decke, ihr Kopf ruht auf einem Kissen. Sie sagt in die Kamera, dass ihr Bein gebrochen sei und dass sie dringend operiert werden müsse.
In einer Videobotschaft, sechseinhalb Minuten lang, hat sich die französische Reporterin am Donnerstag aus der syrischen Stadt Homs gemeldet. Man behandele sie gut, sagt Bouvier in dem Film, aber es fehle die nötige medizinische Ausrüstung für eine Operation.
Deshalb bittet die Reporterin der Tageszeitung "Le Figaro", möglichst schnell aus der belagerten Stadt Homs herausgebracht zu werden. In dem von der Opposition auf Youtube veröffentlichten Video fordert sie einen Waffenstillstand und einen Krankenwagen, um in den Libanon gebracht werden zu können.
Die Stadt ist von Regierungstruppen umstellt und steht unter seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss.
Während Bouvier spricht, sind im Hintergrund Schüsse zu hören. Sie wurde bei demselben Angriff verletzt, bei dem zwei ihrer Kollegen am Mittwoch starben, der französische Fotograf Rémi Ochlik und die US-Journalistin Marie Colvin. Die beiden wurden nach Angaben von Oppositionsaktivisten von einer Granate getroffen, die von der syrischen Armee abgefeuert wurde.
Bouvier zog sich bei den Angriffen einen schweren Splitterbruch im linken Bein zu, ihr Oberschenkel sei der Länge nach gebrochen und auch quer. In dem Video Bouviers ist auch ihr Kollege, der französische Fotograf William Daniels, zu sehen. Er habe Glück gehabt, sagt er, ihm fehle nichts.
Sarkozy spricht von Mord
In einem weiteren Video meldet sich ein anderer verletzter Journalist zu Wort. Der britische Fotograf Paul Conroy, der wie die getötete Colvin für die britische "Sunday Times" berichtete, erzählt, dass er gut versorgt werde von der Medizinern, die der Freie Syrischen Armee, Deserteuren aus der regulären Armee, angehören. Er hat drei große Wunden im Bein.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy prangerte die Tötung der beiden Kollegen Bouviers als Mord an. Sarkozy sagte am Donnerstag im nordfranzösischen Tourcoing, die Verantwortlichen müssten Rechenschaft ablegen. Aufgrund der Globalisierung könne nicht mehr "im absoluten Schweigen gemordet" werden.
Seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad vor knapp einem Jahr sind Menschenrechtlern zufolge bereits mehr als 7600 Menschen getötet worden. Ein am Donnerstag veröffentlichter Uno-Report bestätigte Berichte über die Gräueltaten auf Anordnung der politischen und militärischen Führung. Die Streitkräfte würden auf Befehl Kinder und unbewaffnete Demonstranten erschießen, verwundete Gefangene in Krankenhäusern foltern und wahllos Wohngebiete mit Panzern und Maschinengewehren angreifen, heißt es in dem Report.
fab/AFP/Reuters