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23.03.2012
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Attentäter von Toulouse

US-Behörden hatten Mohammed Merah im Visier

REUTERS/ France 2

Serienmörder Mohammed Merah: "Das ist die Gefahr, vor der wir seit Jahren warnen"

In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter.

Toulouse/Hamburg - Nach den Morden des Serientäters Mohammed Merah wächst die Kritik an den französischen Sicherheitsdiensten. Inzwischen wurde bekannt, dass die US-Behörden den Mann bereits seit Jahren als potentiellen Attentäter im Visier hatten. Das dem FBI unterstellte "Terrorist Screening Center" habe Merah auf seine sogenannte No-fly-Liste gesetzt. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und der TV-Sender CNN.

Auf der Liste stehen Personen, von denen die US-Behörden annehmen, dass sie ein Flugzeug zum Absturz bringen könnten. Die Liste ist die schärfste ihrer Art, auf ihr sind etwa 4000 Namen verzeichnet. Wer darauf steht, darf mit einem Flugzeug weder innerhalb der USA reisen noch in die USA hinein oder aus ihr heraus.

Nach französischen Angaben war Merah in den vergangenen Jahren mehrfach in Afghanistan, um in Ausbildungslagern militanter Islamisten zu trainieren. Dabei sei er auch für kurze Zeit von US-Sicherheitskräften in Afghanistan festgenommen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen in Washington. Wann das war und was später mit dem Mann passierte, blieb zunächst unklar.

Befragung durch französische Behörden

Merah - ein Franzose algerischer Herkunft - hatte sich dazu bekannt, im Großraum Toulouse sieben Menschen getötet zu haben, darunter am Montag drei jüdische Kinder. Nach einem zermürbenden Nervenkrieg wurde er am Donnerstag von französischen Elitepolizisten erschossen. Der Islamist handelte nach eigenen Worten im Namen von al-Qaida.

Auch für die französischen Behörden war Merah kein Unbekannter. Sein Name taucht im Register der Direction centrale du reinseignement intérieur (DCRI) auf. Der regionale Ableger des Geheimdienstes zählte den jungen Franzosen mit algerischen Wurzeln zu einem halben Dutzend Islam-Sympathisanten, die für ihre Nähe zu radikalen Dschihadisten-Organisationen bekannt waren. Eine Frau aus Toulouse hatte Merah zudem vor knapp zwei Jahren wegen Qaida-Videos angezeigt, die er ihrem Sohn gezeigt haben soll.

Auch die Afghanistan-Reisen des jungen Mannes weckten den Verdacht der örtlichen Sicherheitsdienste. Mehrfach wurde der Jugendliche zur Befragung einbestellt, aber jedes Mal konnte Merah offenbar die Bedenken der Beamten zerstreuen.

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch Einzeltäter

In Frankreich wird Kritik am Einsatz der Spezialkräfte laut, die an der Erstürmung von Merahs Wohnung beteiligt waren. Christian Prouteau, Gründer einer Spezialeinheit der französischen Gendarmerie, warf der Polizei vor, "ohne klares taktisches Schema" gehandelt zu haben.

Prouteau sagte mit Blick auf die Belagerung der Wohnung Mehras, es hätte Tränengas eingesetzt werden müssen. "Das hätte er keine fünf Minuten ausgehalten." Die Spezialkräfte hätten den 23-Jährigen mit ihrem Vorgehen während der mehr als 30-stündigen Belagerung dagegen dazu "bewegt, seinen 'Krieg' fortzuführen".

Frankreichs Regierungschef François Fillon hat das Vorgehen der Sicherheitsbehörden verteidigt. Es habe keine Möglichkeit gegeben, den 23-Jährigen vor seinen Taten zu ergreifen, sagte Fillon am Freitag dem französischen Radiosender RTL. "In einem Land wie unserem haben wir nicht das Recht, jemanden ohne gerichtliche Anordnung ständig zu beobachten, der kein Verbrechen begangen hat", sagte Fillon. "Wir leben in einem Rechtsstaat."

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes könnten radikalisierte Einzeltäter nach dem Vorbild Merahs auch in Deutschland zuschlagen. "Das ist die Gefahr, vor der wir seit Jahren warnen", sagte Niedersachsens Verfassungsschutzpräsident Hans-Werner Wargel der Nachrichtenagentur dpa.

Nach den bisherigen Informationen sei Merah in Frankreich aufgewachsen, scheinbar integriert, und habe sich radikalisiert, ohne einem Netzwerk anzugehören. "Dieser Täter scheint in das Profil eines radikalisierten Einzeltäters zu passen", sagte Wargel. In Deutschland spreche man aufgrund dieses Tätertyps seit 2009 von einer "intensivierten Gefährdungssituation".

syd/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 39 Beiträge
1. wegschauen ist programm?
schon,aber 23.03.2012
Das heißt also, diese US-Liste wurde von Frankreich nicht zur Kenntnis genommen? Möglicherweise auch von anderen Staaten? Klasse Zusammenarbeit, muss man sagen. Kein Dienst will mit dem anderen kooperieren.
Zitat von sysopREUTERS/ France 2In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823224,00.html
Das heißt also, diese US-Liste wurde von Frankreich nicht zur Kenntnis genommen? Möglicherweise auch von anderen Staaten? Klasse Zusammenarbeit, muss man sagen. Kein Dienst will mit dem anderen kooperieren.
2. acvh
friedrichii 23.03.2012
Hinterher sind wieder mal alle schlauer
Zitat von sysopREUTERS/ France 2In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823224,00.html
Hinterher sind wieder mal alle schlauer
3. Mazyek
hirnbenutzer 23.03.2012
Der Zentralrat der Muslime Mazyek in Deutschland hat die Anschläge in Frankreich mit der Mordserie der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU verglichen und vor Nachahmern gewarnt (bevor der Täter bekannt war). „Das atmet [...]
Zitat von sysopREUTERS/ France 2In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823224,00.html
Der Zentralrat der Muslime Mazyek in Deutschland hat die Anschläge in Frankreich mit der Mordserie der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU verglichen und vor Nachahmern gewarnt (bevor der Täter bekannt war). „Das atmet den Geist der NSU. Es ist leider nicht auszuschließen, dass es in Deutschland Trittbrettfahrer gibt», sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Wie recht er doch hat, die Ideologie des Täters mit der faschistischen, rassistischen Ideologie der NSU zu vergleichen ….. (im Zweifel die Basisliteratur lesen. Lesen bildet!)
4.
glen13 23.03.2012
Gut, die USA hatten ihn auf der Liste "potentieller Attentäter". Aber wer steht da nicht drauf?
Zitat von sysopREUTERS/ France 2In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823224,00.html
Gut, die USA hatten ihn auf der Liste "potentieller Attentäter". Aber wer steht da nicht drauf?
5.
spatzimatzi 23.03.2012
Um einschätzen zu können, ob es sich tatsächlich um ein Versagen der französischen Sicherheitskräfte handelt, müsste man erstmal wissen, wie lang die Liste ist. Meine Vermutung: da stehen allein in Frankreich [...]
Zitat von sysopREUTERS/ France 2In Frankreich wird die Kritik an den Sicherheitsbehörden immer schärfer. Nicht nur die französischen Geheimdienste beobachteten Mohammed Merah, auch das FBI führte den Attentäter von Toulouse auf seiner Liste potentieller Attentäter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823224,00.html
Um einschätzen zu können, ob es sich tatsächlich um ein Versagen der französischen Sicherheitskräfte handelt, müsste man erstmal wissen, wie lang die Liste ist. Meine Vermutung: da stehen allein in Frankreich Zehntausende drauf. Es wird Zeit für eine andere Politik, die diese Feinde unserer Zivilisation wirksam bekämpft

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Chronologie

Zwölf Tage der Angst
Der Serienattentäter von Toulouse hat ganz Frankreich zwölf Tage lang in Atem gehalten. Die Ereignisse in der Übersicht:
11. März: Der erste Mord
Ein Fallschirmjäger in Zivil wird am Nachmittag in Toulouse auf offener Straße erschossen. Der Täter, der sein Opfer durch eine Internetanzeige aufspürte, flieht auf einem Motorroller.
15. März 2012: Zwei Soldaten getötet
Ebenfalls auf offener Straße werden zwei weitere Fallschirmjäger getötet, die gerade am Geldautomaten Geld abheben wollten. Ein dritter Soldat wird lebensgefährlich verletzt. Auch diesmal flieht der Täter auf einem Motorroller. Ort der Bluttat ist Montauban, rund 50 Kilometer nördlich von Toulouse.
19. März 2012: Drei Kinder und ein Lehrer werden erschossen
Vor Unterrichtsbeginn erschießt ein Mann vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Lehrer. Bei der Gewalttat, die weltweit Entsetzen auslöst, trägt der Täter eine Kamera um die Brust geschnallt. Präsident Nicolas Sarkozy ruft in Südfrankreich die höchste Terrorwarnstufe scharlachrot aus.
20. März 2012: Frankreich trauert
Frankreich gedenkt der Opfer in einer Schweigeminute.
21. März 2012: Fahnder entdecken das Versteck
Die Polizei spürt Mohammed Merah auf und umzingelt gegen 3 Uhr morgens dessen Haus im Osten von Toulouse. Der algerischstämmige Franzose verschanzt sich in dem Gebäude. In Israel werden die vier jüdischen Opfer begraben, in Frankreich findet eine Trauerfeier für die drei Fallschirmjäger statt.
22. März 2012: Scharfschützen töten Mohammed Merah
Nach rund 32 Stunden Belagerung dringt die Polizei am Vormittag in Merahs Wohnung vor. Er versteckt sich zunächst im Badezimmer und schießt dann wild um sich. Er wird von Scharfschützen getötet, als er aus dem Fenster flüchten will.

Quelle: AFP

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