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05.05.2012
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Fall Timoschenko

Bundesregierung verstärkt Druck auf die Ukraine

Plakate von Timoschenko-Anhängern in Kiew: Berlin will besseren Umgang mit Opposition
dapd

Plakate von Timoschenko-Anhängern in Kiew: Berlin will besseren Umgang mit Opposition

Die Kritik an Kiew wird schärfer: Man erwarte nicht nur eine gute Behandlung von Julija Timoschenko, sondern überhaupt einen angemessenen Umgang mit der Opposition, fordert Innenminister Friedrich. Die Regierung in Kiew bestreitet eine Misshandlung der Oppositionsführerin.

Berlin - Mit ihrem Hungerstreik und dank der anstehenden Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine hat Julija Timoschenko die weltweite Aufmerksamkeit auf die politische Situation in ihrer Heimat gelenkt. Die Regierung in Kiew gerät dadurch immer stärker unter Druck. Zwar soll die inhaftierte Oppositionsführerin nun von deutschen Ärzten in der Ukraine behandelt werden, doch die Bundesregierung fordert von Präsident Wiktor Janukowitsch generell einen besseren Umgang mit der Opposition.

Man erwarte nicht nur eine Lösung des Falls Timoschenko, sondern die Achtung der Menschenrechte aller Oppositioneller, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) der "Bild am Sonntag": "Uns geht es um eine Normalisierung des Umgangs mit der Opposition in der Ukraine insgesamt. Sollten wir hier in den kommenden Wochen Fortschritte erleben, wäre das ein gutes Zeichen."

Die 51-Jährige Timoschenko leidet an einem schweren Bandscheibenvorfall und will sich auf Rat deutscher Ärzte nun doch in ihrer Heimat behandeln lassen und nicht auf einer Ausreise nach Deutschland bestehen. Die frühere ukrainische Regierungschefin ist nach eigenen Angaben aus Protest gegen ihre Haftbedingungen seit zwei Wochen im Hungerstreik.

Regierungschef wirft Timoschenko Selbstinszenierung vor

Der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow stellte die Glaubwürdigkeit Timoschenkos in Frage. Ihre Angaben zu angeblichen Misshandlungen in der Haft dürften nicht ungeprüft übernommen werden, schrieb Asarow bei Facebook. "Jede Information, vor allem wenn es um aufsehenerregende Politik geht, sollte maximal geprüft werden mit verschiedenen Mitteln", forderte er.

Niemanden lasse es kalt, wenn behauptet werde, dass eine Frau im Gefängnis misshandelt worden sei. Die Ermittlungen der vergangenen Tage hätten die Anschuldigungen Timoschenkos gegen den ukrainischen Strafvollzug widerlegt, schrieb der Regierungschef. "Eins lässt sich genau sagen: Schläge oder Gewalt gegen Timoschenko hat es nicht gegeben."

Die wegen Amtsmissbrauchs inhaftierte Oppositionsführerin hatte auf Fotos blaue Flecken an Bauch und Armen präsentiert. Die Staatsanwaltschaft hatte indirekt die Vermutung geäußert, die Politikerin könnte sich die Hämatome selbst zugefügt haben, um die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Timoschenkos Familie wies die Vorwürfe zurück. Die Politikerin ist eine erbitterte Gegnerin von Präsident Janukowitsch und war im vergangenen Jahr in einem international umstrittenen Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Schwedens Premier will EM-Spiele in der Ukraine boykottieren

Die Regierung in Kiew steht auch angesichts der anstehenden Fußball-EM unter Druck, die teils in der Ukraine ausgetragen werden soll. Die EU-Kommission teilte mit, ihre Mitglieder wollten den Spielen dort aus Protest gegen den Umgang mit Timoschenko fernbleiben. Ob Kanzlerin Angela Merkel oder deutsche Minister zur Fußball-EM in die Ukraine reisen werden, ist weiterhin offen. "Die ukrainische Führung weiß, Europa schaut auf sie, und insofern ist die aktuelle Debatte im Sinne unseres Anliegens durchaus hilfreich", sagte Innenminister Friedrich mit Blick auf die Boykottdrohungen.

Auch Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt kündigte an, er werde keines der Spiele der eigenen Nationalelf in der Ukraine besuchen. "Ich finde, die Situation in der Ukraine ist ernst. Man respektiert dort nicht die Menschenrechte und rechtsstaatliche Prinzipien", sagte Reinfeldt.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dagegen will zum Endspiel nach Kiew fahren. Er sehe durch das Turnier eine Chance auf eine Lösung des Falls Timoschenko, sagte er. "Die EM kann dazu beitragen, weil jetzt die Scheinwerfer der europäischen Öffentlichkeit stark auf dieses Land gerichtet sind", begründete Hundt gegenüber der "Passauer Neuen Presse" seine Reisepläne.

Auch Boxweltmeister Vitali Klitschko forderte die westlichen Politiker auf, als Zuschauer in die Stadien zu kommen. "Ihr Missfallen an der Verletzung der Menschenrechte" könnten sie dann an Ort und Stelle "direkt gegenüber den ukrainischen Machthabern äußern", sagte der ukrainische Oppositionspolitiker dem "Focus". Unter anderem könnten ausländische Politiker darauf bestehen, politische Häftlinge zu besuchen. "Das wäre auf jeden Fall effektiver, als die Fußball-EM zu boykottieren", sagte Klitschko. Für die Ukrainer sei die EM wichtig. "Man soll ihnen die Chance nicht nehmen, ihr Land zu präsentieren, ihre Gastfreundschaft zu zeigen und sich einfach gemeinsam mit den anderen am Fußball zu erfreuen."

Ex-Verfassungsrichter bringt Klage gegen Ukraine ins Spiel

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, plädierte für ein offensives Vorgehen gegen die Ukraine. "Deutschland könnte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Ukraine verklagen. Dieser Weg wird wahrscheinlich deshalb nicht beschritten, weil er nicht als medienwirksam genug angesehen wird", sagte Papier der "Welt am Sonntag". Stattdessen würden "auch von deutschen Politikern abwegige Forderungen nach einem Boykott der Fußball-Europameisterschaft erhoben".

mmq/dpa

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insgesamt 80 Beiträge
1. Ich...
rokokokokotte 05.05.2012
...fordere diese Gutmenschen - Regierung auf, GLOBAL für die Rechte und Unversehrtheit der gepeinigten, unterdrückten und vergessenen Menschen MIT DER GLEICHEN VERVE einzutreten wie für Julia Timoschenko. Dieses neuerliche [...]
Zitat von sysopDie Kritik an Kiew wird schärfer: Man erwarte nicht nur eine gute Behandlung von Julija Timoschenko, sondern überhaut einen angemessenen Umgang mit der Opposition, sagte Innenminister Friedrich. Die Regierung in Kiew bestreitet eine Misshandlung der Oppositionsführerin. Friedrich macht wegen Timoschenko Druck auf Ukraine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831465,00.html)
...fordere diese Gutmenschen - Regierung auf, GLOBAL für die Rechte und Unversehrtheit der gepeinigten, unterdrückten und vergessenen Menschen MIT DER GLEICHEN VERVE einzutreten wie für Julia Timoschenko. Dieses neuerliche Politgetöse für Timoschenko ist, bei aller Berechtigung, mal wieder derart deutsch, dass ich mich frage, was mit all den Menschen geschieht, die weltweit in irgendwelchen Kellern vermodern...sicher, man muss Prioritäten setzen. Oder was?? Oder hat es damit zu tun, dass uns die Ukraine neuerdings die Gashähne in erpresserischer Absicht nicht mehr zudrehen kann, was vorher durchaus möglich gewesen wäre? Da jedenfalls durfte Wiktor Janukowitsch doch recht unbehelligt agieren - nicht nur mit Timoschenko. Jedenfalls war nicht von Druck und Kritik zu bemerken, und wenn doch so eher mit leisen Tönen....
2. "Druck" statt Diplomatie
eingedanke 05.05.2012
Warum tönen Mitglieder der deutschen Bundesregierung jetzt auf einmal dermassen laut und fordernd in Bezug auf die Menschenrechtslage in der Ukraine? Wurden sie plötzlich durch den Hungerstreik darauf gestossen? Und wie sieht [...]
Zitat von sysopDie Kritik an Kiew wird schärfer: Man erwarte nicht nur eine gute Behandlung von Julija Timoschenko, sondern überhaut einen angemessenen Umgang mit der Opposition, sagte Innenminister Friedrich. Die Regierung in Kiew bestreitet eine Misshandlung der Oppositionsführerin. Friedrich macht wegen Timoschenko Druck auf Ukraine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,831465,00.html)
Warum tönen Mitglieder der deutschen Bundesregierung jetzt auf einmal dermassen laut und fordernd in Bezug auf die Menschenrechtslage in der Ukraine? Wurden sie plötzlich durch den Hungerstreik darauf gestossen? Und wie sieht sie ihr jünstes (Nicht-)Engagement bei vergangenen aussenpolitischen Themen und Menschenrechtsverletzungen? Man kann sich nur wünschen dass die polternden Töne ersetzt werden durch Diplomatie. Wer aufhört zu reden und sich auf "Druck machen" beschränkt wirkt nicht unbedingt stark und souverän, im Gegenteil er knallt Türen zu.
3. Meine Meinung zu den Interessen
novum2012 05.05.2012
Sehr viele Jahre bereiste ich die Ukraine und hinterließ eine Reifenspur von mehreren hunderttausend Kilometer. Als ich in der Ukraine begann zu arbeiten, agierte noch die alte Riege aus der kommunistischen Vergangenheit hinter [...]
Sehr viele Jahre bereiste ich die Ukraine und hinterließ eine Reifenspur von mehreren hunderttausend Kilometer. Als ich in der Ukraine begann zu arbeiten, agierte noch die alte Riege aus der kommunistischen Vergangenheit hinter einem neuen Mäntelchen der „Perestroika“. Hinter dieser Riege stand schon in den Startlöchern die Gruppe der letzten „Komsomolelite“. Diese war im Handeln nicht abwegiger als die damals neuen verkleideten alten kommunistischen Machthaber. Sie waren ihre Kinder. Und Julia Timoschenko als damalige Einwohnerin von Dnjepropetrovsk gehörte zu den Kindern dieses alten kommunistischen Regimes und wurde still und heimlich zu ihrem Vermögen hofiert. Dieses hat sie nicht anders als die ehemaligen Gewaltigen erlangt, in dem die Not des Volkes im Umstrukturierungsprozess gewissenlos ausgenutzt wurde. Zu Gute muss ihr gehalten werden, das sie nach der „Orangenen Revolution“ dem im verborgenen arbeitenden Mittelstand die Möglichkeit eröffnete von der Schattenwelt bzw. Schattenwirtschaft in die reale Welt aufzuerstehen und somit das Land in ein gewisses Wirtschaftswunder führte. Trotzdem verriet sie die Revolution und den ehemaligen Präsidenten Juschchenko. Allein ließ sie ihn auf weiter Flur stehen. „Der einzelne Krieger allein auf dem Schlachtfeld.“ Damit soll der vergangene Präsident nicht mit Blumen überschüttet werden, denn auch er verfolgte insgeheim seine persönlichen wirtschaftlichen Interessen und strebte eine Integration in Richtung gemeinsames politisches Europa an. Statt gemeinsam an dem wirklichen Aufbau der Ukraine zu wirken, waren beide wie auch viele Deputierte nur damit beschäftigt hinter dem Mantel der scheinbaren Demokratisierung ihre persönlichen wirtschaftlichen Interessen durch gezielte Gesetzespolitik zu begünstigen, manchmal auch mittels „sportlicher Demokratie“. Die Art und Weise der Verurteilung dieser Politikerin entsprach wahrlich nicht allgemein gültigen Normen. Aber heißt es nicht, man solle nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Die Regierung hätte sich der politischen Konkurrenz nicht durch Verfolgung der Wirtschaftsstraftaten entledigen können, denn in diesem Fall wäre mehr als für alle Beteiligten notwendig offen dargelegt worden, wer sich in welchem Sumpf herumtummelte und das System hätte in Selbstanklage sich selbst verurteilen müssen. Die Bestrafung ist nicht gerecht, jedoch hätte Timoschenko erkennen müssen, das es Volkes Wille für den neuen Präsidenten war. Opposition in slawischen Raum ist nicht zu vergleichen mit Politik in Europa. Die Entwicklung in den letzten vielen Jahrzehnten ist so unterschiedlich geprägt, wie das Klima in der Tundra im Gegensatz zum wechselhaften Klima in Europa. Zum anderen sitzen in den meisten osteuropäischen Parlamenten im Gegensatz zur Europäischen Union nicht Politiker in den Gremien, sondern der Wirtschaftsunternehmer persönlich. Hier in Europa wird Politik über Lobbyismus betrieben, dort werden die gegenseitigen Interessen der Wirtschaftsbosse und des Volkes nicht abgewogen. Die Verurteilung ist einerseits gerecht und trotzdem zudem zutiefst ungerecht, weil allgemeine rechtsstaatliche Normen nicht eingehalten wurden. Das Timoschenko sich nun erneut der politischen Bühne bedient hat wohl noch andere internationale Interessen. Europa missbraucht die Politikerin und die Politikerin benutzt das kultivierte Europa. Was interessiert uns nun so vordringlich die Ukraine. Geoglobale Interessen als Keil zu Russland um mit der Einbeziehung der Ukraine in die europäische Integration Unabhängigkeit von der Monopolstellung zu Russlands Rohstoffen zu schaffen. Auch darum geht es wohlweislich und nicht um den Fall Timoschenko, jedoch benötigt die Politik einen Aufhänger. Somit sind Timoschenko und die deutschen wie auch europäischen Politiker nicht besser als die diejenigen die angeprangert werden sollen. Viele andere Interessen will ich nicht weiter versuchen in Zusammenhang zu bringen, da dieses den Umfang eines Kommentars sprengt. Fahret zu den Meisterschaften und genießt die Ukraine, schaut nach Rechts und Links und lasst Euch nicht blenden. Dort regiert nur das Geld und wenn irgendwo Theater gespielt wird, so ist es in der Ukraine. Weicht nicht so tief von den Autobahnen ab, sottet ihr das Fahrzeug nutzen, ein großes Loch könnte Euer Verhängnis sein. Nur noch anmerkend zur Thematik Gesundheitswesen. Wohlweislich entspricht es nicht den Normen, wie wir es uns vorstellen möchten. Wer jedoch über derart viele Millionen an Dollar verfügt, kann es sich auch im Gefängnis leisten eine ausgezeichnete medizinische Betreuung in der Ukraine zu erlangen. Dazu bedarf es keines Mediziners aus der Charite. Während meines Aufenthaltes war es mir höchst selten vergönnt unverzüglich deutsche Mediziner für mich als deutschen Staatsangehörigen zu organisieren. Jedoch die fachliche Kompetenz ukrainischer Ärzte stelle ich nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht in Zweifel.
4. Schon klar.
ford_fairlane 05.05.2012
Bei rechtskräftig verurteilten Verbrechern, die aus der Politik kommen (sic!), endeckt der gute Mann plötzlich sein (zugegeben kleines) Herz für die Demokratie. Es könnte ja auch sein, dass man sich ganz schnell selber in der [...]
Bei rechtskräftig verurteilten Verbrechern, die aus der Politik kommen (sic!), endeckt der gute Mann plötzlich sein (zugegeben kleines) Herz für die Demokratie. Es könnte ja auch sein, dass man sich ganz schnell selber in der Rolle der Opposition befindet. Es könnte allerdings auch sein, dass dann einige Fragen aufgeworfen werden könnten, wie das ständige ignorieren dieses völlig unwichtigen bedruckten Stück Papiers namens Grundgesetz oder die anderen Dinger mit den lustigen Zeichen oben(im Volksmund auch Gesetze genannt).
5. Wird Nationalmannschaft zum Sündenbock ?
robert.haube 05.05.2012
Unsere Nationalmannschaft wird diesen Politiker-Blödsinn, die EM als Druckmittel für die machtpolitischen Interessen der EU zu benutzen, ausbaden müssen. Stellen wir uns auf Proteste nationalistischer Ukrainer vor dem [...]
Unsere Nationalmannschaft wird diesen Politiker-Blödsinn, die EM als Druckmittel für die machtpolitischen Interessen der EU zu benutzen, ausbaden müssen. Stellen wir uns auf Proteste nationalistischer Ukrainer vor dem Mannschaftshotel oder auch in den Stadien ein. Der Überfall durch die Nazis und die tausendfachen Morde steckt diesem Land noch immer in den Knochen. Auch das wird hochkochen und am "Sündenbock" Nationalmannschaft abgeladen werden.

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