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04.04.2012
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Wahlkampf in Frankreich

Hilfe von der Ex

Von Stefan Simons, Rennes
Gemeinsamer Auftritt: "Ségo" eilt ans Hollandes Seite
Fotos
REUTERS

Gemeinsam auf Schmusekurs: Im französischen Präsidentschaftswahlkampf trommelt Ex-Kandidatin Ségolène Royal für ihren ehemaligen Lebensgefährten François Hollande. Der Sozialist hat die Unterstützung bitter nötig.

Es knistert schon vor dem Auftritt. Noch ehe Ségolène Royal und François Hollande in Rennes zum Massen-Meeting der Sozialistischen Partei (PS) auf die Bühne im Ausstellungsgelände treten, ist die Stimmung gespannt: Fünf Jahre nach ihrer Trennung zeigen sich die beiden PS-Promis zum ersten Mal wieder vor den Genossen. "Das hat schon was", sagt Pierre, Sozialist aus St. Malo, als Ségolène Royal vor 18.000 Parteifreunde zur "Mobilisierung der Bürger" aufruft, "für François, unseren nächsten Präsidenten."

Selten hat sich in einem Auftritt das Politische derart mit dem Privaten vermischt. Da steht die Ex-Kandidatin der Sozialisten von 2007 neben ihrem Ex-Lebensgefährten, dem Präsidentschaftskandidaten von 2012.

Hier Royal, die charismatische PS-Frau, die mit beinahe religiöser Inbrunst die Vision einer "partizipativen Demokratie" vortrug; dort Hollande, der biedere Genosse, der als braver Apparatschick elf Jahre der Partei vorstand und sich beim Rennen um den Einzug in den Élysée als "normaler Präsident" empfiehlt.

Hier Hollande, damals düpiert durch die Überraschungskandidatur seiner Kameradin (und Mutter der gemeinsamen vier Kinder); dort Royal, seinerzeit betrogen durch eine anhaltende Liaison ihres Lebensgefährten mit einer anderen Frau.

Das war vor 2007, bevor Nicolas Sarkozy gegen Royal siegte, bevor Hollande die PS-Führung aufgab. Dann wurde er im vergangenen Jahr von der Basis mit klarem Vorsprung zum Spitzenkandidaten gekürt - und überflügelte dabei Royal. Dazwischen liegt eine kleine politische Ewigkeit. Dennoch hat die Trennung des nie verheirateten Paares Spuren hinterlassen.

Die Neue ist die "Frau seines Lebens"

Die Tatsache, dass Hollande seine neue Gefährtin Valérie Trierweiler als "Frau seines Lebens" rühmte, hat Royal getroffen, sagt Najat Belkacem, eine ihrer engen Vertrauten und heute Sprecherin im Wahlkampfteam. Genauso wie die peinliche Abwesenheit der Ex-Kandidatin im offiziellen Wahlkampf-Video Hollandes: Da wurde die gloriose PS-Geschichte abgespult, ohne Hinweis auf Royal, die bei den letzten Wahlen immerhin 17 Millionen Stimmen erhielt. Erst spät wurde nachgebessert. "Schon ziemlich großartig", meint Belkacem, "wie Ségolène das alles weggesteckt hat".

Getrennt leben, geeint agieren: In Rennes sprechen die doppelten "Ex" zum Parteivolk. Nicht zusammen, sondern hintereinander. Royal redet wolkig von einer "neuen Vorsehung" für Frankreich. Aber sie sagt auch: "Wenn die Linke geeint ist, kann sie gewinnen! Und der einzige, der es schaffen kann, ist François." Sie strahlt, sie sonnt sich im Applaus, als die beiden sich am Rednerpult abwechseln und - einen langen, symbolischen Moment lang - gemeinsam auf der Bühne stehen.

Nach 25 Jahren Zweierbeziehung eine Zweckehe: Hollande mimt den staatsmännischen Kandidaten, "Ségo" macht die Einheizerin und soll für die nötige Stimmung sorgen. Es ist eine Arbeitsteilung, bei der beide gewinnen. Royal bekäme bei einem Wahlsieg der Sozialisten wohl keinen Ministerinnensessel - die "Ex" am Kabinettstisch wäre für einen Präsidenten Hollande ein allzu sperriger Partner. Aber bei einer linken Mehrheit in der Nationalversammlung kann sie sich durchaus Chancen auf das Amt der Parlamentspräsidentin ausrechnen.

Im Gegenzug braucht Hollande die Unterstützung seiner früheren Partnerin - schon weil Royal mit ihrem Fan-Club "Désirs d'Avenir" (etwa: Wünsche für die Zukunft) noch immer über ihr eigenes Netzwerk verfügt.

"Hilfe, Sarkozy kommt zurück!"

Denn Hollande ist in Not: Monatelang hatte der Sozialist in den Erhebungen der Meinungsforscher Nicolas Sarkozy überflügelt - bei jüngsten Befragungen zum ersten Wahlgang wurde er vom Präsidenten ein- und überholt. Gewiss, für die zweite Runde am 6. Mai räumen die Demoskopen Hollande nach wie vor einen Vorteil von sechs bis acht Punkten ein. Aber der Abstand schrumpft. "Die Dynamik hat das Lager gewechselt", kommentiert "Le Nouvel Observateur" und titelt besorgt: "Hilfe, Sarkozy kommt zurück".

Dabei nutzte der Staatschef nicht nur die mörderischen Anschläge des Mohammed Merah in Toulouse, um die aggressive Kandidaten-Attitüde gegen die distinguierte Präsidentrolle zu wechseln. Hollande hatte der Dauerpräsenz des Präsidenten bislang nicht viel entgegenzusetzen. Er blieb brav auf Kurs, absolvierte den Parcours der Wahlkampftermine, hakte Themen ab und verbreitete dabei vor allem Langeweile. "Ich ziehe es vor, eine Wahl mit etwas weniger Enthusiasmus zu gewinnen, als sie mit viel Leidenschaftlichkeit zu verlieren", bemerkte Hollande - gerade so, als sei ihm der Kampf um das Spitzenamt der Republik lästig geworden.

"Träge", "schlapp", kommentierten selbst linke Blätter. Das Magazin "Marianne" beschrieb den PS-Mann unter Anspielung auf Mitterrands Wahlkampfslogan von 1981 ("Die ruhige Kraft") als "allzu ruhigen" Kandidaten. Grünen-Promi Daniel Cohn-Bendit resümierte brutal: "Die Kampagne kotzt mich an".

Durch die Umfragen unter Druck, geht der einst so siegessicherere Hollande in Rennes zur Offensive über: Er breitet nicht nur sein "Programm für die ersten 100 Tage" aus, eine ambitiöse Agenda, mit der er seine Präsidentschaft starten will. Er nimmt sich Sarkozy auch persönlich vor: "Sein Projekt ist seine Bilanz - nur schlimmer. Sein Projekt beschränkt sich auf einen Sparpan." Und ironisch: "Den Führerschein für die Lenkung der Republik werden ihm die Franzosen bald entziehen".

Nach 75 Minuten hat Hollande alle Kernpunkte abgearbeitet, bis an die Grenze seiner fast versagenden Stimme. Zurück bleibt der Augenblick des privat-politischen Schulterschlusses zwischen den Kandidaten von 2007 und 2012. Hollande geht darauf ein, als er die "Präsenz von Ségolène Royal als Zeichen der Verbundenheit" rühmt und dafür dankbaren Beifall erhält. "Es ist eine Einheit, die uns 2007 gefehlt hat, aber jetzt ist sie da, stark und irreversibel."

Forum

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insgesamt 1 Beitrag
1. Er wird gewinnen
brido 10.04.2012
Er liegt im ersten Wahlgang vor Sarkozy, im zweiten vor ihm. Bitter nötig? Sarkozy flirtete mit Merkel und spricht jetzt gegen Schengen, keiner glaubt ihm etwas.
Er liegt im ersten Wahlgang vor Sarkozy, im zweiten vor ihm. Bitter nötig? Sarkozy flirtete mit Merkel und spricht jetzt gegen Schengen, keiner glaubt ihm etwas.

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