30.03.2012
Aussage der Witwe
Bin Laden zeugte auf der Flucht vier Kinder
Islamabad - Wie konnte Osama Bin Laden seinen Häschern über neun Jahre entrinnen? Wo hatte sich der meistgesuchte Mann der Welt bis zu seiner Erschießung durch US-Spezialeinheiten im Mai 2011 versteckt? Wen hatte er auf der Flucht bei sich? Noch immer sind viele Fragen rund um den getöteten Terrorführer offen. Nun hat eine seiner Witwen wertvolle Informationen über die die letzten Jahre im Leben Bin Ladens preisgegeben.
Laut "New York Times" machte Amal Ahmed Abdul Fateh, jüngste der drei Witwen des Top-Terroristen, ihre Aussage gegenüber pakistanischen Ermittlern. Das Blatt beruft sich dabei auf Vernehmungsprotokolle vom 19. Januar. Allerdings wird die Frau darin nicht wörtlich zitiert - sondern ihre Angaben von einem Fahnder wiedergegeben. Auffällig wenig Details finden sich in dem Bericht laut "NYT" über mögliche Helfer, die Bin Laden in Pakistan unterstützt haben. US-Behörden halten die Angaben jedoch trotzdem für weitgehend zuverlässig.
Die Aussagen liefern ein bisher ungekannt präzises Bild über die Fluchtroute des Qaida-Kommandanten. Demnach hatte Fateh den deutlich älteren Bin Laden im Jahr 2000 geheiratet, nach eigenen Angaben weil sie "einen Mudschahidin zum Mann wollte". Von Karatschi aus habe sie die Grenze zu Afghanistan überquert und den Terroristen sowie dessen andere beiden Ehefrauen auf einem Bauernhof bei Kandahar getroffen.
Bin Laden gab Befehl zur Flucht
Das gemeinsame Eheglück hielt jedoch nur wenige Monate. Unmittelbar nach den Anschlägen des 11. September 2001 habe Bin Laden seiner Familie den Befehl gegeben "sich zu zerstreuen". Mit ihrer jungen Tochter Safia habe sie ihren Mann erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2002 wiedergetroffen.
Immer in Angst vor einer Entdeckung durch westliche Kräfte habe Bin Laden seine Familie von Peschawar aus tief in die Berge des nordwestlichen Pakistans geführt. Es sollte der Beginn einer wahren Odyssee werden - bei der die Geheimdienste in der Region offenbar tatenlos blieben.
Insgesamt drei Häuser bewohnten die Bin Ladens zwischen 2002 und 2004 in Shangla und Haripur, nahe der Millionenmetropole Islamabad. Dort brachte Fateh zwei weitere Kinder zur Welt. Bemerkenswert dabei: Sowohl Tochter Aasia (2003) als auch Sohn Ibrahim ein Jahr später wurden laut dem Bericht in staatlichen Kliniken geboren. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gattin des Gesuchten falsche Papiere verwendete und jeweils nur kurz in den Krankenhäusern verweilte.
Hubschrauber über dem Versteck
Im Sommer 2005 wechselte die Gruppe erneut den Wohnort, dieses Mal zogen sie nach Abbottabad, auch hier gebar Fateh zwei Kinder. In Abbottabad kamen US-Kräfte einer Entdeckung des Flüchtigen möglicherweise sehr nahe, ohne es freilich zu bemerken. Wochenlang seien im Oktober 2005 amerikanische Hubschrauber direkt über das Wohnhaus geflogen, berichtet Witwe Fateh. Die Maschinen transportierten Hilfsgüter für die Opfer des gewaltigen Erdbebens, das die Region erschüttert hatte. Mehr als 70.000 Menschen waren damals gestorben. Bin Laden wurde zu dieser Zeit in Afghanistan vermutet.
Organisiert wurden die insgesamt fünf Wohnhäuser für die Bin Ladens nach Angabe der Ehefrau von zwei Brüdern, in den Dokumenten werden sie Ibrahim und Abrar genannt. Bei ersterem soll es sich um Abu Ahmed al-Kuwaiti handeln, einen pakistanischen Paschtunen. Dieser soll zudem auch als wichtiger Kurier für Bin Laden gearbeitet haben.
In Abbottabad, rund 120 Kilometer nördlich von Islamabad spürten die US-Eliteeinheiten den Top-Terroristen schließlich auf. Bei der Erstürmung des Anwesens wurden neben Bin Laden vier weitere Menschen getötet - Ehefrau Fateh wurde von einer Kugel ins Bein getroffen.
Seit ihrer Ergreifung steht Fateh in Pakistan unter Hausarrest, ebenso wie die beiden älteren Witwen Bin Ladens. Ihnen soll schon bald der Prozess gemacht werden, die Behörden werfen den Frauen vor, gegen Einwanderungsrichtlinien verstoßen zu haben.
jok

