08.05.2012
Ukraine
Timoschenko will Hungerstreik beenden
Charkow/Kiew - Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin Julija Timoschenko will nach knapp drei Wochen ihren Hungerstreik am Mittwoch beenden. Das sagte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko am Dienstag in Charkow. Der Neurologe Lutz Harms von der Berliner Charité werde ihre Mutter "aus dem Hungerstreik herausführen, was etwa zehn Tage bis zwei Wochen dauern wird", sagte Jewgenija Timoschenko.
Die frühere ukrainische Ministerpräsidentin habe der Verlegung in das ukrainische staatliche Krankenhaus zugestimmt, sagte ihr Anwalt Sergej Wlasenko am Dienstagnachmittag nach einem Treffen mit seiner Mandantin. "Timoschenko ist bereit, sich morgen in das Krankenhaus verlegen zu lassen", sagte Wlasenko.
Der Spezialist aus Berlin habe ihr klargemacht, dass eine Fortsetzung des Hungerstreiks und eine weitere Nichtbehandlung des Bandscheibenvorfalls zu bleibenden Schäden führen kann.
Die Ex-Regierungschefin, die aus Protest gegen ihre Haftbedingungen seit dem 20. April die Nahrungsaufnahme verweigert, verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Amtsmissbrauchs.
Der Westen hält ihre Strafe für politisch motiviert. Nachdem zahlreiche Staatschefs ein für das Wochenende geplanten Gipfeltreffen boykottierten, sagte die Regierung in Kiew am Dienstagmittag die internationale Konferenz ab.
Der Berliner Neurologe Harms war am Montagabend in Charkow angekommen. Die Behandlung Timoschenkos durch Ärzte der Berliner Charité wird nicht vom deutschen Steuerzahler finanziert, betonten Sprecher von Charité und Auswärtigen Amt am Dienstag in Berlin. "Die erste Reise der Charité-Ärzte ist von der Familie der Politikerin bezahlt worden. Weitere Reisen sind auf Einladung der ukrainischen Regierung erfolgt", so die Sprecherin der Charité. "Die Bundesregierung ist nicht für die Reisen deutscher Ärzte in die Ukraine aufgekommen", hieß es beim Auswärtigen Amt.
Timoschenkos Tochter Jewgenija hatte am Montag in Berlin um Unterstützung für ihre Mutter geworben. Sie sprach unter anderem mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und dem Chef der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering. Ein erhofftes Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kam dagegen nicht zustande.
fab/AFP/dapd/dpa