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25.02.2012
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Iran-Atomprogramm

CIA glaubt nicht an Teherans Bombe

DPA/ Iran´s Presidency Office

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad begutachtet die Atomanlage in Natans (2007)

Baut Iran nun die Bombe - oder doch nicht? Die Uno-Atomenergiebehörde IAEA legte erst am Freitag einen alarmierenden Bericht vor, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Ganz anders der amerikanische Geheimdienst CIA: "Eine Produktion ist nicht geplant."

Washington - Wenn es um Iran geht, werden die amerikanischen Geheimagenten normalerweise ausgesprochen hellhörig. Die fanatischen Parolen aus Teheran weckten bislang immer wieder ärgste Befürchtungen und sorgten für alarmierende Berichte.

Umso interessanter sind die Analysen, die US-Geheimdienstdirektor James Clapper erst Ende Januar im US-Senat präsentiert hatte, wie die "New York Times" jetzt berichtet. Iran halte sich zwar noch alle Optionen offen, sagt Clapper. Es gebe aber keine Hinweise, dass Teheran eine Entscheidung getroffen habe, ein Programm zum Bau der Bombe zu beginnen. Jüngste Erkenntnisse bestätigten die Einschätzung der Geheimdienste von 2007, dass Iran sein Atomwaffenprogramm schon Jahre zuvor eingestellt habe, erklärte der Geheimdienstchef.

Westliche Regierungen mahnen

Die Einschätzung unterscheidet sich in bemerkenswerter Weise von den Schlüssen, die die Internationale Atomenergiebehörde IAEA aus ihren jüngsten Ermittlungen zieht. In ihrem am Freitag veröffentlichten Bericht heißt es, Iran habe seine Urananreicherung deutlich gesteigert. So habe die Islamische Republik in den vergangenen zwei Jahren fast 110 Kilogramm Uran auf einen Anreicherungsgrad von 20 Prozent gebracht. Westlichen Experten zufolge reichen rund 250 Kilogramm als Basis für Atomwaffen aus. Inmitten militärischer Drohungen fachten die Erkenntnisse der Inspektoren Befürchtungen des Westens an, dass Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung Nuklearwaffen entwickeln könnte.

Die Regierungen der westlichen Welt sehen sich deshalb in ihren Befürchtungen bestätigt, Iran sei auf direktem Weg, eine Atommacht zu werden. Israels Ministerpräsident Benjamin Nentanjahu erneuerte seine Warnungen, Teheran zur Not im Alleingang zu stoppen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erinnerte den iranischen Ministerpräsidenten Mahmud Ahmadinedschad an seine Pflicht, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten. Auch der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus, Tommy Vietor, erneuerte am Freitag in Washington seinen Verdacht, dass Iran mit seinem Atomprogramm kriegerische Absichten verfolgt.

Die allgemeine Skepsis wächst nicht zuletzt, weil Iran trotz der zunehmenden Spannungen mit dem Westen nicht im Ansatz zum Einlenken bereit scheint, sondern Uno-Angaben zufolge sein umstrittenes Atomprogramm sogar noch forciert. Die Uran-Anreicherung sei deutlich ausgebaut worden, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht der IAEA. "Die Behörde hat weiter ernsthafte Sorgen wegen der möglichen militärischen Dimensionen des iranischen Atomprogramms."

Entwickeln ja, bauen nein

Angesicht der geballten Skepsis suchen Beobachter nach einer Erklärung für die Zurückhaltung der CIA-Agenten. So vermuten Beobachter, dass man Israel in seinen Angriffsplänen gegen Iran nicht noch bestärken will. Kritiker werfen den Schlapphüten dagegen vor, in Erinnerung an die blamable Fehleinschätzung über die Bewaffnung des Irak übertrieben vorsichtig zu sein. 2002 hatte die CIA Iraks Machthaber Saddam Hussein vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen in großer Zahl bereitzuhalten. Die Annahmen hatten sich aber als haltlos erwiesen.

Allerdings besteht im aktuellen Fall kein Zweifel, dass Iran intensiv mit der Anreicherung von Uran beschäftigt ist. Teheran selbst macht schließlich keinen Hehl daraus. Experten in der CIA glauben jedoch, dass Ahmadinedschad die Verdächtigungen der westlichen Staaten bewusst schürt, um seinem Land sozusagen die Aura einer Atommacht zu verleihen und so seine Rolle als regionale Führungsmacht auszubauen. "Ich glaube, Iran will die technischen Möglichkeiten, Atomwaffen zu bauen, aber eine Produktion ist noch nicht geplant", mutmaßt der ehemalige US-Abgesandte der IAEA, Kenneth C. Brill, gegenüber der "New York Times".

mik

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insgesamt 261 Beiträge
1. xxx
Schleswig 25.02.2012
Glauben ist nicht wissen! Aber wenn dem so ist, warum lassen die Herren Politverbrecher das nicht überprüfen? Ist doch ganz einfach.
Zitat von sysopDPA/ Iran´s Presidency OfficeBaut Iran nun die Bombe - oder doch nicht? Die Uno-Atomenergiebehörde IAEA legte erst am Freitag einen alarmierenden Bericht vor, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Ganz anders der amerikanische Geheimdienst CIA - dessen Agenten gaben jetzt sogar explizit Entwarnung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817508,00.html
Glauben ist nicht wissen! Aber wenn dem so ist, warum lassen die Herren Politverbrecher das nicht überprüfen? Ist doch ganz einfach.
2.
ewspapst 25.02.2012
ich bin kein Freund der Kernenergie, aber erklären Sie mit bitte, wie ein Reaktor ohne angereichertes Kernmaterial laufen soll. Wenn Sie eine Bombe mit 20 % angereichereichertem Material bauen können, laufen ihnen die [...]
Zitat von sysopDPA/ Iran´s Presidency OfficeBaut Iran nun die Bombe - oder doch nicht? Die Uno-Atomenergiebehörde IAEA legte erst am Freitag einen alarmierenden Bericht vor, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Ganz anders der amerikanische Geheimdienst CIA - dessen Agenten gaben jetzt sogar explizit Entwarnung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817508,00.html
ich bin kein Freund der Kernenergie, aber erklären Sie mit bitte, wie ein Reaktor ohne angereichertes Kernmaterial laufen soll. Wenn Sie eine Bombe mit 20 % angereichereichertem Material bauen können, laufen ihnen die Kriegslüsternen die Bude ein.
3. Cui bono?
MiniDragon 25.02.2012
Wer steckt als hinter dieser Panikmache?
Wer steckt als hinter dieser Panikmache?
4. ...
Hape1 25.02.2012
Eine Bestätigung dessen, was viele Foristen seit Monaten schreiben. Und das ausgerechnet von der CIA. Jetzt sollte man ein paar Gänge zurüchschalten und wieder Gespräche auf Augenhöhe mit Teheran führen. Ach [...]
Zitat von sysopDPA/ Iran´s Presidency OfficeBaut Iran nun die Bombe - oder doch nicht? Die Uno-Atomenergiebehörde IAEA legte erst am Freitag einen alarmierenden Bericht vor, auch die US-Regierung zeigt sich besorgt. Ganz anders der amerikanische Geheimdienst CIA - dessen Agenten gaben jetzt sogar explizit Entwarnung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817508,00.html
Eine Bestätigung dessen, was viele Foristen seit Monaten schreiben. Und das ausgerechnet von der CIA. Jetzt sollte man ein paar Gänge zurüchschalten und wieder Gespräche auf Augenhöhe mit Teheran führen. Ach ja....Sanktionen lockern. Wenn nicht sogar gänzlich aufheben.
5. Arabischer Gottesstaat
Iran-Differenziert 25.02.2012
Iran ist kein "arabischer" Gottesstaat. Bitte um Korrektur des Artikels. Iraner sind keine Araber. Das müsste man doch bei SPON wissen.
Iran ist kein "arabischer" Gottesstaat. Bitte um Korrektur des Artikels. Iraner sind keine Araber. Das müsste man doch bei SPON wissen.

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Uran und Atomwaffen

Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

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