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24.02.2012
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Wut über Koran-Verbrennung

Bundeswehr gibt afghanischen Außenposten vorzeitig auf

Die Bundeswehr in Afghanistan zieht Konsequenzen aus den Unruhen nach der jüngsten Verbrennung von Koranschriften. Der Stützpunkt in Talokan wird früher geräumt als geplant. Das kleine Lager war von Steinewerfern attackiert worden und erwies sich als sehr schwer zu sichern.

Kabul/Berlin - Nach der Koran-Verbrennung durch die US-Armee wächst die Wut auf Ausländer in Afghanistan - auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden des Landes. Angesichts der gewaltsamen Proteste hat diese jetzt reagiert: Sie zog sich komplett und vorzeitig aus ihrem Stützpunkt Talokan im Norden des Landes zurück. Eigentlich sollte das Lager erst im März geräumt werden.

Bei schweren Unruhen waren in Afghanistan am Donnerstag mindestens acht Menschen getötet worden: zwei Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf und mindestens sechs Demonstranten. Mit den tödlichen Schüssen auf zwei Militärs der Nato-geführten Schutztruppe erreichten die Proteste eine neue Eskalationsstufe.

Internationale Diplomaten und die Schutztruppe befürchten inzwischen einen regelrechten Flächenbrand. Auch in der bisher eher ruhigen Nordregion gab es Proteste gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram. Im von Deutschland geführten Regionalkommando Nord der Nato-Truppe Isaf demonstrierten nach Angaben der Bundeswehr Tausende Menschen. Die Anzahl der Teilnehmer reichte demnach von jeweils 100 bis 2000 Menschen in den einzelnen Städten Talokan, Maimana, Baglan und Faizabad.

Schwierige Sicherheitslage

In Talokan versammelten sich 300 Demonstranten vor dem Stützpunkt der Bundeswehr. Ein ZDF-Reporter berichtete, das Lager sei mit Steinen beworfen worden. Der relativ kleine Komplex ist schwierig zu sichern, weil er - im Gegensatz zu den anderen Feldlagern - mitten in der 200.000-Einwohner-Stadt liegt. Deshalb habe der Kommandeur der Nordregion die 50 Soldaten ins rund 70 Kilometer entfernte größere Feldlager Kundus abrücken lassen, teilte die Bundeswehr mit. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos berichtete, die Armeeangehörigen hätten sämtliche Fahrzeuge, Waffen und Munition mitgenommen.

Ob die Soldaten für abschließende Räumarbeiten noch einmal zurückkehren, konnte der Sprecher nicht sagen. Dies entscheide sich je nach Bedarf und Entwicklung der Lage am Ort. Das Camp werde nun von afghanischen Armee bewacht.

Im vergangenen Mai waren bei einem Angriff von Demonstranten auf das Camp in Talokan mehrere Menschen getötet worden. Die Demonstranten hatten das Lager mit Molotowcocktails und Handgranaten attackiert. Zwei Bundeswehrsoldaten und vier afghanische Wachleute wurden verletzt.

In Maimana kam es bei einer Demonstration vor dem unter norwegischer Führung stehendem Regionalen Wiederaufbauteam (PRT) den Angaben zufolge zu gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der afghanischen Polizei. Isaf-Kräfte gaben Warnschüsse ab, ein Soldat der Schutztruppe erlitt Verletzungen.

In Baglan gerieten afghanische Sicherheitskräfte mit den bis zu 2000 Demonstranten aneinander. Nach unbestätigten Informationen wurde ein afghanischer Zivilist getötet, zwei weitere Zivilisten sowie zehn afghanische Polizisten wurden verletzt.

Weitere Unruhen nach Freitagsgebeten befürchtet

Die Militärs befürchten nach den Freitagsgebeten weitere Ausschreitungen. "Wir bereiten uns auf einen heißen Freitag vor", sagte ein Offizier in Kabul. Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe, US-General John Allen, rief zur Ruhe auf. "Ich appelliere an jeden im ganzen Land - Isaf-Angehörige und Afghanen - Geduld und Zurückhaltung zu üben." Die Isaf teilte mit, die gemeinsame Untersuchung mit den afghanischen Behörden zur Verbrennung von Koran-Exemplaren auf der US-Basis Bagram dauere an. Noch stehe kein Datum für ihren Abschluss fest.

Aus Angst vor neuen Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet ist die Polizei in Afghanistan in Alarmbereitschaft. "Die Polizei ergreift im ganzen Land Maßnahmen", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki.

Taliban will Rache

US-Präsident Barack Obama hat sich inzwischen beim afghanischen Präsidenten Hamid Karzai formell für die Verbrennung von Koranschriften auf dem US-Stützpunkt Bagram entschuldigt. Nach Angaben des Präsidialamtes in Kabul übergab der US-Botschafter einen Brief von Obama an Karzai. In dem Schreiben äußert der Präsident "tiefes Bedauern über den berichteten Zwischenfall" und spricht eine "aufrichtige Entschuldigung" aus. Der US-Präsident sagte eine vollständige Aufklärung des Falls zu.

Die Taliban schworen Rache und riefen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte zur Fahnenflucht auf. Taliban-Funktionäre seien angewiesen worden, alle Deserteure, die sich gegen die "Invasoren" stellten, als "Helden" willkommenzuheißen.

heb/dpa/AFP

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 98 Beiträge
1. Richtige Entscheidung
chewbacca1 24.02.2012
Das hier war die einzig richtige Entscheidung. Offensichtlich sind alle Afghanen momentan unkontrollierbar. Erst gestern wurden zwei Nato Soldaten umgebracht..
Zitat von sysopdapdDie Bundeswehr in Afghanistan zieht Konsequenzen aus den Unruhen nach der jüngsten Verbrennung von Koran-Schriften. Der Außenposten in Talokan wird früher geräumt als geplant. Das kleine Lager war von Steinewerfern attackiert worden und ist schwer zu sichern. Wut über Koran-Verbrennung: Bundeswehr gibt afghanischen Außenposten vorzeitig auf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817260,00.html)
Das hier war die einzig richtige Entscheidung. Offensichtlich sind alle Afghanen momentan unkontrollierbar. Erst gestern wurden zwei Nato Soldaten umgebracht..
2. schon klar: kein Krieg
Andreas58 24.02.2012
nur Aufbauhelfer insbes. Brunnenbohrungen und Schulen
nur Aufbauhelfer insbes. Brunnenbohrungen und Schulen
3. Vorwärts Kameraden, wir gehen zurück
robert.haube 24.02.2012
Jeder, der die panische Flucht der US-Amerikaner und ihrer Quislinge aus Saigon noch vor Augen hatte, wusste: Der "Abzug" in Afghanistan wird unweigerlich in einen Schweinsgalopp übergehen.
Jeder, der die panische Flucht der US-Amerikaner und ihrer Quislinge aus Saigon noch vor Augen hatte, wusste: Der "Abzug" in Afghanistan wird unweigerlich in einen Schweinsgalopp übergehen.
4. Spätestens jetzt
adam68161 24.02.2012
müssten alle deutschen Truppen aus Afganistan sofort abziehen.
müssten alle deutschen Truppen aus Afganistan sofort abziehen.
5. die Arroganz der Amerikaner
steelbruch 24.02.2012
ich denke, das hat was mit der Arroganz der Amerikaner und damit die nicht Achtung vor anderen Kulturen zu tun. Sind regelrechte Bauerntrampel.........wie schnell alles wieder kaputt geht, was mühsam nach 11 Jahren [...]
Zitat von sysopdapdDie Bundeswehr in Afghanistan zieht Konsequenzen aus den Unruhen nach der jüngsten Verbrennung von Koran-Schriften. Der Außenposten in Talokan wird früher geräumt als geplant. Das kleine Lager war von Steinewerfern attackiert worden und ist schwer zu sichern. Wut über Koran-Verbrennung: Bundeswehr gibt afghanischen Außenposten vorzeitig auf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817260,00.html)
ich denke, das hat was mit der Arroganz der Amerikaner und damit die nicht Achtung vor anderen Kulturen zu tun. Sind regelrechte Bauerntrampel.........wie schnell alles wieder kaputt geht, was mühsam nach 11 Jahren aufgebaut wurde......
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