23.02.2012
Umfrage
Griechen sind schlecht auf Deutsche zu sprechen
Generalstreik am 7. Februar in Athen: Demonstranten verbrennen die deutsche Flagge
Athen - Immer wieder geht in Athen die Flagge der Bundesrepublik in Flammen auf. Deutschland mag der Griechen größter Kreditgeber sein, doch eine Investition in die Sympathien der Hellenen sind die umfassenden Finanzhilfen offenbar nicht. Ganz im Gegenteil: Die auf Sparmaßnahmen pochenden Deutschen sind im schuldengeplagten Griechenland derzeit alles andere als gern gesehen. Die Gefühle gegenüber den Deutschen reichen in Athen von Ärger bis hin zu regelrechtem Hass, so das Ergebnis einer Umfrage, die am Donnerstag im politischen Wochenmagazin "Epikaira" veröffentlicht wurde.
Nach ihren vorherrschenden Gefühlen gegenüber Deutschland befragt, nannten 41 Prozent der Umfrageteilnehmer Ärger, Empörung oder Wut. Weitere 30 Prozent empfanden Enttäuschung und Angst, bis hin zu Abscheu.
Mehr als drei Viertel der 800 Befragten bezeichneten Deutschlands Rolle in Europa als negativ. 81 Prozent hatten keine gute Meinung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gerade mal 8,6 Prozent hatten positive Gefühle gegenüber Deutschland. Die Umfrage war im Vorfeld der Einigung der Euro-Finanzminister am Dienstag auf ein zweites Hilfspaket für Athen im Umfang von 130 Milliarden Euro durchgeführt worden.
77 Prozent der Befragten glauben, Deutschland wolle ein "Viertes Reich"
30 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage des Magazins "Epikaira" assoziierten die heutige deutsche Politik gar mit der Herrschaft der Nazis. Bei vorgegebenen Antworten kreuzten 77 Prozent der Befragten an, Deutschland wolle ein "Viertes Reich" errichten. 32 Prozent assoziierten Deutschland mit Hitler, Nationalsozialismus oder dem Dritten Reich.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt mit dem Vorschlag, die für April geplante Parlamentswahl in Griechenland zu verschieben. Auf diese Weise hätte die amtierende Regierung genug Zeit, die geforderten Reformen umzusetzen. Der griechische Präsident Karolos Papoulias reagierte ungehalten und erwiderte erbost, er könne nicht hinnehmen, dass Schäuble sein Land verhöhne.
bos/dapd