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25.02.2012
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Koran-Verbrennung

Zwei US-Soldaten in Kabuler Innenministerium erschossen

Foto: AFP

Im Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei.

Hamburg - Bei einem Schusswechsel im afghanischen Innenministerium in Kabul sind zwei westliche Militärberater getötet worden. Das berichteten Behördenmitarbeiter und örtliche Fernsehsender am Samstag. Laut Fernsehberichten ging den Schüssen ein "Wortwechsel" voraus. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sprach von einem Streit. Über die Nationalität der Opfer machte er keine Angaben.

Bei den Toten handelt es sich nach ersten Angaben aus afghanischen und westlichen Sicherheitskreisen in Kabul offenbar um zwei US-Soldaten der Nato-Schutztruppe Isaf, die als Berater des Innenministeriums dort arbeiteten oder zu einem Treffen mit Offiziellen dort waren.

Die Isaf bestätigte, das zwei Soldaten der Schutztruppe in Kabul erschossen worden sind. Ohne Details zu nennen schrieb das Hauptquartier in einer kurzen Mitteilung, ein Angreifer habe das Feuer auf die beiden eröffnet. Der Sprecher der Truppe sagte, bisher wisse man nicht, wie es zu der Schießerei gekommen sei.

Ein Beamter aus dem Innenministerium sagte SPIEGEL ONLINE, der Schusswechsel habe sich im sogenannten Koordinationszentrum im Ministerium, einer Art Kommandostelle für afghanische und internationale Soldaten und Polizisten, ereignet. Rund zehn Minuten lang sei Gewehrfeuer zu hören gewesen. "Überall im Ministerium brach Panik aus, wir versteckten uns in unseren Büros", sagte der Beamte.

Später habe er gehört, dass ein afghanischer Polizist nach einem kurzen, aber heftigen Streit zwei amerikanische Soldaten erschossen habe. Ob der Vorfall mit den anhaltenden Protesten gegen die Koranverbrennung vor einigen Tagen zu tun hat, steht bisher nicht fest. In der Vergangenheit war es schon mehrmals vorgekommen, dass afghanische Polizisten internationale Soldaten oder Berater nach Streitigkeiten getötet hatten. Das gesamte Gelände des Innenministeriums wurde umgehend komplett abgeriegelt, niemand durfte das Gelände verlassen oder betreten.

Das Ministerium im Zentrum von Kabul ist eines der am besten gesicherten Gebäude der Hauptstadt, jeder Besucher wird mit Metalldetektoren untersucht. Die Soldaten und lokale Polizisten allerdings tragen auch in dem Gebäude ihre Waffen.

Warnschüsse gegen gewaltbereite Demonstranten

In Afghanistan gibt es seit Tagen gewalttätige Demonstrationen aus Protest gegen die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten. Bereits am fünften Tag in Folge haben am Samstag Tausende Menschen protestiert. In der Nordprovinz Kundus, wo deutsche Soldaten stationiert sind, und in der Ostprovinz Laghman schlug der zunächst friedliche Protest in Ausschreitungen um. Die Polizei feuerte nach Angaben eines Sprechers in die Luft, um gewalttätige Demonstranten auseinander zu treiben. Nach zunächst friedlichem Protest attackierte die Menge Gebäude der Provinzregierung und ein Uno-Büro mit Steinen. Der Leiter des örtlichen Gesundheitsamts, Saad Mukhtar, sagte, bei dem Handgemenge seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, 50 weitere seien verletzt worden

Unter den Demonstranten sind nach Einschätzung eines Polizeioffiziers aus Kabul viele Anhänger der Taliban, die die Stimmung nach Kräften anheizen. Die Menge schleuderte Steine gegen das Uno-Quartier und forderte lautstark die Verhaftung derjenigen, die für die Verbrennung der Koran-Bücher verantwortlich waren. "Wir wollen, dass die Täter gehängt werden", erklärte Shir Mohammad gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Andernfalls werden wir mit den Protesten fortfahren."

Seit Beginn der Ausschreitungen am Dienstag wurden nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet. Hunderte wurden verletzt. Auslöser war, dass US-Soldaten auf einem Stützpunkt Koran-Bücher verbrannt hatten, was als Gotteslästerung gilt. US-Präsident Barack Obama bat um Entschuldigung und sprach von einem schrecklichen Fehler.

"Abzugsplanungen werden weiter verfolgt"

Trotz der Ausschreitungen in Afghanistan hält der Bundeswehrverband nichts von einem schnelleren Abzug der deutschen Soldaten. Zwar sei die Sicherheitslage nach wie vor sensibel und könne jederzeit kippen, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch der "Passauer Neuen Presse". Sie sei aber grundsätzlich nicht anders als vor den Unruhen. "Aus diesem Grund werden die zwischen den Verbündeten verabredeten Abzugsplanungen weiter verfolgt."

Die Bundeswehr in Afghanistan hatte am Donnerstag wegen der Unruhen nach den Koran-Verbrennungen ihren Stützpunkt in Talokan komplett geräumt und die dort stationierten 60 Soldaten ins Feldlager Kundus verlegt. Kirsch sagte, der verantwortliche Kommandeur habe "mit Umsicht und Augenmaß" gehandelt und die Sicherheit seiner Soldaten an erste Stelle gestellt. Vor zwei Wochen erst war das Lager mit Molotow-Cocktails und Handgranaten angegriffen worden.

Der Reservistenverband der Bundeswehr plädierte für einen beschleunigten Abzug der deutschen Soldaten aus einzelnen Provinzen. Verbandspräsident Roderich Kiesewetter sagte im Deutschlandradio Kultur, es müsse viel deutlicher Verantwortung übergeben werden, "vielleicht auch der eine oder andere Standort eher als geplant". Darauf sei Afghanistan in weiten Teilen vorbereitet. 80 Prozent des Landes seien friedlich.

In der "Schwäbischen Zeitung" schlug Kiesewetter aber auch kritische Töne wegen der Lager-Räumung an. "Es wäre fatal, wenn das Zeichen an die afghanischen Öffentlichkeit ginge, da müssen wir nur in kritischer Lage mit ein paar Steinewerfern auftauchen - und schon zieht sich die internationale Gemeinschaft zurück", wurde der Verbandspräsident zitiert.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold nannte die Koran-Verbrennung in dem Blatt ein "Riesenärgernis". Darin zeige sich erneut, "mit wie wenig kultureller Kompetenz manche Amerikaner unterwegs sind".

jjc/mgb/sho/AFP/Reuters/dapd

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 193 Beiträge
1. Ja wo leben wir denn?
Bundeskanzler Ackermann 25.02.2012
Also das geht ja mal gar nicht. Ich würde sagen Abzug sofort. Soll sich das Innenministerium in Zukunft eben Wortwechsel mit den Taliban liefern.
Zitat von sysopIm Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei.
Also das geht ja mal gar nicht. Ich würde sagen Abzug sofort. Soll sich das Innenministerium in Zukunft eben Wortwechsel mit den Taliban liefern.
2. schrecklich...
fordp 25.02.2012
...das diese "gläubigen" immer so dumm sein müssen und damit meine ich "alle" gläubigen.
Zitat von sysopIm Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei. Koran-Verbrennung: Zwei US-Bürger in Kabuler Innenministerium erschossen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817532,00.html)
...das diese "gläubigen" immer so dumm sein müssen und damit meine ich "alle" gläubigen.
3. ...
Obi-Wan-Kenobi 25.02.2012
Was für eine Verschwendung von Leben und das alles nur wegen ein paar Büchern, welche ein Großteil der Bevölkerung noch nicht mal lesen können, geschweige denn verstehen.
Zitat von sysopIm Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei. Koran-Verbrennung: Zwei US-Bürger in Kabuler Innenministerium erschossen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817532,00.html)
Was für eine Verschwendung von Leben und das alles nur wegen ein paar Büchern, welche ein Großteil der Bevölkerung noch nicht mal lesen können, geschweige denn verstehen.
4. Schwachsinn
komplize 25.02.2012
In der Überschrieft sind es noch "US-Bürger", dann "US-Berater" und später "US-Soldaten", aber die Herkunft der getöteten Personen ist noch unklar... LOL
Zitat von sysopIm Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei. Koran-Verbrennung: Zwei US-Bürger in Kabuler Innenministerium erschossen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817532,00.html)
In der Überschrieft sind es noch "US-Bürger", dann "US-Berater" und später "US-Soldaten", aber die Herkunft der getöteten Personen ist noch unklar... LOL
5. Überwältigende USA-Bilanz
hf50 25.02.2012
Eine übewältigende Bilanz des Wirkens der USA und ihrer Helfershelfer auch in diesem Krieg. Aber im Prinzip gerecht. Irgendwann müssen selbst überheblichste Politiker und Militärs lernen, daß Überfälle auf andere Länder in [...]
Zitat von sysopIm Innenministerium in Kabul sind nach afghanischen Regierungsangaben zwei US-Berater getötet worden. Laut Fernsehberichten kam es nach einem "Wortwechsel" zu einer Schießerei. Koran-Verbrennung: Zwei US-Bürger in Kabuler Innenministerium erschossen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,817532,00.html)
Eine übewältigende Bilanz des Wirkens der USA und ihrer Helfershelfer auch in diesem Krieg. Aber im Prinzip gerecht. Irgendwann müssen selbst überheblichste Politiker und Militärs lernen, daß Überfälle auf andere Länder in einer Katastrophe enden (müssen). Was sagen eigentlich unsere Kriegsstrategen Gerhard Schröder (SPD), Joschka Fischer(Grüne) und Peter Struck )SPD)zu dem Ergebnis ihres Wirkens als Kriegseinsteiger?
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