08.05.2012
Frankreich
Hollande und Sarkozy gedenken Weltkriegsende
Staatsmänner Sarkozy, Hollande: Gedenken in Paris
Paris - Nach einem schmutzigen Wahlkampf mit vielen Beleidigungen haben sich Sieger und Verlierer von Frankreichs Präsidentenwahl am Dienstag in staatsmännischer Einigkeit präsentiert. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein Nachfolger François Hollande haben gemeinsam am Arc de Triomphe in Paris einen Kranz niedergelegt am Grabmal des Unbekannten Soldaten.
Sarkozy holte dafür nach einer Fahrt über die Prachtstraße Champs-Elysée Hollande von einer Zuschauerbühne ab. Während die beiden Politiker Schulter an Schulter mit dem Gedenkkranz zum Grabmal schritten, sang ein Militärchor die französische Nationalhymne.
"Das war ein Bild, das sich alle Franzosen gewünscht haben", sagte Hollande anschließend.
Der neu ins Amt gewählte Sozialdemokrat hat angekündigt, das gespaltene Frankreich versöhnen zu wollen. Die fünfjährige Regentschaft des konservativen Sarkozy hat das Land polarisiert. Bei der Stichwahl am Sonntag konnte sich Hollande mit 51,7 Prozent knapp gegen Sarkozy (48,3 Prozent) durchsetzen.
Mit der symbolträchtigen Geste kommt Hollande dem unterlegenen Sarkozy entgegen. Zum Abschied seiner Präsidentschaft kann Sarkozy sich so noch einmal als überparteilicher Landesvater inszenieren. Er selbst hatte es 2007 als frisch gewählter Präsident abgelehnt, mit seinem Amtsvorgänger Jacques Chirac gemeinsam den Kranz zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs niederlegen. Stattdessen verbrachte er den Tag auf der Yacht eines befreundeten Geschäftsmanns, was viele Franzosen verärgerte.
Sarkozy nutzte den Auftritt, um sich von seinen Anhängern zu verabschieden. Hunderte Menschen hatten sich rund um den Arc de Triomphe versammelt und jubelten ihm bei der Kranzniederlegung zu. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat hatte am Sonntag angedeutet, sich aus der Politik möglicherweise zurückzuziehen.
Das letzte Mal gedachten 1995 zwei französische Staatsmänner gemeinsam der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Jacques Chirac nahm damals als neu gewählter Präsident zusammen mit seinem Vorgänger François Mitterrand an der Zeremonie teil. Mitterrand hatte sich mit Chirac jedoch keinen Wahlkampf geliefert, da er nach zwei Amtsperioden nicht für ein weiteres Mandat kandidieren konnte.
ras/AFP/dpa